Die kleine Rotweinflasche steht schon auf dem Tablar; ich passe auf, dass kein Missgeschick passiert, schliesslich trage ich Sonntagshosen.
Die Dame links und der Herr rechts bevorzugen Weisswein. Der Herr, ein Süd-Franzose, redet ständig zu mir; die Dame sagt kein Wort. Ich hätte es lieber umgekehrt; aber da kommt schon das Essen. Flink stellt der Steward das Tablett vor mich hin. Das Gleiche links und rechts, fast gleichzeitig. Und nun der Balanceakt: Wo beginnen? Platznot auf dem Klapptisch. Trotz eingezogenem Bauch herrscht beschränkte Bewegungsfreiheit und die Oberschenkel drohen von unten das Ganze in Schräglage zu drücken.
Gescheites Vorgehen und überlegtes Handeln ist nun wichtig. Das will ich eigentlich immer, in jeder Situation und Lebenslage. Also los! Die links und Der rechts werden staunen! Er fummelt schon mit dem Messer an der Unterseite der grössten Box während Madame, mit spitzen Fingern, sorgsam die Alufolie vom kleinen Töpfchen zieht.
Ich gehe praktisch vor: Zuerst den Salat essen, dann gibt das die Abfallbox für alle anfallenden Leergebinde. Es finden sich da: Salz, Zucker, Mayonnaise, Salatsauce, Kaffeerahm, ein Stück Käse, ein Brötli, eine Schokoladen-Mousse, das Besteck und natürlich das Hauptgericht. Alles fein sauber eingepackt – mit Folie überdeckt.
All das kann ich dann in der leergegessenen Salatschale entsorgen. Ist doch prima! Dann habe ich „sauberen Tisch“. Der rechts kann sich ein Vorbild nehmen. Er redet jetzt zu den verschiedenen Esstöpfen wie ein Dompteur im Raubtierkäfig: „Reste à ta place, ne bouge pas“ und zwischendurch noch Drohungen – gottlob hat er seinen eigenen Zirkus!
Die kleine, vorstehende Zunge der Salatsaucen-Abdeckung und meine dicken Finger bringen es nicht fertig der Sauce einen Ausweg zu schaffen. Da: die vorstehende Zunge ist weg, die Sauce noch eingeschlossen. Zum Glück sind die Fingernägel nachgewachsen. Es gelingt – aufgepasst, nur ja nichts daneben – rasch über den Salat schütten! Verflucht, die dünne Klarsichtfolie hätte ich zuerst wegziehen sollen! Salatsauce rinnt aufs Tablett. Eine Papierserviette kommt von links, mitleidiges Lächeln dazu. Von rechts: «Malheur, vous l’aviez pas vu?»
Und ich wollte doch gescheit sein!
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