Clemens Brentano
Eingang
Was reif in diesen Zeilen steht,
Was lächelnd winkt und sinnend fleht,
Das soll kein Kind betrüben;
Die Einfalt hat es ausgesät,
Die Schwermut hats hindurchgeweht,
die Sehnsucht hats getrieben.
Und ist das Feld einst abgemäht,
Die Armut durch die Stoppeln geht
Sucht Ähren, die geblieben;
Sucht Lieb, die für sie untergeht,
Sucht Lieb, die mit ihr aufersteht,
Sucht Lieb, die sie kann lieben.
Und hat sie einsam und verschmäht
Die Nacht durch, dankend in Gebet,
die Körner ausgerieben,
Liest sie, als früh der Hahn gekräht,
Was Lieb erhielt, was Leid verweht,
Ans Feldkreuz angeschrieben:
O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit.
Clemens Wenzeslaus Brentano de la Roche, geb. 9.9.1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz), gest. 28.7.1842 in Aschaffenburg, deutscher Schriftsteller und ein Hauptvertreter der sog. Heidelberger Romantik. Er gab zusammen mit Achim von Arnim die Volkslied- und Gedichtsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ heraus, der das Gedicht „Eingang“ vorangestellt wurde.
www.de.wikipedia.org/wiki/Clemens_Brentano
www.zitate-online.de/.../brentano-clemens
Mit diesem Brentano-Gedicht eröffnen wir die neue Reihe „Gedicht des Monats“. Dieses soll nun mindestens ein Jahr lang jeden ersten Sonntag im Monat aufgeschaltet werden in der Hoffnung, viele geneigte Leserinnen und Leser zu finden und durch das Jahr begleiten zu dürfen.
Gedicht
thesi