Gesundheit

Stellungnahmen zur Gesundheitspolitik: 1. Extravaganzen auf Kosten der Allgemeinheit?

Stellungnahmen zur Gesundheitspolitik: 1. Extravaganzen auf Kosten der Allgemeinheit?

An der 5. Zürcher Alterskonferenz vom 17. September referierten Vertreter der Politik, der Krankenkassen, der Medizin und der Gewerkschaften über den Reformbedarf unseres Gesundheitssystems. seniorweb stellt die Standpunkte der verschiedenen Akteure in einer Folge von Video-Beiträgen zur Diskussion. Heute mit dem Referat des Zürcher Gesundheitsdirektors Dr. Thomas Heiniger.

Die Gesundheitskosten explodieren, alle sind alarmiert, stellte Anton Schaller, der Präsident des Zürcher Rentnerverbandes, einleitend fest. 55 Milliarden Franken jährlich kostet uns mittlerweile das Gesundheitswesen. Teilt man diese 55 Milliarden Franken  mit der Bevölkerungszahl in der Schweiz müsste jeder Bewohnerin, jeder Bewohner in unserem Land jährlich 7330 CHF in die Kassen des Gesundheitswesens einzahlen. Das sind 611 CHF monatlich. Eine vierköpfige Familie müsste so - statistisch betrachtet – monatlich über 2400 CHF bezahlen. Können wir uns überhaupt die Gesundheit noch leisten? ist hier die Frage.

Darin sind sich alle einig: Eine Reform unseres Gesundheitswesens ist dringend notwendig. An Ideen fehlt es nicht. Aber bei der Durchsetzung scheinen sich die verschiedenen Akteure und Interessenvertreter gegenseitig zu blockieren.

Das Zürcher Forum 50plus, eine Initiative des Zürcher Senioren- und Rentner-Verbandes, wollte es wissen und lud Experten als Vertreter von Politik, Medizin, Krankenkassen und Gewerkschaften ein, ihre Standpunkte darzulegen. 

Es referierten:

  • Dr. Thomas Heiniger, Regierungsrat, Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich
  • Prof. Dr. Thomas Lüscher, Kardiologe Universität Zürich
  • Albrecht Rychen, VR-Präsident der Visana-Gruppe
  • Dr. Daniel Lampart, Chefökonom Schw. Gewerkschaftsbund SGB
  • Ruth Humbel, CVP Nationalrätin des Kantons Aargau


seniorweb stellt die Standpunkte der verschiedenen Akteure in einer Folge von Video-Beiträgen vor. Sie sind eingeladen, sich mit Ihrem eigenen Kommentar (unten) an der Diskussion zu beteiligen.

Wir beginnen mit dem Beitrag von Dr. Thomas Heiniger, Regierungsrat, Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich:

Extravaganzen auf Kosten der Allgemeinheit? 

Regierungsrat Heiniger spricht sich gegen die Prämienverbilligung aus. Diese seien nichts anderes als staatlich subventionierte Leistungen und schaffe falsche Anreize, da sie nichts zum Kostenbewusstsein beitragen. Dies gelte auch für die vorgesehene Senkung des Franchisen-Rabatts. Damit würden nämlich gerade diejenigen bestraft, die durch Wahl einer höheren  Franchise etwas zur Kostensenkung beitragen möchten. Solidarität dürfe nicht das einzige Kriterium sein. Nur Massnahmen, die zur Förderung des Kostenbewusstseins und zu mehr Selbstverantwortung beitragen, führen weiter. Es gelte zudem, die Trennlinie zwischen dem technisch Möglichen und dem medizinisch Notwendigen neu zu definieren. Nur letzteres gehöre in die Grundversicherung. Wer zusätzliche Leistungen verlange, müsse diese auch zusätzlich bezahlen. Die Vorstellung einer Zwei- oder Mehrklassenmedizin ist  für Thomas Heiniger "kein Schreckgespenst". 

Hören Sie ihn selbst!

Stellungnahmen zur Gesundheitspolitik (2): Podium  

   

 

Kommentare

Bild des Benutzers Roberto Binswanger

Schwerkrankes Gesundheitswesen

Ich stimme mit Dr. Thomas Heiniger zu 100% überein. Aber was hilft das, solange die politischen Akteure nicht bereit und nicht gewillt sind, effektiv wirksame Massnahmen zur Eindämmung der Gesundheitskosten zu ergreifen? Das Gesundheitswesen ist selbst schwer krank, die Diagnose ist mehr oder weniger klar, aber am Krankenbett streiten sich die Ärzte (sprich Politiker) über die richtige Therapie so lange, bis der Patient (= Gesundheitswesen) kollabiert