Johannes Gaudenz von Salis-Seewis
Herbstlied
Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.
Sieh, wie hier die Dirne
Emsig Pflaum’ und Birne
In ihr Körbchen legt!
Dort mit leichten Schritten
Jene goldne Quitten
In den Landhof trägt!
Wie die volle Traube
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
Rot und weiss bemalt.
Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh.
Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondenglanz.
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Deutschen Ringeltanz.
Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis, geb. 26.12.1762 auf Schloss Bothmar bei Malans (Ahnschloss in Seewis/Prättigäu), gest. 29.1.1834 ebenda. Schweizer Dichter und Lyriker; wegen seiner Tätigkeit als Generalinspektor der helvetischen Truppen auch der „Dichtergeneral“ genannt. Das vorliegende „Herbstlied“ gilt als sein bekanntestes Werk.
www.de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gaudenz_von_Salis-Seewis
www.zeno.org/Literatur/M/Salis-Seewis,+Johann+Gaudenz+von/Gedichte
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Herbstlied
Gruss amara