Unsere Bedürfnisse waren schnell aufgelistet: Eine schattige Taverne, etwas Kühles zum Trinken und etwas Gutes zum Essen.
Um schnell in das Dörfchen Kontokali zu gelangen, nahmen wir die Abkürzung am Hafen entlang, wo der Weg zwar teilweise schlecht, die Aussicht aber unbeschreiblich romantisch war. Nach wenigen Schritten waren wir umringt von mehreren Hunden, undefinierbarer Rasse, die offenbar beschlossen hatten, das Abendessen mit uns einzunehmen. Es gelang uns nicht, sie wieder loszuwerden und selbst als wir im Gänsemarsch über einen Holzsteg die letzten Schritte ins Dorf zurücklegen mussten, blieben die Hunde hinter uns, notgedrungen ebenfalls im Gänsemarsch.
Wir waren sehr willkommen in der Taverne, nicht aber unsere Begleiter, es gab bereits unzählige Hunde, die um die Tische herumschlichen, bittend und bettelnd um Nahrung oder Liebe. In regelmässigen Abständen, ich glaube, immer wenn er neue Souflaki-Spiesse aufgelegt hatte, kam der Koch und vertrieb die Hunde laut fluchend und mit den Füssen tretend. Aber kaum hatte er sich wieder seinem Grill zugewandt, kamen sie erneut hervor und dann lag einem so eine Hundeschnauze auf dem Schoss und sah einen mit traurigen Augen an. Wir konnten und durften sie nicht füttern, das wussten wir, aber wir konnten sie auch nicht ignorieren. Das Essen schmeckte uns nicht. Wir waren entschlossen, demnächst eine andere Taverne auszusuchen.
Wir hatten sie bald gefunden, und hier gab es keine Hunde. Die Taverne lag inmitten eines Garten, der Blick aufs Meer wurde nur eingeschränkt durch die Zypressen, sie sich im Abendlicht herrlich präsentierten.
Schon am ersten Abend war mir aufgefallen, dass der Kellner mit dem schmutzigen Geschirr immer einen Umweg durch den Garten machte, und eines abends sah ich den Grund. Ein kleiner, schwarzer Hund, der ihn schwanzwedelnd erwartete oder besser gesagt, die Köstlichkeiten, die auf den gebrauchten Tellern zurückgeblieben waren. Dem Kellner war es sichtlich unangenehm, dass ich ihn beobachtet hatte und entschuldigend sagte er: „Muss viel essen, hat Kinder.“
„Ja, das muss er wohl“, sagte ich und liess von nun an immer etwas auf meinem Teller liegen.
Es war am letzten Abend unserer Ferien auf dieser schönen Insel. Das Meer löschte die letzten Strahlen der Sonne aus, der Anblick war unbeschreiblich schön, der Abschied tat weh. Da sah ich den kleinen Hund.
Langsam und majestätisch kam er durch den Haupteingang. Ich hatte sogleich Angst um ihn, gab es vielleicht auch hier einen fluchenden und tretenden Koch? Dann sah ich die drei süssen, kleinen Wollknäuelchen, die ungeschickt und tapsig hinter ihm her liefen. Auch der Kellner hatte die ungewöhnlichen Besucher gesehen, er stellte das Tablett mit den Getränken ab und ging zu den Hunden.
Ich bin gekommen, um dir zu danken, sagte der kleine Hund. Du hast mir geholfen, meine Kinder zu ernähren.
Das war doch keine Mühe, das habe ich gerne getan, sagte der Kellner, während er eines der kleinen Hundekinder an seine Brust drückte. Und überhaupt, den Touristen macht das nichts aus, die essen ohnehin alle zu viel.
Das konnte der Hund nicht verstehen, denn er hatte noch nie gehört, dass man zuviel essen könnte.
Sieh sie dir doch bloss an, sind sie nicht wunderbar?
Natürlich sind sie das, sie sind ein Wunder, weil es immer ein Wunder ist, wenn neues Leben entsteht, sagte der Kellner.
Ich war gerührt und sehr erstaunt, weil ich plötzlich Griechisch und die Sprache der Tiere verstand.
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