Die Wälder in den Rocky Mountains leiden unter Schädlingen
Wir haben davon gehört, dass es eine explosionsartige
Vermehrung der „pine beatles“ gegeben hat in den Wäldern des Rocky Mountain
National Park, einer Käferart, welche die Kiefern vertrocknen lässt, – und
einige Schäden haben wir gesehen auf unseren Wanderungen im östlichen Teil.
Verdorrte Kiefern, hier und da ganze Baumstände, die abgestorben sind. Doch das
Ausmass der Katastrophe sehen wir, als wir über die hohen Pässe auf die
Westseite fahren: Riesige Waldflächen tot, alles verdorrt, wohin das Auge blickt.
Etwa 80% dieses Waldes sind weg.... die Bäume stehen braun und fallen teils um.
Wir sind schockiert, erinnert an all die Warnungen vor Jahrzehnten, unser Wald
werde sterben... hier sehen wir es nun, und plötzlich wird klar, was dies
bedeutet: Waldsterben. Und plötzlich wird klar, dass der Wald einer unserer
Schätze ist, der uns Erholung, Schatten, Geborgenheit bedeutet. Diesen Verlust
spüren wir als Trauer, als Schock... auch wir sind bisher durch all die
wunderbaren Wälder gereist im Glauben, sie seien ewig.
Haufenweise totes Holz
Und wir reisen weiter, im Bewusstsein, dass wir mit unserem
Camper dazu beitragen, dass das Klima sich verändert und die globale Erwärmung
Folgen zeitigt. Wir werden informiert, dass die Vermehrung der einheimischen
Schädlinge auf Trockenheit, zu warme Winter und Überalterung zurückzuführen
sei. Dass das Forstamt nur sehr begrenzt einzugreifen imstande ist – dies wird
evident, als wir Meilen um Meilen durch den zerstörten Wald fahren. Auf einem
ersten Campground halten wir es nicht aus – inmitten von Riesenhaufen gefällter
Bäume zu übernachten, scheint uns zu deprimierend. Wir fahren weiter zum
Steamboat Lake, einem idyllischen See.... auch hier zu Hunderten gefällte
Bäume, Riesenhaufen von Holz.
Aber hier auch so etwas wie ein Wunder, so kommt es
uns vor: Kaum je zuvor haben wir Wiesen gesehen von einer solchen Schönheit,
viele verschiedene Blumen- und Gräserarten, wie ein Garten. Inmitten dieser
neuen Pracht steht unser Camper, die Wiesen sind so etwas wie ein Versprechen,
dass die Natur Wunder vollbringen kann!
Am nächsten Morgen beobachte ich auf einem der noch
stehengebliebenen abgestorbenen Bäume eine Rabenversammlung: Etwa zwanzig der
schwarzen Vögel sitzen nahe beieinander auf einem Ast und vollführen einen
Riesenlärm. Manchmal spricht einer, andere antworten, mehrmals geht plötzlich eine Art Erschauern durch
die Vogelschar, sie wippen auf und ab und vereinigen sich zu einer Stimme, die
weitherum zu hören ist. Ob sie wohl protestieren, weil ihr Baum nicht mehr ist,
ob sie uns Menschen wohl anklagen für diese Zerstörungen? Ob sie wohl trauern
um diesen Baum? Ob sie wohl die neue Aussicht kommentieren, die plötzliche
Weite ohne die vielen Bäume? Ob sie wohl die vielen Blumen preisen in den
Wiesen? Ob sie einen Familienstreit austragen? Oder ob sie ganz Anderes im Sinn
haben, Raben-Angelegenheiten, die jenseits meiner Phantasien liegen?
Jedenfalls: Raben sind meine Lieblingsvögel: Sie äussern sich laut und
vernehmbar!
Weitere Folgen
1. Aufbruch zur grossen Reise: USA und Kanada
2. Mit Fragen die Reise beginnen
4. Sequoia Nationalpark: Zwischen Zeit und Ewigkeit
6. Orte zum Verweilen und Orte fürs Abenteuer
7. Waldsterben – ein Wort wird Wirklichkeit
8. Switzerland of America und Little America
9. Im Land der Shoshone-Bannock
10. Horizonte
11. Strandgut
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