Entgegen einschlägiger Vorurteile, wonach 'Enduser Involvement' nur
zeitaufwendig und kostenintensiv sei, vertritt das Ambient Assisted
Living (AAL) Forum 2009 in Wien die Auffassung, dass die Bedienbarkeit
und Akzeptanz von elektronischen Heimhilfen nur im Zusammenspiel mit
dem Endanwender sichergestellt werden kann. Wie Experten für "Assistive
Technologies" betonen, ist eine möglichst frühe Involvierung von
Betroffenen auch in ökonomischer Hinsicht sinnvoll.
Am Beispiel der niederländischen Kommunikationsplattform 50plusnet http://www.50plusnet.nl
für ältere Menschen wird deutlich, dass über 50jährige nicht von
vornherein Berührungsängste gegenüber moderner Technologie hegen. "Die
Entwicklungsarbeit mit Testusern aus der Zielgruppe ist das Geheimnis
des Erfolges dieser Plattform im Web", sagt Beppie Spruit, Koordinator
E-Health vom Nederlands Institute for Health Promotion. 25.000
registrierte Mitglieder sorgen für 4.000 Zugriffe, 8.000 E-Mails und
1.200 Chats pro Woche. Permanent sind einige hundert User online, um
sich kennenzulernen, Profile anzulegen und die Vorzüge eines sozialen
Netzwerks zu nutzen. Dabei ist durch den Einsatz von ehrenamtlichen
Helfern, die sich um die Webseite kümmern, ein jährliches Budget von
nur 80.000 Euro für den Betrieb nötig.
Auch das vom Central European Institute of Technology (CEIT)
federführend vorangetriebene Projekt Living Lab Schwechat legt großen
Wert auf die Einbindung von Endanwendern. "Wir setzen auf einen im
IT-Bereich üblichen iterativen Produktentwicklungsprozess. Dabei
arbeiten wir von Beginn an mit Fokusgruppen, um die Praxistauglichkeit
unserer Prototypen zu diskutieren", berichtet Walter Hlauschek,
Managing Director von CEIT RALTEC. Entwicklungen wie etwa 'Interactive
Picture' - ein touchscreen-basiertes Video- und
Sprachkommunikationstool - werden in einer realen Umgebung im Eigenheim
von Pensionisten getestet. Die Forscher haben zu Demozwecken auch ein
AAL-Appartement in einem Schwechater Seniorenheim eingerichtet. Dort
wird Smart Home Technologie seit Mai 2009 zur Schau gestellt.
"Die Einbindung von Endusern muss nicht immer effektiv sein, stellt
aber die bessere Alternative dar, als die Meinung von älteren Anwendern
zu spät oder gar nicht zu berücksichtigen", sagt Luc de Witte,
Professor Technology in Care von der Zuyd University Heerlen. Im Rahmen
des EU-Programms USEM seien bereits Prinzipien zur Stärkung von
gesundheitlich eingeschränkten Endusern höheren Alters bei
Standardisierungsaktivitäten erarbeitet worden. "Zunächst müssen
Testuser ihre Zielgruppe repräsentieren, weshalb wir stets den Kontakt
mit Pflegeorganisationen oder Betroffenengruppen suchen. Auch ist nicht
einzusehen, warum so eingebundene Senioren für ihre Dienste nicht
entlohnt werden sollten", so de Witte. Transparenz und möglichst frühe
Involvierung von Testpersonen führen jedenfalls zu einer höheren
Akzeptanz und breiteren Anwendung der Technologie.
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