Freizeit

Wandern und Schlemmen in Cinque Terre

Wandern und Schlemmen in Cinque Terre

Am Schluss einer erlebnisreichen Wanderwoche in Cinque Terre fragt uns der freundliche Mitarbeiter an der Hotelrezeption nicht, ob wir zufrieden seien. Sondern: „Siete felici?" (=seid Ihr glücklich?) -  ein kleiner Unterschied und kein Zufall
 

Denn: In Cinque Terre sind die Touristen meistens glücklich. Italien hat bekanntlich alles, was ein Touristenherz begehrt: Kultur, Natur, Essen. Aber der Umgang mit Touristen, die Qualität der Dienstleistungen und das Preis-Leistungsverhältnis  lassen vielerorts  sehr zu wünschen übrig. Nicht in Ligurien, dort ist man offensichtlich an glücklichen Touristinnen und Touristen interessiert. Und diese (darunter sehr viele Italienerinnen und Italiener!) honorieren das, indem sie in Scharen und immer wieder dorthin reisen.

cinqueterre_136.jpgCinque Terre - eine spezielle Perle

Innerhalb von Ligurien, der Küste von San Remo bis La Spezia,  sind die Cinque Terre (östlich von Genua) eine besondere Attraktion. Nicht nur die fünf historischen, einmalig gelegenen Dörfer Monterosso al Mare, Vernazza, Manarola, Riomaggiore und Corniglia, sondern auch die ganze -ziemlich hügelige- Gegend drum herum, wo es sich herrlich wandern lässt. Die beiden Reisebüros Baumeler und Imbach führen im Frühling und Herbst geführte Wanderungen durch. Geführt ist von grossem Vorteil, da es unmöglich ist, als Alleinreisende alle diese Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Und ausserdem wandert es sich in einer Gruppe wesentlich leichter und sicherer.

 

cinqueterre_wandern.jpgWandern

Gewandert wird auf sehr abwechslungsreichen Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Jede Wanderung beginnt mit einer starken Steigung, und jeden Tag ist man zwischen 3 und 5 Stunden unterwegs und bewältigt dabei zwischen 300 und 500 Höhenmeter hinauf und wieder hinunter. Die Reisen werden wegen der Hitze ausschliesslich im Frühling und Herbst durchgeführt, aber selbst im  Herbst sind Temperaturen von 30 Grad keine Seltenheit. Ein frischer Wind bringt aber häufig Erleichterung, ganz abgesehen davon, dass man immer wieder im Wald wandert. Trittsicher und ein bisschen schwindelfrei sollte man sein, es hat auf den verschiedenen Wanderungen einige heikle Stellen, ausserdem sind die Auf- und Abstiege teilweise recht steil, weshalb eine gute körperliche Verfassung gefragt ist.

 

 

cinqueterre_139.jpgGeniessen und Schlemmen

Die wunderbaren Aussichten, das Wandern durch Olivenhaine, lauschige Wälder und gepflegte Rebberge, die Besichtigung alter Städtchen, Burgen und Kirchen wirken sich ebenso positiv aufs Gemüt aus wie die kulinarischen Genüsse. An sich isst man in Italien sehr gut, aber Ligurien ist noch ganz speziell: Einerseits wegen den lokalen Spezialitäten (lassen sich nicht in Worte beschreiben), anderseits sind die Restaurants vielfach auf einem sehr guten Niveau (bei akzeptablen Preisen). Das ist nicht das Massen-Abfüttern der Touristen (bei horrenden Preisen!), wie man es von anderen Destination kennt, sondern da  steht noch häufig die Mamma am Herd und kocht nach überlieferten Rezepten. Einfach köstlich! Die gute Küche erklärt sich natürlich auch dadurch, dass der Anteil einheimischer Touristen sehr hoch ist - den Italienern kann man keinen Schlangenfrass vorsetzen. Unbedingt essen sollte man Trofie al Pesto (spezielle Teigwaren an Basilikum-Sauce). Nicht zu vergessen der Wein: Der Weisse stammt aus der Gegend, der Rote aus der näheren Umgebung, beide Sorten muss man nicht in Flaschen konsumieren, sondern als Hauswein in der Karaffe (preiswert und in erstaunlich guter Qualität). 

Geheimtipp: Ciliegio in Monterosso al Mare

Dass am Ende der Woche  trotz hohem Kalorienverbrauch die Waage satte zwei Kilos mehr anzeigt, spricht für sich. Ohne Werbung machen zu wollen - ein Restaurant sei speziell erwähnt. Es thront hoch über dem Dörfchen Monterosso al Mare und heisst Ciliegio (Kirschbaum). Essen (regional), Ambiente (familiär), Aussicht (herrlich) - ein krönender Abschluss einer erlebnisreichen Wanderwoche! Wenn man nicht selber hochfahren kann oder will - der Patron holt einem höchstpersönlich im Kleinbus in Monterosso ab.

imgartflottauicx200x80.jpg So gepflegt sehen die Wagen selten aus In der Natur - für die Natur

Eine ganze Woche in der wunderbaren Natur - das ist auch eine Verpflichtung. Das heisst: Anreise per Bahn und alle Transfers ebenfalls per Bahn (und einmal per Schiff). Die italienischen Regionalzüge fahren sehr häufig in Cinque Terre, man braucht sich also kaum um den Fahrplan zu kümmern. Die Bahnhöfe sind fast ausnahmslos zentral gelegen, die Regional-Züge meistens verspätet, das Rollmaterial in einem verschmutzten und ziemlich erbärmlichen Zustand. „Che vergogna", was für eine Schande, sagen die Italiener selber über ihre Züge, um allerdings gleich resignierend nachzutragen: „Si puo far niente" (man kann nichts machen). Aber dafür sind die Fahrzeiten kurz, man erspart sich Stau und Parkplatzsuche (in Cinque Terre besonders schwierig) und schont die Umwelt.

 

cinqueterre_feuer.jpgFeuer und Wasser

Was man wissen muss: Wasser und Feuer sind des Wanderers Unlust. Waldbrände sind in den sehr trockenen Herbstmonaten häufig, vielfach werden sie bewusst gelegt. Da kann es schon vorkommen, dass es bis an die Dorfränder brennt und deshalb gewisse Wanderrouten zeitweise unpassierbar sind und Programmänderungen bedingen. Im Frühling besteht diese Gefahr weniger, dafür regnet es auch häufiger. Bei schlechtem Wetter sind die meisten Wanderungen zu gefährlich (Ausnahme: Die kurze Via dell'Amore von Manarola nach Riomaggiore) und fallen buchstäblich ins Wasser. Allerdings gibt es auch Alternativen, so der Besuch der berühmten Städte wie Genova, Sestri Levante, Portofino, Livorno  und La Spezia, und selbst das weiter entfernt Pisa in der Toskana ist mit dem Zug mit vertretbarem Zeitaufwand gut zu erreichen. 

 

 

 

Links

Eine kurze, persönlich gefärbte, Gastrokritik (auf Englisch) über das Restaurant Ciliegio in Monterosso al Mare ist hier nachzulesen.

Wer sich über Cinque Terre informieren möchte -  es gibt einen deutschen Reiseführer und eine sehr informative Website von Christoph Hennig.