Gesellschaft

Fahren im Alter (2)

Fahren im Alter (2)

In einer breit angelegten Studie wollen Forscher des Psychologischen Instituts der Universität Zürich (Prof. Dr. rer.nat.Lutz Jäncke/Prof. Dr. Mike Martin/Dr. Jacqueline Zöllig) herausfinden, ob ein Training am Fahrsimulator bei älteren Menschen zu besseren Fahrleistungen am Steuer führt
 

Ziele der Studie 

Gianclaudio CasuttIn der  Studie sollen zunächst zwei Problemkreise untersucht werden, wie Gianclaudio Casutt, Projektverantwortlicher und Doktorand am Psychologischen Institut der Universität Zürich erklärt: „Werden durch ein spezifisches Fahrsimulatortraining spezifische Hirnfunktionen verändert? Und sind diese Trainingseffekte auf das reale Autofahren übertragbar (Transfereffekt)?" Sollten die Studienergebnisse erwartungsgemäss positiv ausfallen, wäre in Zukunft die Anwendung im Bereich von Fahrsicherheit und Rehabilitation (zum Beispiel nach Unfällen oder Krankheiten) denkbar. „Bei Training der Fahrsicherheit im Allgemeinen wird eine Kombination von tatsächlichem Fahrtraining und ergänzend Simulationen gefährlicher Situationen im Simulator verstanden. Dies fördert das Gefahrenbewusstsein und ermöglicht das Lernen korrekter Reaktionen, ohne dass Sachschaden oder Schlimmeres entsteht", schreibt Gianclaudio Casutt. In der Rehabilitation arbeitet zum Beispiel die Klinik Valens bereits mit Fahrsimulatoren.

Weitere Interessenten gesucht

 

Für eine breite Studie ist eine grössere Anzahl Versuchspersonen erforderlich, weil erfahrungsgemäss immer wieder Personen im Verlaufe der Studie ausscheiden, überdies rechnen die Studienleiter nicht damit, dass alle angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Anforderungen entsprechen. Gefragt sind übrigens vor allem Lenkerinnen und Lenker im Alter von 75+.  Interessenten können sich bei Gianclaudio Casutt melden (Adresse und Telefonnummer am Schluss des Beitrages!).

Ablauf der Studie

 

Der genaue Ablauf der Studie steht noch nicht fest, aber sehr wahrscheinlich startet sie mit einer Fahrstunde, in welcher ein Verkehrsexperte wichtige Daten sammelt, anschliessend folgt eine zweite Sitzung mit verschiedenen Tests bezüglich Konzentration, Wahrnehmung und Denken, bevor dann die rund 10 Trainingseinheiten am Fahrsimulator absolviert werden. In der zweitletzten Sitzung erfolgen ähnliche Tests wie in der zweiten Sitzung, abgeschlossen wird das Pensum mit einer erneuten Fahrstunde beim Experten. Wie häufig die Probandinnen und Probanden pro Woche aufgeboten werden, steht ebenfalls noch nicht definitiv fest, die Belastung sollte aber  2-3 Sitzungen pro Woche nicht überschreiten.

Ergebnisse schon bekannt? 

fahrsimulator2.jpgMan kann wahrscheinlich jetzt schon voraussagen, dass regelmässiges Üben am Fahrsimulator etwas bringt. Aber was bringt es konkret? Werden zum Beispiel bisherige eher unerwünschte- Gewohnheiten (Automatismen) wegtrainiert, werden neue nützliche und wichtige Fahreigenschaften antrainiert? Fördert es die Flexibilität im Strassenverkehr? Und was nach Aussage von Gianclaudio Casutt auch besonders wichtig ist an der Studie: „Es wird untersucht, was für hirnfunktionelle Veränderungen beobachtet werden können nach einem absolvierten Fahrsimulatortraining und inwieweit diese Veränderungen mit positiven Verhaltensaspekten im Strassenverkehr zusammenhängen."

Kommt ein Fahrsimulator-Obligatorium?

