Meinen Sie etwa, wenn von Segmenten gesprochen wird? Dann sind Autos in der Preisklasse über fünfzig Tausend dem Segment der…, na ja: das wissen Sie schon, ist ja ganz klar! Wird von Arbeitern gesprochen, meint man Bauarbeiter, denkt an Fabriken, Bergwerke und das Segment der klobigen, rohen Hände, auch ganz klar: untere Schicht!
Solchermassen segmentiert, ist es leicht eine Schichtzuteilung vorzunehmen. Sitzt man irgendwo im Wartsaal, oder in einem Restaurant, ist segmentieren leicht; der zutreffenden, sozialen Schicht zuordnen schwieriger. Wer weiss denn schon, ob das Kind mit auffälligem Verhalten der untersten oder der obersten Schicht zuzuschreiben ist. Ein prüfender Blick auf die Begleitperson hilft nicht. Dort hat es Schminke und Schmuck. Sein oder Schein – unten oder oben? Arbeiterquartier oder Herren-Wohnviertel, VW oder BMW?
Teure Kleiderboutiquen rechnen mit dem Käufersegment der „Oberen-Zehntausend“. Wal-Mart – jedermann weiss es – zielt tiefer. Das sind die Zusammenhänge! Wir leben damit, wir respektieren sie. Nur bringen uns Immigranten aus Schwellen- und Entwicklungsländern in Verlegenheit. Sie zählen uns alle zum Segment der Wohlhabenden. Für ihn, den Fremden, gibt es nur eine sozial höhere Schicht: die der Etablierten. Aus unserer Sicht hat er bereits die erste, die unterste Stufe erreicht. Seine Kinder besuchen eine Schule, von der wir keine Glanzresultate erwarten, die Prüfungsergebnisse liegen im unteren Segment, was der Herkunft der Schüler aus sozial unteren Bevölkerungsschichten entspricht.
Die Begriffe der sozialen Schichten tauchen immer wieder auf; in Statistiken sowieso. Dort zeigen sie auf einen Blick wo Steuergelder her- und hinkommen, wo Beiträge, Unterstützungen nötig sind. Wohlwollen fliesst dann – versehen mit verschiedenen Kommentaren – von oben nach unten ins Segment der „Unterprivilegierten“. Wer im Minimallohn-Bereich arbeitet ist automatisch dieser Kategorie, die knapp ihren bescheidenen Lebensunterhalt bezahlen kann, zugeteilt. Man sagt ihm, seine Arbeit sei ebenso wichtig wie diejenige im Hochlohn-Segment, sonst wäre Gemüse viel teurer und Unrat würde noch mehr Gehsteige und Toiletten verunstalten. Bei Arbeitslosigkeit – wegen Betriebsschliessung oder so – hat er selbstverständlich die gleichen Rechte als gehörte er zur obersten sozialen Schicht: Er bekommt was ihm – gemäss seinem sozialen Status – zusteht. Dass er Familie hat, Kinder und einen Mietzins bezahlt zeigt, dass er integriert ist und dass er sich, bitte sehr: halt einschränken soll – im Segment der Billiglohn-Arbeitnehmer und Sozialhilfe-Empfänger, der untersten sozialen Schicht.
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Spiel nicht mit den Schmuddelkindern...