Konsum

Ein Portemonnaie genügt nicht

Ein Portemonnaie genügt nicht

„Wie schön, dass wir den Euro haben“, sagte die Dame am Wechselschalter mit strahlen­dem Blick. „So brauchen wir nur noch ein einziges Portemonnaie, wenn wir in Eu­ropa herum reisen.“

 

Pardon, Madame! Da muss ich ganz entschieden widersprechen. Das dachte ich aber nur, ich wollte ihr doch nicht die Freude an ihrem einzigen Europortemonnaie nehmen und um ihr meine Geschichte zu erzählen, reichte die Zeit am Wechselschal­ter nicht.

Meine Geschichte beginnt in Finnland, das Land ist in der EU und die Währung ist der Euro. Eine saubere Sache also.

Weiter ging es nach Norwegen. Das Land ist nicht in der EU und hat auch nicht den Euro. In Ordnung, das leuchtet ein. Man kann aber überall mit Euro bezahlen, wobei nur Geldscheine und keine Münzen akzeptiert werden. Das Wechselgeld erhält man in der Landeswährung, das ist die Norwegische Krone. So nahm ich das erste Zusatzpor­temonnaie in Betrieb.

In Dänemark müsste es wieder einfacher sein, dachte ich, denn Dänemark gehört zur EU. Ist es aber nicht, die Währung ist nicht der Euro sondern die Dänische Krone. Die kleinen Münzen haben ein Loch in der Mitte, aber sie sind deshalb nicht kaputt, das Loch gehört da hin. Natürlich kann man auch hier mit Euro bezahlen, aber auch hier wieder nur mit Noten, und das Wechselgeld erhält man in der Landeswährung. Eine Reisende aus unserer Gruppe verzichtete auf ein Glas Wein zum Essen, weil der Kellner Euros nicht akzeptierte. Sie schlug auch alle Hilfsangebote der Gruppe aus, ihr Geld zu leihen, zu wechseln oder ihr einen Wein zu spendieren. Sie war muff und das wollte sie auch bleiben. Wir Schweizer sind wirklich Tuble, meinte sie. Wir sind nicht einmal in der EU, aber unsere Warenhäuser schreiben die Preise sogar in Euro an.

Schweden ist ebenfalls in der EU, hat aber auch keinen Euro, sondern die Währung ist die Schwedische Krone. Da der Aufenthalt hier nur sehr kurz war, hatten, wir keine Schwedischen Kronen eingetauscht. Aber wir mussten Pipi, also gingen wir in einen kleinen Laden (nicht was Sie jetzt denken). Wir kauften eine Kleinigkeit, zahl­ten mit einem Fünfeuroschein und kamen so zu Schwedischen Kronen. Pipimässig ging das nicht auf, so viel mussten wir nun auch nicht, und so entstand ein neues Zusatzportemonnaie.

Den Abschluss meiner Geschichte bildet die Insel Jersey. Sie ist autonom, bankenmäs­sig gehört sie zur Bank von Grossbritannien, das ja bekanntlich zur EU gehört aber als Währung nicht den Euro hat, sondern das Britische Pfund. In Jersey bezahlt man mit Pfund, aber nicht mit Britischen Pfund sondern mit Jersey-Pfund. Natürlich kann man auch hier mit Euro-Noten bezahlen und wir hatten vorsorglich kleine Euro-Noten eingepackt. Doch durstmässig ging das auch wieder nicht auf, es war sehr heiss und wir hatten mehr Durst als kleine Euroscheine und mussten bald einmal mit den grossen Scheinen weiter machen. Natürlich hätte man auch mit dem Jersey-Wechselgeld bezahlen können, aber genau hier liegt das Problem. Man braucht Nerven, um in einer Schlange vor der Kasse das Geld zusammenzusuchen, weil man sich ja nie mit dieser Währung befasst hat. Damit waren wir beim dritten Zusatzportemonnaie. Und wieder einmal musste ich an unsere gute alte SBG-Filiale denken, in der guten alten eurolosen Zeit. Wir mussten die ausländischen Noten je­weils einige Tage vorher bestellen, weil unsere kleine Filiale nicht alle Währungen vorrätig hatte. Aber dann bekamen wir sie in einem Umschlag, auf dem die jeweiligen Wechselkurse von einem Franken an aufwärts aufgelistet waren und umgekehrt von der jeweiligen Währung in Franken. Und der gute alte Bankangestellte wünschte uns schöne Ferien. Zu Hause besahen wir uns das Geld erst einmal, machten uns mit der Währung vertraut und das war dann immer schon ein vorgezogenes Feriengefühl.

Im Insel Jersey-Zusatzportemonnaie habe ich dann auch noch ein Guernsey-Pfund entdeckt, aber ich schwöre, dass ich auf dieser Insel noch nie war. Guernsey ist auch eine Kanalinsel, die Währung ist das Guernsey-Pfund, ich konnte die Note aber in unserem guten alten Hauptbahnhof umtauschen, sodass mir ein viertes Zusatzportemon­naie erspart blieb.

Ich weiss schon, was Sie jetzt sagen wollen. Man kann alles Wechselgeld in so ein Glas werfen, das für einen guten Zweck bestimmt ist. Das weiss ich auch. Ich wollte ja auch nur sagen, dass man mit einem einzigen Portemonnaie nicht durch ganz Eu­ropa reisen kann und dass es durchaus empfehlenswert ist, wenn man sich vor einer Reise mit den entsprechenden Währungen befasst, so wie in der guten alten noch nicht globalisierten Welt.

 

Kommentare

Bild des Benutzers erizo

das richtige-Münz-

Aber unsere Warenhäuser schreiben die Preise sogar in Euro an, war in dem lustigen Bericht zu lesen. Nun der Versuch in diesen Läden mit EURO zu zahlen kann in einigen Geschäften zu Überraschungen führen. Auch ich war in meiner aktiven Zeit von diesem Übel betroffen und zückte oft das falsche Portemonnaie. Die Sache mit dem Glas funktioniert Heute auch nicht mehr ganz so einfach da die Hilfswerke lieber Noten entgegennehmen, das aussortieren der Münzen ist ja mit viel Arbeit verbunden.