 

Sollten -was erwartet werden kann- die Auswirkungen des Trainings am Simulator positive Auswirkungen auf die Fahrkünste älterer Fahrerinnen oder Fahrer haben: Könnte ein solches Training irgendwann sogar obligatorisch für ältere Lenkerinnen und Lenker werden? Oder gar das Behalten des Führerausweises vom regelmässigem Training am Fahrsimulator abhängig gemacht werden? Das könne, so Gianclaudio Casutt, erst nach Abschluss der Studie schlüssig beantwortet werden und hänge auch stark davon ab, was für Simulatoren zum Einsatz kommen: „Die Frage über die Freiwilligkeit vs. Pflicht eines Fahrsimulatortrainings möchte ich vorläufig der Politik überlassen, denn dies scheint mir eine Rechtsfrage zu sein und liegt somit ausserhalb meiner Kompetenz. Aber vielleicht helfen die Daten dieser Studie bei der Entscheidungsfindung in dieser Frage."

Fahrsimulator als Ersatz des Fahrlehrers?

 

Können gute -und wahrscheinlich entsprechend teure- Fahrsimulatoren das Absolvieren von Fahrstunden mit dem Fahrlehrer allenfalls überflüssig machen? Die Antwort ist ganz klar nein. Gianclaudio Casutt: „Der Fahrsimulator dient nicht als Ersatz eines Fahrlehrers/-experten, sondern für Studienzwecke oder möglicherweise in Zukunft als ergänzende Möglichkeit eines Fahrsicherheitstrainings oder zur Beantwortung klinisch diagnostischer Fragestellungen." Der grosse Vorteil des Fahrsimulators besteht vor allem auch darin, dass schwierige oder gar sehr gefährliche Situationen simuliert und geübt werden können, was im praktischen Strassenverkehr nicht unbedingt ratsam ist. Inwieweit irgendwann eine kommerzielle Nutzung des Fahrsimulators geplant ist, kann ebenfalls noch nicht beantwortet werden. Wie bereits erwähnt, wird in der Rehabilitation (Klinik Valens) bereits ein Simulator für diagnostische Fragen und für regelmässiges kognitives Training eingesetzt.

Fortsetzung folgt!

In weiteren Beiträgen werden wir über die ersten zwei Sitzungen der Studie, über das Arbeiten am Simulator, über Erfahrungen von Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern mit dem Simulator und über Auswirkungen des Fahrtrainings auf das Fahren im Alltag berichten.

 

Links

http://www.psychologie.uzh.ch/fachrichtungen/neuropsy.html (Prof Dr. rer. nat. Lutz Jäncke)

http://www.psychologie.uzh.ch/fachrichtungen/geronto.html (Prof. Dr. Mike Martin)

http://www.klinik-valens.ch/de/klinik_valens/neuropsychologie.php

 

 Fahren im Alter (1)

 

Kontaktinformationen:

Gianclaudio Casutt, MSc
Forschungsprojekt „Drive Wise"-Fahren im Alter
Universität Zürich
Psychologisches Institut
Binzmühlestrasse 14/24
8050 Zürich

 

044/635 74 51

g.casutt@psychologie.uzh.ch

 

 

 

 

Kommentare

Bild des Benutzers Gusti Blunschi

Lebensqualität statt Prüfungsstress

Seit ich den öffentlichen Verkehr benutze, ist für mich die Lebensqualität bezüglich Mobilität markant gestiegen. Ich möchte nicht mehr zurück. Um mein Billet (GA) zu behalten, muss ich keine Prüfungen machen und zum Arzt gehen. Und billiger ist es zudem. Kann ich wirklich empfehlen
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Meine Fahrweise

Ich habe kein Problem im Alter zu fahren. Habe vor einigen Jahren mein Billet freiwillig abgegeben. Jetzt fahre ich statt mit dem Auto mit der Bahn. Dazu brauche ich natürlich auch ein Billet, mein GA. Was mir am besten daran gefällt, ist seit ich Bahn fahre, stehe ich nie mehr vor einer geschlossenen Barriere. Ist doch auch etwas ?