Konsum

Coop ersetzt Lupen an Einkaufswagen

Coop ersetzt Lupen an Einkaufswagen

  Bis Frühling 2009 hat Coop alle Einkaufswagen mit Leselupen ausgerüstet - wir haben bereits vor einem Jahr im Seniorweb darüber berichtet. Jetzt sollen die Lupen wieder weg - weshalb?
 

Installiert wurden die Lupen, damit sehschwache - vor allem ältere - Kundinnen und Kunden die häufig klitzekleinen und damit völlig unlesbaren Aufschriften auf den Packungen überhaupt lesen können. Ein Augenschein bei Coop ergibt: Bei zahlreichen Einkaufswagen fehlt die Lupe. Weshalb? Antwort gibt Herbert Zaugg, Leiter Total Store bei Coop Schweiz:

 

 

„Beim zufällig richtigen Einstrahlungswinkel in der Sonne wurden vereinzelte Wagengriffe angesengt. Es gab diesbezüglich auch einzelne Kundenreaktionen. Wir haben den Handlungsbedarf erkannt. Betroffen sind allerdings nur Einkaufswagen bzw. Lupen, die unter freiem Himmel stehen. Hier suchen wir schon seit längerem (in Zusammenarbeit mit unserem Lieferanten) gute Lösungen."

 

Als man die Idee mit den Lupen lanciert hat, wurde offensichtlich übersehen, dass Lupen zwei Sachen können: Schriften vergrössern und auch wirksam Löcher brennen. Und deshalb hat Coop jetzt gehandelt. Herbert Zaugg: „Als Sofortmassnahme wurden sämtliche Lupen an den Einkaufswagen abmontiert, die ein gewisses Risiko bergen könnten. Nur ein kleiner Teil der mit der Lupe bestückten Einkaufswagen kommt jedoch überhaupt auch im Aussenbereich der Verkaufsstelle zum Einsatz (die meisten Wagen bleiben innerhalb der Gebäude und Parkhäuser). Die Demontage wurde an Standorten durchgeführt, bei denen durch direkte Sonneneinstrahlung ein minimes Risiko nicht vollständig ausgeschlossen werden kann."

 

Ein PR-Gag oder doch mehr?

 

Wenn man häufig im Coop einkauft, dann fällt einem auf: Die Lupen werden wunderselten gebraucht. War die Montage der Lupe, wie wir im Beitrag vor einem Jahr vermutet haben, nicht doch ein PR-Gag? Herbert Zaugg: „Nein, überhaupt nicht. Die Weltpremiere wird von vielen Kundinnen und Kunden sehr geschätzt. Die Lupe entspricht einem echten Kundenbedürfnis, es gingen bei uns sehr viele Kundenreaktionen ein, und die Lupe hat auch im Ausland viele positive Reaktionen ausgelöst. Sie löst auf elegante Art und Weise das Problem, dass Menschen mit eingeschränkter Sehschärfe Produktedeklarationen nur schwer lesen können. Und dies sind nicht nur betagte Leute. Weiter steht die Einkaufswagenlupe dafür, dass Coop ihre Kundschaft animieren möchte, genau hinzuschauen, was in den Einkaufskorb wandert."

 

Warten auf neue Lupen

 

Coop hält also an den Lupen an Einkaufswagen fest: „Der Hersteller sucht nun nach umsetzbaren funktionellen Lösungen, die Kinderkrankheit auszumerzen. Die Suche nach einer zufriedenstellenden Alternative benötigt eine gewisse Zeit. Sobald wir uns für eine Lösung entschieden haben, werden wir informieren", schreibt Herbert Zaugg.

 

Glaubenskrieg: Symptom- oder Ursachenbekämpfung?

Bild: Einkaufswagen mit oder ohne - das ist hier die Frage
(Bild aboutpixel.de/Mosquita)

Um diese Lupen hat sich vor einem Jahr ein regelrechter Glaubenskrieg abgespielt. Pro Senectute hat die Packungsaufschriften mit den kleinen Schriften zu Recht als Ärgernis speziell für ältere Kundschaft bezeichnet und die Idee der Einkaufslupen quasi als Soforthilfe lanciert. Coop hat die Idee umgesetzt, während Migros - wie im Beitrag vor einem Jahr erwähnt - das Übel an der Wurzel packen möchte und generell grössere und lesbare Packungsaufschriften propagiert. Unterstützt wird diese Philosophie von der terzStiftung. In einem Leserbrief an den K-Tipp schreibt Stiftungsratspräsident René Künzli: „Die terzStiftung fördert die Selbständigkeit und die Sicherheit im Alter. Als deren Präsident unterstütze ich die Forderung des K-Tipps nach einfachen Lösungen. Für die Lupen von Coop habe ich deshalb genauso wenig Verständnis wie der K-Tipp. Lupen an Einkaufswagen mögen zwar nützlich sein. Das eigentliche Problem wird dabei aber ausser Acht gelassen. Für ältere Menschen wird mit den kleinen Aufschriften zunächst eine Hürde geschaffen und dann wird ihnen mit der Lupe ein Hilfsmittel angeboten. Nicht wenige ältere Menschen dürften dies als stigmatisierend empfinden. Eine grössere Schrift würde älteren Menschen nützen und jüngeren nicht schaden."

