Umwelt

Fühlen, riechen, schmecken - Pflanzen erleben mit allen Sinnen

Fühlen, riechen, schmecken - Pflanzen erleben mit allen Sinnen

In die Erlebniswelt der Pflanzen eintauchen, dazu lud die ZHAW anlässlich ihres Juli-Rundganges im Grüntal ein. Fühlen, riechen, schmecken kann man Pflanzen - aber auch hören? Mit Ursula Höhn sehen wir uns um im Nutz- und Kräutergarten.

Bild oben: Blüten der Färberkamille, aus den Gärten der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft (ZHAW).

Aus Pflanzen Farben gewinnen

Die Färberkamille gehört zu den ältesten Färberpflanzen. Mit ihr wurden einst Wolle und Baumwolle gefärbt und Bilder gemalt. Ursula Höhn kocht Blüten der Färberkamille in Allaun und erzielt damit ein warmes Gelb. Auf gleiche Art hat sie Rosa-Farbtöne aus Geranienblüten gewonnen. Ursula Höhn ermutigt, die Versuche mit anderen Pflanzen fortzusetzen. Wie lichtecht die Farben sind, ist nicht bekannt – das Erlebnis, ein Aquarell mit selbsthergestellten Farben zu malen, wiegt schwerer und kann zu einem zwar etwas zeitaufwändigem, aber einmaligen Ferienerlebnis werden.

Bild: Arctium Lappa oder grosse Klette.

Woher kommt der Klettverschluss?

Die Idee zu vielen  Erfindungen, die uns den Alltag erleichtern, stammt aus der Pflanzenwelt.  Die Widerhaken der Früchte der grossen Klette oder Arctium Lappa  haben findige Beobachter auf die Idee der Klettverschlüsse gebracht. Die grosse Klette erinnert an einen Rhabarberstock. Sie wird als Heilpflanze genutzt, Wurzeln und Blätter werden als Wildgemüse gegessen, aus den Wurzeln wird Haaröl gewonnen und aus den Stängeln hat Ursula Höhn eine rhabarberähnliche Wähe gebacken - etwas süsslicher als Rhabarber. "Nicht ganz durchgebacken",  beurteilten ihre Kinder den Kuchen aus dem Stängel, den sie nicht kannten.

 

Guter HeinrichBild: Der "Gute Heinrich" wächst in den Unkrautbeständen bäuerlicher Siedlungen und braucht nähr- und stickstoffreiche Böden.

„Guter Heinrich“ oder wilder Spinat

Der Name erinnert an die Legende vom armen aussätzigen Heinrich, der sich mit dieser, auf den Bauernhöfen dem Unkraut zugeordneten, Pflanze ernährt haben soll. Das ist möglich, denn die Pflanze enthält Eisen und Vitamin C. Sie wird als Wildgemüse genutzt, die jungen Blätter wie Spinat, die Stängel wie Spargeln, die Blüten wie Broccoli. Die Samen werden Getreidekörnern beigemischt. Der „Gute Heinrich“ gilt als Besen für den Magen. Seine Wirkung wurde einst den Elfen und Kobolden zugeschrieben.

 

 Blütendolde des BaldrianBild: Blütendolde des Baldrians.

Pflanzen hören – der Baldrian!

Auf die Tonleiter, die im Baldrian steckt, ist Ursula Höhn eher zufällig gestossen, beim Schneiden der röhrenförmigen Stängel, die je nach Umfang unterschiedlich tönen. Aus Baldrianstängeln könnte man, so Ursula Höhn, eine Flöte oder eine Art Panflöte herstellen.

Die Pflanze gibt es in etwa 150 Arten. Bekannt ist der Baldrian vor allem als Beruhigungs- und Schlafmittel, das zwar nicht sehr stark wirkt, aber auch keine Abhängigkeiten schafft.

 

 

Springkraut oder BalsamineBild: Springt sie oder springt sie nicht? Das Springkraut oder die Balsamine heisst auch "Rühr-mich-nicht-an".

Das Springkraut oder die Basalmine hat mich schon als Kind fasziniert. Meine Grossmutter sammelte die Samen im Herbst und säte sie alljährlich in ihren kleinen Vorgarten. Kam ich in die Ferien, so blühte sie so in vielen Farben, wie ich sie seither nie mehr gesehen habe, und ich habe die Pflanze immer mit "sehr alt" in Verbindung gesetzt. 

