Wir sind zurück - ja, und das Ankommen braucht seine Zeit. Dies ist vielleicht so etwas wie eine Antwort: Dinge, Prozesse brauchen ihre Zeit - etwas, das ich natürlich wusste vorher, nun aber in diesen Monaten des Reisens mehr und mehr erleben konnte: Das Wahrnehmen braucht seine Zeit, es braucht Momente des Innehaltens, des nach Aussen Nichtstuns. Ich glaube, ich habe das Betrachten geübt, dieses Schweifenlassen meines Blicks, meiner Ohren, und das zu mir kommen zu lassen, was will. Gar nicht so einfach, bin ich doch aus einem strukturierten Alltag gewohnt, zielgerichtet zu gehen und eben vielleicht auch zielgerichtet zu sehen.
Vielleicht die wichtigste Frage dieser Reise habe ich zu Beginn noch gar nicht gestellt, nicht stellen können, da ich bis zur letzten Minute im Geplanten gelebt habe:
Was passiert mit mir, wenn mein Sein nicht ziel- und zweckgerichtet ist? Wie ist es, absichtslos, vielleicht ziellos, mich dem hinzugeben, was auf mich zukommt? Erlebe ich dann auch Sinnhaftigkeit, erlebe ich Spiel, erlebe ich Chaos? - Die Antworten beginnen sich zu formen: Es ist wunderbar und spannend. Zuerst hiess es Abschied zu nehmen, diese Reise als eine Art Projekt zu definieren, mit Zielen und selbstgegebenen Strukturen. Dann habe ich es einige Zeit sehr genossen, einfach so in den Tag hinein zu sein, mich in der Zeit zu verlieren. Dabei, so glaube ich, entstand eine neue Art zu sehen, zu betrachten. Und eine Offenheit für das, was mir begegnet: Zum Beispiel die Menschen, die Drachen, die Vögel, die Kakteen. Ein Gefühl, intensiv zu leben, in Ehrfurcht vor der Natur, ihren Wundern und ihrem Schöpfer. Sinn finden durch die Sinne - im wahrsten Sinne des Wortes!
Ich bin dankbar hierfür. Ich nehme mir vor, solche Zeiten auch mitzunehmen in mein nun wieder mehr geplantes Leben.... schon wieder ein Plan - kann man zurückkehren ohne Plan? Das wäre im bald beginnenden Jahr 2010
zu erforschen!
Weitere Folgen:
1. Aufbruch zur grossen Reise: USA und Kanada
2. Mit Fragen die Reise beginnen
4. Sequoia Nationalpark: Zwischen Zeit und Ewigkeit
6. Orte zum Verweilen und Orte fürs Abenteuer
7. Waldsterben – ein Wort wird Wirklichkeit
8. Switzerland of America und Little America
9. Im Land der Shoshone-Bannock
10. Horizonte
11. Strandgut
12. In den Wind
13. Die friedliche Gemeinschaft pflegen
16. Ich mag ihn, er ist verrückt
17. Architektur in der Wüste Arizonas
18. Thanksgiving
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