 

Deine Meinung ist gefragt! 

 

Was meinst Du zu diesem Glaubenskrieg? Hast Du persönlich die Lupe auf den Coop-Einkaufswagen bereits benützt? Und: Sind grössere Schriften auf Packungsbeilagen angesichts der Dreisprachigkeit in unserem Land und den vielen Vorschriften, was alles auf die Packungen gehört, überhaupt machbar? Deine Meinung kannst Du direkt im Anschluss an den Artikel einbringen.

 

Links:

Erster Artikel Seniorweb 22.11.2008

 

Bild:
http://www.aboutpixel.de/foto/shopping/mosquita/42177

 

 

Kommentare

Lupen an Coop-Wägeli ja oder nein? Ist mir egal, aber sie sind definitiv links auf der falschen Seite angebracht und behindern beim Legen der Ware auf das Laufband. Wenn schon, dann rechts.
Bild des Benutzers Roberto Binswanger

Basel ohne?

Feschtbrueder, das würde mich sehr wundern, wenn ausgerechnet in Basel keine Lupen an den Einkaufswagen montiert wären, Basel ist schliesslich der Hauptsitz von Coop. Ich vermute eher, die Austauschaktion wurde exakt in Basel gestartet, und deshalb präsentieren sich die Einkaufswagen so wie auf der Foto am Schluss des Artikels: blutt und ohne Lupe...

Lupen

ob die Lupen gut waren, weiss ich nicht - ich konnte meinen Einkaufskorb nicht mehr einhängen!!!!!!!!! Thesi

thesi

Bild des Benutzers Feschtbrueder

Sehen die Basler besser oder klarer?

In Basel habe ich bei COOP noch nie eine Lupe an einem Einkaufswagen gesehen. Sehen die Basler etwa besser oder klarer? Fragt sich ein verwunderter Feschtbrueder :roll

Bis Bald!-Smilie Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
Bild des Benutzers tigerrag

Anstatt einen Riesenaufwand mit Lupe zu treiben oder die Packungsbeschriftung vergrössern zu wollen (logistisch und wegen der vielen Pflichtinformationen kaum möglich)sehe ich als einfache und zahlbare Lösung: MEHR KOMPETENTES AUSKUNFTSPERSONAL. Zum Beispiel pensionierte Mitarbeitende, die weiter aktiv bleiben möchten, ohne physisch belastet zu werden. Also nicht noch Regale auf- und einfüllen, wenn weniger los ist. Das stark geforderte Auffüllpersonal wäre froh um die Entlastung und der Kunde hätte einen wirklichen Mehrwert. Ein kompetenter, geduldiger Verkaufsmensch zwischen den Regalen - wunderbar! Das fördert den Umsatz, denn wer das Gesuchte nicht findet, bricht den Einkauf bald einmal ab. Besonders kundenfreundlich für Ältere oder Eltern mit Kleinkindern: der Einpackdienst an der Kasse. Dafür bezahle ich gerne einen Franken mehr. Während man in aller Ruhe das Eintippen kontrolliert und sich zum Bezahlen bereit macht, packt am Ende des Förderbands ein sorgfältiges Händchen den Einkauf in die mitgebrachten Taschen. Eine (bezahlte) Arbeit für stellenlose Jugendliche oder reintegrierte Menschen mit einer Behinderung. Der erste Grossist, der das anbietet, hat mich als Dauerkunde gewonnen.
tigerrag
Bild des Benutzers ohiostar

weil ich sowieso die Brille auf der Nase habe brauche ich die Lupe zum Glück nicht. Ausserdem sind sie fast immer so schmutzig, -gruuusig!- dass ich lieber einen Wagen ohne Lupe nehme. Sicher sind die Griffe der Wägeli genau so dreckig, aber das sieht man nicht auf den ersten Blick :sigh
Bild des Benutzers etna

Lupen bei Coop-Wägeli

Ich habe es bis jetzt sehr geschätzt, dass ich problemlos Angaben auf den Packungen lesen konnte, ohne nach der Brille zu greifen, die ich dann zum Gehen doch immer wieder abnehmen muss. Wenn alles grösser geschrieben wäre, würde dies das Problem natürlich noch mehr vereinfachen, wobei aber, je nachdem, doch noch zur Brille gegriffen werden müsste. Also warten, was beschlossen wird.

 Die beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht angleichen. (Marc Aurel)