Das Springkraut gibt es in etwa 900 Varianten. Seine sehr erfolgreiche Vermehrungstechnik beschäftigt die Botaniker; sie empfehlen, standortfremde Arten, die sich allzu üppig ausbreiten, auszurotten. Das Springkraut fasziniert Kinder und Erwachsene: die Kapselfrüchte sind sogenannte Saftdruckstreuer. Berührt man eine reife Fruchtkapsel, so explodiert sie und schleudert die Samen weg. Die Balsamine ist die Stammpflanze der Impatiens (oder des Fleissigen Lieschens).

 

Rizinus oder WunderbaumBild: Rizinusbaum oder Wunderbaum, ein wunderlicher Baum, hübsch anzusehen, mit so giftigen Früchten, dass sein Toxin zur Eliminierung von Feinden in kriegerischen Auseinandersetzungen benutzt wurde.

Düfte - angenehm bis makaber

"So sehr können meine Pflanzen ja nicht stinken", meint Ursula Höhn im Gewächshaus.  Das Geruchserlebnis wurde tatsächlich übertrumpft durch den Landwirt, der gerade seine Jauche austrug. Dennoch gab es im Gewächshaus einiges an Stink- und Duftgerüchen zu entdecken, das Springkraut, der Rizinus, die Pfeifenblume und die Duft-Pelargonien, die je nach Sorte nach Minze, Zitrone oder Pfeffer riechen. Gut zu wissen, dass einige Duft-Pelargonien nach der ersten Blüte nicht mehr gegossen werden sollen, sie sind sich an Trockenheit gewohnt und bilden bei zu viel Nässe keine weiteren Blüten mehr.

 

sog. PfeifenblumeBild: Aristolochia gigantea, auch Pfeifenblume, Pelikanblume oder Gespensterblume genannt.

Die Exoten im Gewächshaus

Hier gab es einiges zu betasten und zu fühlen, wie die fetten, behaarten Blätter der Kalanchoe und die Aristolochia gigantea, deren Samenkapsel so gross und so prall mit Luft gefüllt ist wie eine Schweinsblase, die man gut und gerne als Schwimmhilfe getestet hätte. Ihr taschentuchgrosses Blütenblatt fühlt sich so weich an wie Seidensamt und erinnert in seiner Purpurfarbe an königliche Roben.

Die Pfeifenblume ist eine Kletterpflanze. Im Gewächshaus hängen ihre Früchte wie Fledermäuse oder wie Trockenfleisch unter dem Glasdach.

 

 

BlütenapéroBild: Variationen aus dem Blüten-Apéro: Stiefmütterchen, Kapuziner, Kornblumen, Karottendolden, Tagetes und Borretsch.

Blüten kann man essen

Zum Abschluss der Führung wurde ein Apéro mit essbaren Blüten angeboten wie Baumspinat, Borretsch, Dahlien, Kapuziner, Karotten, Kornblumen, Ringelblumen, Stiefmütterchen, Tagetes, Taglilien. Das Essen von Blüten ist gewöhnungsbedürftig: Hübsch anzusehen und mit wenig Eigengeschmack, eignen sich die Blüten wohl eher zur Dekoration. "Verspeise ich eine Taglilie, so fühle ich mich wie eine Kannibalin", erklärt meine Nachbarin, eine grosse Gartenliebhaberin.

Nächste Führung durch die Gärten im Grüntal
am 3. August 2009, Thema: "Mediterrane Pflanzen am Zürichsee"

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Buch: Helena Arendt - Werkstatt Pflanzenfarben
Natürliche Malfarben selbst herstellen und anwenden. 
AT Verlag, Februar 2009 - Hardware - 175 Seiten
CHF 40.90

 

Kommentare

Bild des Benutzers Maja Petzold

Ausstellung im Naturmuseum Olten

Kaum hatte ich Brigittes spannenden Artikel gelesen, fiel mir in der Zeitung ein kleiner Hinweis auf: Im Naturmuseum Olten zeigt die Basler Farbenforscherin und Künstlerin Kathrin Gerold-Spring die verborgenen Farben der Natur: "Farbklänge - Pflanzenalchimie und Kunst". Die Ausstellung dauert noch bis 9. August - vielleicht hat jemand Freude daran?! Maja Petzold[B]null[/B]

oh wäre ich gerne dabei gewesen bei dieser Führung! Das scheint sehr interessant zu sein. In unseren Garten habe ich vor 2 Jahren die Färberkamille gesät. Huiiii, die wächst wie Unkraut. Der Rizinus vor 3 jahren gesägt, ergab eine Höhe vn ca. 3 Metern. Ich hatte ihn direkt an die Stadtmauer gepflanz, so hatte der dort viel Sonne und bei Regen hat sich das Wasser gestaut, genau so wie er das liebt. Danke für die tolle Reportage.