Kultur

Januar-Gedicht: Erkenntnis (Gottfried Keller)

Januar-Gedicht: Erkenntnis (Gottfried Keller)

Willst du, o Herz! Ein gutes Ziel erreichen, Musst du in eigner Angel schwebend ruh’n; Ein Tor versucht zu geh’n in fremden Schuh’n, Nur mit sich selbst kann sich der Mann vergleichen.

Gottfried Keller

Erkenntnis

Willst du, o Herz! Ein gutes Ziel erreichen,
Musst du in eigner Angel schwebend ruh’n;
Ein Tor versucht zu geh’n in fremden Schuh’n,
Nur mit sich selbst kann sich der Mann vergleichen.

Ein Tor, der aus des Nachbars Kinderstreichen
Sich Trost nimmt für das eigne schwache Tun,
Der immer um sich späht und lauscht und nun
Sich seinen Wert bestimmt nach falschen Zeichen!

Tu frei und offen, was du nicht willst lassen,
Doch wandle streng auf selbstbeschränkten Wegen
Und lerne früh, nur deine Fehler hassen!

Und ruhig geh den anderen entgegen;
Kannst du dein Ich nur fest zusammenfassen,
Wird deine Kraft die fremde Kraft erregen.

 

 

 

Gottfried Keller, geb. und gest. in Zürich, 1819-1890, gilt als der grösste Schweizer Dichter und als einer der erfolgreichsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Seine bekanntesten Werke: „Der grüne Heinrich“, Roman, und „Die Leute von Seldwyla“, Novellenzyklus.

www.de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Keller

www.zeno.org/Literatur/M/Keller,+Gottfried/Gedichte/Gesammelte+Gedichte

 

Kommentare

Bild des Benutzers Carmen

Ein Teil Heimat von G. Keller

Auch dieses Gedicht von Gottfried Keller ist wunderschön. In Glattfelden (SBB-Stadion zwischen Bülach und Eglisau) erwarten gut bezeichnete Wanderwege, oft mit Gedichten von G. Keller am Wegrand, interessierte Spaziergänger. Ein Ausflug der sich auf jeden Fall lohnt und überhaupt nicht anstrengt. Es geht meist geradeaus der Glatt entlang. Ein neues interessantes Hotel / Restaurant RIVERSIDE, integriert in eine alte Spinnerei, ist ein gutes Ziel für einen feinen Imbiss.
Carmen vo Rafz