Konsum

Massiv höhere  Krankenkassenprämien – wo sparen?

Massiv höhere Krankenkassenprämien – wo sparen?

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, steigen die Krankenkassenprämien nächstes Jahr um 15 %. Das führt zu einem Kaufkraftverlust von 3 Milliarden Franken, sagen Experten. Wie und wo werden die Konsumentinnen und Konsumenten diesen Betrag einsparen?
 

Mehrprämien ohne effektive Gegenleistung 

Rund 50 Franken pro  Monat, 600 Franken im Jahr - soviel mehr muss jeder und jede Versicherte ab 1. Januar 2010 für Krankenkassenprämien auslegen, sofern er oder sie keine Prämienverbilligung erhält. Das geht speziell für Familien, aber auch für Seniorinnen und Senioren, die nicht auf Rosen gebettet sind, schnell einmal an die Substanz. Und das sind Mehrausgaben ohne eine Gegenleistung, denn  es wird deswegen kaum jemand mehr zum Arzt gehen oder mehr Pillen schlucken. Hoffentlich....

 

Martin Straub, KOF Drei Milliarden Kaufkraftverlust zum dümmsten Zeitpunkt

Bild rechts: Martin Straub, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim KOF 

Wenn man die Mehrprämien für die Krankenkasse hochrechnet, ergibt dies einen Kaufkraftverlust von 3 Milliarden Franken, und das in einer Zeit, wo die Konjunktur ohnehin lahmt, wie Martin Straub, wissenschaftlicher Mitarbeiter der KOF Konjunkturforschungsstelle  bei der ETH Zürich, feststellt. Wird dadurch die gegenwärtige Rezession verlängert beziehungsweise der Wiederaufschwung verzögert? Martin Straub: „Falls die Konsumentinnen und Konsumenten als Reaktion auf die Prämienerhöhungen ihre Ausgaben weiter drosseln, wirkt sich dies negativ auf die Gesamtwirtschaft aus, d.h. die Rezession verschärft sich nochmals leicht. Bezüglich der Länge der Rezession ist es so, dass die ersten positiven Wachstumsimpulse aus dem Ausland kommen dürften, d.h. die Schweizer Wirtschaft wird sich anfänglich durch steigende Exporte erholen."  Wenn sich infolge der massiven Prämienerhöhungen der Konsum abschwäche, so könne sich das aber durchaus auf die Tiefe der Rezession und das Tempo der Erholung der Binnenwirtschaft auswirken, meint Martin Straub weiter.    

 

Prämienerhöhungen ohne Stimulation der Gesamtwirtschaft 

 

Was bereits angetönt wurde: Dem schweizerischen Bruttosozialprodukt nützen diese starken Prämienerhöhungen überhaupt nichts, weil sie  nur dazu da sind, die „geplünderten" Reserven der Krankenversicherer wieder auf das gesetzliche Minimum zu bringen. „ Somit gehen von den zusätzlichen Prämien tatsächlich keine direkten Wachstumsimpulse aus", erklärt Martin Straub von der KOF.

 

 

PanoramaWo wird gespart? 

Bild: In Zukunft weniger reisen? 

Auch wenn das Konsumverhalten schwierig zu prognostizieren ist - lässt sich aufgrund früherer Erfahrungen voraussagen, wie die Konsumentinnen und Konsumenten  auf einen solchen, fast schockartigen, Kaufkraftverlust konkret reagieren? Martin Straub: „Allgemein kann man sagen, dass der Konsum eher träge reagiert, d.h. mit einem dramatischen und sofortigen Einbruch ist nicht zu rechnen. Die Reaktion dürfte sich eher über mehrere Quartale erstrecken. Dabei dürfte vor allem bei grösseren Anschaffungen bzw. beim Kauf von langlebigen Gütern gespart werden. So ist bereits jetzt sichtbar, dass im Zuge der Rezession die Neuimmatrikulationen von Personenwagen stark rückläufig sind. Darüber hinaus scheint auch bei Reisen gespart zu werden, denn die Logiernächte in der Schweiz sind seit einigen Monaten rückläufig."
 

 

RestaurantWie reagieren Seniorinnen und Senioren?

