Das tat er tatsächlich , schickte Fotos vom Campen und lud uns zu sich nach Hause ein. Seine Frau Steph sei ebenso begeistert wie er, dass er Menschen von so weit weg getroffen habe. Wunderbar wäre es, wenn wir zu Thanksgiving am 26. November kommen könnten, dann habe Steph frei und wir könnten Zeit zusammen verbringen.
Wir beschlossen, eine solche grosszügige Einladung zu diesem wichtigen Feiertag anzunehmen. Es kamen weitere Mails – wer an diesem Essen auch noch da sein würde, dass sie vor dem Essen ein Gebet sprechen würden, dass sie uns am Sonntag gerne mit in ihre Kirche nehmen würden mit anschliessendem Frühstück mit Freunden, dass sie hofften, ihre zwei Hunde würden uns nicht stören.... und je näher der Tag kam, desto mehr zweifelte ich, dachte, wir hätten ja nach dieser kurzen Begegnung keine Ahnung, wen wir da besuchen würden.... da war ich eine richtige Schweizerin, dachte ich von mir selber!
Doch dieser Besuch wurde zu einem sehr eindrücklichen Erlebnis! Es begann mit dem traditionellen Thanksgiving-Essen mit Truthahn und einem Dankgebet für Essen, Freundschaft und Teilen. Es waren andere Gästen da und wir schauten einen Film, den die 80jährige Freundin ausgesucht hatte.
Ueber die Tage teilten wir vieles an Lebensgeschichte, entdeckten die gemeinsame Leidenschaft für Filme, Fotografie und Musik, erklommen einen Berg, erlebten die Eröffnung der gigantischen Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt und liessen Drachen steigen. Wir besuchten einen Gottesdienst, der jenseits unserer üblichen Rituale lag.
Ein charismatischer Prediger rief dazu auf, in der Weihnachtshektik Jesus nicht zu verlieren. Umrahmt wurde diese Botschaft mit Rockmusik. Da erlebten wir also eine für uns neue Form von Religiosität. Wir waren willkommen, wurden aber nicht missioniert.
Bevor wir weiterreisten, pflückten Jack und Steph noch Mandarinen und Grapefruit für uns im Garten, druckten Fotos aus, offerierten, uns bei Schwierigkeiten bei der Abgabe des Campers und Reise zum Flughafen zu helfen (das wären mehrere hundert Meilen Autofahrt) und wollten uns fast nicht ziehen lassen .... welch überwältigende Gastfreundschaft!
Ja – Thanksgiving kam zum richtigen Zeitpunkt – das Ende der Reise naht, es ist Zeit dafür! Wir sind sehr glücklich über diese Zeit, dankbar für das Privileg, eine solch lange Reise machen zu können. Dankbar für viele Begegnungen mit Menschen. Dankbar für reiche Zeiten in der Natur, mit Bergen, Seen, Flüssen, Ocean. Dankbar für die Zeit zu sein, zu betrachten, zu hören und die Sonne und den Wind auf der Haut zu spüren. Dankbar auch, dass unsere Beziehung uns beglückende Zeiten der Gemeinsamkeit geschenkt hat.
Weitere Folgen:
1. Aufbruch zur grossen Reise: USA und Kanada
2. Mit Fragen die Reise beginnen
4. Sequoia Nationalpark: Zwischen Zeit und Ewigkeit
6. Orte zum Verweilen und Orte fürs Abenteuer
7. Waldsterben – ein Wort wird Wirklichkeit
8. Switzerland of America und Little America
9. Im Land der Shoshone-Bannock
10. Horizonte
11. Strandgut
12. In den Wind
13. Die friedliche Gemeinschaft pflegen
16. Ich mag ihn, er ist verrückt
17. Architektur in der Wüste Arizonas
Thanksgiving