Mehrprämien ohne effektive Gegenleistung
Rund 50 Franken pro Monat, 600 Franken im Jahr - soviel mehr muss jeder und jede Versicherte ab 1. Januar 2010 für Krankenkassenprämien auslegen, sofern er oder sie keine Prämienverbilligung erhält. Das geht speziell für Familien, aber auch für Seniorinnen und Senioren, die nicht auf Rosen gebettet sind, schnell einmal an die Substanz. Und das sind Mehrausgaben ohne eine Gegenleistung, denn es wird deswegen kaum jemand mehr zum Arzt gehen oder mehr Pillen schlucken. Hoffentlich....
Drei Milliarden Kaufkraftverlust zum dümmsten Zeitpunkt
Bild rechts: Martin Straub, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim KOF
Wenn man die Mehrprämien für die Krankenkasse hochrechnet, ergibt dies einen Kaufkraftverlust von 3 Milliarden Franken, und das in einer Zeit, wo die Konjunktur ohnehin lahmt, wie Martin Straub, wissenschaftlicher Mitarbeiter der KOF Konjunkturforschungsstelle bei der ETH Zürich, feststellt. Wird dadurch die gegenwärtige Rezession verlängert beziehungsweise der Wiederaufschwung verzögert? Martin Straub: „Falls die Konsumentinnen und Konsumenten als Reaktion auf die Prämienerhöhungen ihre Ausgaben weiter drosseln, wirkt sich dies negativ auf die Gesamtwirtschaft aus, d.h. die Rezession verschärft sich nochmals leicht. Bezüglich der Länge der Rezession ist es so, dass die ersten positiven Wachstumsimpulse aus dem Ausland kommen dürften, d.h. die Schweizer Wirtschaft wird sich anfänglich durch steigende Exporte erholen." Wenn sich infolge der massiven Prämienerhöhungen der Konsum abschwäche, so könne sich das aber durchaus auf die Tiefe der Rezession und das Tempo der Erholung der Binnenwirtschaft auswirken, meint Martin Straub weiter.
Prämienerhöhungen ohne Stimulation der Gesamtwirtschaft
Was bereits angetönt wurde: Dem schweizerischen Bruttosozialprodukt nützen diese starken Prämienerhöhungen überhaupt nichts, weil sie nur dazu da sind, die „geplünderten" Reserven der Krankenversicherer wieder auf das gesetzliche Minimum zu bringen. „ Somit gehen von den zusätzlichen Prämien tatsächlich keine direkten Wachstumsimpulse aus", erklärt Martin Straub von der KOF.
Wo wird gespart?
Bild: In Zukunft weniger reisen?
Auch wenn das Konsumverhalten schwierig zu prognostizieren ist - lässt sich aufgrund früherer Erfahrungen voraussagen, wie die Konsumentinnen und Konsumenten auf einen solchen, fast schockartigen, Kaufkraftverlust konkret reagieren? Martin Straub: „Allgemein kann man sagen, dass der Konsum eher träge reagiert, d.h. mit einem dramatischen und sofortigen Einbruch ist nicht zu rechnen. Die Reaktion dürfte sich eher über mehrere Quartale erstrecken. Dabei dürfte vor allem bei grösseren Anschaffungen bzw. beim Kauf von langlebigen Gütern gespart werden. So ist bereits jetzt sichtbar, dass im Zuge der Rezession die Neuimmatrikulationen von Personenwagen stark rückläufig sind. Darüber hinaus scheint auch bei Reisen gespart zu werden, denn die Logiernächte in der Schweiz sind seit einigen Monaten rückläufig."
Wie reagieren Seniorinnen und Senioren?
Bild: In Zukunft weniger auswärts essen?
Seniorinnen und Senioren verfügen über stabile Renten, leben aber häufig auch von Vermögenserträgen, welche sich infolge der Wirtschaftskrise ebenfalls zurückbilden (tiefe Zinsen, Dividendenausfälle). Wie reagiert diese Altersgruppe der nicht mehr Erwerbstätigen auf einen solchen Kaufkraftverlust? Markus Straub von der KOF geht davon aus, dass die Reaktion dieser Altersgruppe infolge der geringeren Schwankungen des Einkommens weniger stark ausfällt: „Gewisse Anpassungen sind aber auch hier zu erwarten, da auch die Seniorinnen und Senioren die Rezession zumindest indirekt zu spüren bekommen. Genaue Aussagen können dazu wir leider nicht machen, da man die Konsumausgaben nicht nach Alterskohorten aufschlüsseln kann". Weniger auswärts essen, weniger Ausflüge unternehmen, mehr zuhause kochen, das kann natürlich durchaus eine Reaktion auf die massiven Prämienerhöhungen sein und die Gastronomie empfindlich treffen.
Erhöhung der CO2-Abgabe als Sargnagel für die CH-Konjunktur?
Bild: In Zukunft weniger Bio einkaufen?
Gerade kürzlich hat der Bundesrat per 1. Januar 2010 eine massive Erhöhung der CO2-Abgabe auf Brennstoffen beschlossen, was die Konsumentinnen und Konsumenten nochmals mit 400 Millionen Franken belastet. Wie wirkt sich diese Erhöhung in Kombination mit den massiven Prämienaufschlägen bei den Krankenkassen aus? Könnte das der berühmte letzte Sargnagel für die Schweizer Konjunktur sein? „Aus konjunktureller Sicht ist dies natürlich ein unglücklicher Zeitpunkt", meint Martin Straub, „zusammen mit den Prämienerhöhungen dürfte die Erhöhung der CO2-Abgabe die Konsumlaune weiter drücken, und der Rückgang der Konsumausgaben dürfte sich nochmals etwas verstärken. Mit einem dramatischen Einbruch ist jedoch nicht zu rechnen". Auszuschliessen ist allerdings nicht, dass die CO2-Abgabe und die massiven Prämienerhöhungen dazu führen, dass man statt Bio nur noch normales Gemüse kauft, vermehrt beim Discounter einkauft und auch öfters Produkte der Billiglinien (Prix Garantie oder M-Budget) in den Einkaufskorb legt.
(Bilder: www.doktor.ch und KOF Konjunkturforschungsstelle)
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Arena: Höhere Krankenkassenprämien - wo sparen?
Im Forum „Arena" läuft eine Diskussion über die Folgen dieser massiven Prämienerhöhungen.
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Zu viele Krankenkasse