Bild: In Zukunft weniger auswärts essen? 

Seniorinnen und Senioren verfügen über stabile Renten, leben aber häufig auch von Vermögenserträgen, welche sich infolge der Wirtschaftskrise ebenfalls zurückbilden (tiefe Zinsen, Dividendenausfälle). Wie reagiert diese Altersgruppe der nicht mehr Erwerbstätigen auf einen solchen Kaufkraftverlust? Markus Straub von der KOF geht davon aus, dass die Reaktion dieser Altersgruppe infolge der geringeren Schwankungen des Einkommens weniger stark ausfällt: „Gewisse Anpassungen sind aber auch hier zu erwarten, da auch die Seniorinnen und Senioren die Rezession zumindest indirekt zu spüren bekommen. Genaue Aussagen können dazu wir leider nicht machen, da man die Konsumausgaben nicht nach Alterskohorten aufschlüsseln kann". Weniger auswärts essen, weniger Ausflüge unternehmen, mehr zuhause kochen, das kann natürlich durchaus eine Reaktion auf die massiven Prämienerhöhungen sein und die Gastronomie empfindlich treffen.

 

 

FrüchteErhöhung der CO2-Abgabe als Sargnagel für die CH-Konjunktur?

Bild: In Zukunft weniger Bio einkaufen? 

Gerade kürzlich  hat der Bundesrat per 1. Januar 2010 eine massive Erhöhung der CO2-Abgabe auf Brennstoffen beschlossen, was die Konsumentinnen und Konsumenten nochmals mit 400 Millionen Franken belastet. Wie wirkt sich diese Erhöhung in Kombination mit den massiven Prämienaufschlägen bei den Krankenkassen aus? Könnte das der berühmte letzte Sargnagel  für die Schweizer Konjunktur sein? „Aus konjunktureller Sicht ist dies natürlich ein unglücklicher Zeitpunkt", meint Martin Straub, „zusammen mit den Prämienerhöhungen dürfte die Erhöhung der CO2-Abgabe die Konsumlaune weiter drücken, und der Rückgang der Konsumausgaben dürfte sich nochmals etwas verstärken. Mit einem dramatischen Einbruch ist jedoch nicht zu rechnen". Auszuschliessen ist allerdings nicht, dass die CO2-Abgabe und die massiven Prämienerhöhungen dazu führen, dass man statt Bio nur noch normales Gemüse kauft, vermehrt beim Discounter einkauft und auch öfters Produkte der Billiglinien (Prix Garantie oder M-Budget) in den Einkaufskorb legt.

(Bilder: www.doktor.ch und KOF Konjunkturforschungsstelle) 

 

Link
Arena: Höhere Krankenkassenprämien - wo sparen? 
 

Im Forum „Arena" läuft eine Diskussion über die Folgen dieser massiven Prämienerhöhungen.

 

 

 

Kommentare

Zu viele Krankenkasse

Habe dazu schon mehrmals geschrieben. Es gibt zuviele Kassen bei uns, die verdienen sich eine goldene Nase, komisch, dass darüber niemand schreibt? Meine Kasse hat am meisten Reserve, nun wir sie dafür gestraft, find ich noichtin Ordnung! Klar dass etliche Kassen ins Minus rutschen, wenn sie sich selber belohnen mit riesigen Gehälter, denen sollte der Bundesrat auf die Finger schauen!

An Kurt Engelbrecht

Dass ein Kaufkraftverlust ist, bezweifle ich. Vielmehr ist es eine Kaufkraft-Umlenkung von Konsum- oder Investitionsgütern zu Gesundheitsleistungen. Das Geld fliesst unverzüglich wieder in die Wirtschaft. Kurt Engelbrecht Bitte erklären Sie mir das genauer, ich kann das so nicht stehen lassen. Mit freundlichen Grüssen Edwin

Dass ein Kaufkraftverlust ist, bezweifle ich. Vielmehr ist es eine Kaufkraft-Umlenkung von Konsum- oder Investitionsgütern zu Gesundheitsleistungen. Das Geld fliesst unverzüglich wieder in die Wirtschaft. Kurt Engelbrecht