Zu diesem Schluss kommt eine sehr interessante Studie aus der Researchabteilung der Deutschen Bank (DB Research) von November 2009, die wir hier auszugsweise wiedergeben:
„Aber die Informations- und Kommunikationstechnik (IuK-Technik) muss sich noch intensiver als bisher auf die alternde Gesellschaft einstellen.
Zum anderen ermöglicht die IuK-Technik den älteren Mitarbeitern im Unternehmen, in flexibilisierten Arbeitsverhältnissen länger am Erwerbsleben teilzunehmen. Die kreative Teilhabe am Erwerbsleben und die damit verbundene gesellschaftliche Integration können den Selbstwert dieser gesunden ‚jungen Alten' verbessern.
Gesunde Mitarbeitende können länger dabei bleiben
Das Statistische Bundesamt prognostiziert, dass die Erwerbsbevölkerung in Deutschland bis 2060 von derzeit 50 Mio. auf etwa 33 Mio. schrumpfen wird. In diesem großen gesellschaftlichen Wandel kann die moderne IuK-Technik einen wesentlichen Teil dazu beitragen, unseren Wohlstand zu sichern. Die Technik bewirkt zum einen, dass die Produktivität der Erwerbstätigen steigt. Zum anderen hilft sie bei steigendem Renteneintrittsalter, die Arbeitsplätze besser an die Bedürfnisse der älteren Mitarbeiter anzupassen. Somit trägt die Technik dazu bei, dass in der Volkswirtschaft die Gruppe der Erwerbstätigen langsamer schrumpft.
Moderne IuK-Technik ist vielfältig einsetzbar. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der Robotik, die in der Fertigung kräftezehrende Tätigkeiten erleichtern, über Bildschirme mit altersgerechter Darstellung in Büros bis hin zur Informationstechnik, die Tele-Arbeit ermöglicht. Im Wettbewerb um die Erwerbstätigen gewinnen die Unternehmen mit flexiblen Arbeitsformen, welche die Umstände der Erwerbstätigkeit besser an die individuellen Präferenzen des Mitarbeiters anpassen. Im massiven demografischen Wandel werden sich immer mehr Unternehmen vom starr definierten tradierten Normalarbeitsverhältnis verabschieden und auf die über die IuK-Technik eröffneten neuen Möglichkeiten zurückgreifen. Hier wird die alternierende Tele-Arbeit (örtlicher Wechsel zwischen betrieblichem und heimischem Arbeitsplatz) besonders bei erfahrenen älteren Mitarbeitern immer bedeutender - insofern der Tätigkeitsbereich und die individuelle Arbeitsorganisation grundsätzlich zum Konzept der Tele-Arbeit und zur Unternehmensstruktur passen.
Flexibilisierte Arbeitsverhältnisse
Die alternierende Tele-Arbeit eröffnet Unternehmen und Arbeitnehmern Vorteile. Allein die gesparte Pendlerzeit und der größere Freiheitsgrad bei der Organisation der eigenen Tätigkeit sollten den Arbeitnehmer zusätzlich motivieren. Diese Motivation dürfte viele ältere Mitarbeiter, deren Gesundheit es zulässt, davon überzeugen, in einer flexiblen Form der Arbeitsorganisation länger kreativ am Erwerbsleben teilzunehmen. Die IuK-Technik mit ihrer Fülle von Angeboten für Büro und Fertigung ermöglicht es somit den gesunden ‚jungen Alten' in flexibilisierten Arbeitsverhältnissen länger am Erwerbsleben teilzunehmen.
Diese gesunden ‚jungen Alten' können von den kreativen Herausforderungen des Erwerbslebens und der Einbindung in ein soziales Umfeld profitieren."
Soweit die Studie der Researchabteilung der Deutschen Bank zum Einsatz moderner Technologien in der Arbeitswelt, die es älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erleichtern und ermöglichen, länger im Erwerbsleben zu bleiben.
Benutzerfreundlichkeit
Auf einen weiteren wichtigen Aspekt weist die Studie auch noch hin: Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien müssen, das gilt für den Arbeitsbereich wie auch für den Privatbereich, möglichst benutzergerecht sein, und hier hapert es zum Teil noch bedenklich (Seniorweb hat in früheren Beiträgen bereits darauf hingewiesen). Die Studie äussert sich wie folgt zu diesem Thema:
„Bei der Entwicklung altersgerechter IuK-Technik wirkt die überbordende Automatisierung der Angebote kontraproduktiv. Senioren werden stattdessen insbesondere solche Angebote wertschätzen, die in ihrer Lebenssituation einen praktischen Nutzen eröffnen, ohne dass sie stigmatisierend oder auch technisch überfordernd daherkommen. Die Barrieren und Ängste sind hier sehr deutlich. Gemäß der „QVC-Elektronik-Service-Studie 60+" des Marktforschungsunternehmens GfK fühlt sich die Mehrheit der Senioren beim Kauf moderner IuK-Angebote in Elektronikfachmärkten schlecht beraten. Dieses Gefühl, gepaart mit der Angst vor Überforderung, schränkt das Absatzpotenzial der modernen Technik in dieser Altersgruppe ein.
So gibt jeder dritte ältere Konsument an, wegen der Angst vor technischer Überforderung mindestens ein Mal ein Angebot letztlich nicht gekauft zu haben; jeder siebte tat dies bislang bereits mehrmals - insbesondere in ländlichen Regionen. Angebote, die der Gefahr der technischen Überforderung mit flankierenden Diensten entgegentreten, sind angesichts der gestellten Aufgabe besonders aussichtsreich. Dienstleistungen im Bereich der technischen Unterstützung von Installation und Betrieb beziehungsweise altersgerechte Schulungen für die moderne Technik sind hier ebenso gefragt."
Schlussfolgerung
Die Akzeptanz der modernen Technologie hängt am Arbeitsplatz und im privaten Bereich stark von der Benutzerfreundlichkeit ab. Und zwar ist die Benutzerfreundlichkeit bei einem jungen Technik-Freak anders zu definieren als bei älteren Menschen. Hier besteht die Quadratur des Kreises darin, die Nutzerinnen und Nutzer weder zu überfordern noch zu unterfordern. Technik muss sich dem Menschen (in seiner jeweiligen Lebenssituation und Lebensphase) anpassen und nicht umgekehrt der Mensch der Technik. Wenn also in der Studie von wachsender Bedeutung der Tele-Arbeit zuhause gesprochen wird, dann ergibt sich daraus zwingend die Forderung an die Industrie, entsprechende benutzergerechte Angebote und auch die erforderliche Hilfestellung bei Problemen zur Verfügung zu stellen.
Die Serie über Arbeitsmarkt und ältere Beschäftigte wird fortgesetzt.
Links
Die vollständige und sehr lesenswerte Studie findet sich auf
http://www.dbresearch.de/PROD/DBR_INTERNET_DE-PROD/PROD0000000000251488.pdf
Längere Arbeit - spätere Rente? (1)
Längere Arbeit - spätere Rente? (2)
Bilder
Deutsche Bank
http://www.aboutpixel.de/foto/used-keyboard/paraphonatic/17134
Bernhard Schindler Redaktor Seniorweb alt. stv. Chefredaktor Zofinger Tagblatt
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