Wir waren jung und wussten es natürlich besser. Wozu Proviant mitnehmen, wenn doch der Getränkewagen mehrmals durch den Zug kam und ausserdem ein Speisewagen zur Verfügung stand.
Es war kurz vor Weihnachten (1962 oder 1963, genau weiss ich es nicht mehr), und wir besuchten über die Festtage meine Eltern in Köln. Die Durchsagen im Hauptbahnhof Zürich liessen aufhorchen. Reisende wurden gebeten, ihre Reise wenn möglich zu verschieben, denn es waren Lawinen niedergegangen und hatten Schienen und sogar Züge verschüttet. Unser Zug aus Chur kam ohne grosse Verspätung an und wir konnten unsere reservierten Plätze belegen. Mit jedem Halt spürten wir die Auswirkungen der Unwetter. Der Zug war bald total überfüllt und Reisende, die wie wir Plätze reserviert hatten, mussten in den Gängen stehen oder auf ihrem Koffern sitzen, weil ihre Züge ausgefallen waren.
Wir hatten diese Reise schon oft gemacht, und normalerweise ging nach Basel ein Mitarbeiter der Speisewagengesellschaft mit seinem Glöckchen durch den Zug, um die Reisenden zum Mittagessen in den Speisewagen einzuladen und Plätze zu reservieren. Wir suchten uns dann immer die Strecke am Rhein aus, wo wir Essen, Wein und die wunderschöne Aussicht geniessen konnten. Das war für uns der Höhepunkt unserer Reise. Aber auf dieser Fahrt warteten wir vergebens auf das Glöckchen und auch vom Getränkewagen war nichts zu sehen. Ein Durchkommen war nicht mehr möglich, der Gang zur Toilette glich einer Kletterpartie über Gepäckstücke und Reisende. Das Mittagessen auf unserer Reise musste also ausfallen und bald quälte uns Hunger und Durst, und wir hatten nichts zum Essen und Trinken bei uns.
Ja doch! Etwas Essbares hatten wir schon in unserem Gepäck, das war eine Tüte mit selbstgebackenen Guetzli von meiner Schwiegermutter, als Geschenk für meine Eltern gedacht. Das war die Rettung. Unsere Mütter würden uns verzeihen, was sie auch taten. So verlief unsere Reise ganz anders als wir sie schon mehrere Male gemacht hatten.
In Köln angekommen stürzten wir uns auf das Essen meiner Mutter, sie hatte wie immer viel zu viel gekocht und so gut!!! Mein Vater entkorkte eine Flasche Wein und verzichtete darauf, uns an seine Ermahnungen zu erinnern.
In den letzten Tagen vor Weihnachten 2009 las ich in unserer Tageszeitung den Rat eines Bahnchefs, der da lautet, man sollte immer etwas zum Essen und Trinken auf die Reise mitnehmen. Alles wie gehabt, dachte ich, mein Vater hatte recht. Aber dann fiel mir doch der Unterschied auf.
Bei unserer Reise war der Grund für das Chaos Naturgewalt, dieses Jahr waren die Gründe andere: Schwachstellen in der Logistik, fehlende Koordination, mangelnde Kommunikation, oder ganz einfach, die Mitarbeiter waren nicht zur Arbeit erschienen.
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halb verhungert
als ich diese zeilen las kam mir meine ausland heimreise in den sinn.ich bin auch fast verhungert weil ich auch annahm das mal der garcon vorbei kam mit den verpflegungs wägelchen.nach 2. jährigem aufenthalt als koch in england musste ich nachhause weil ich götti wurde,meine ältereschwester mein ich sollte bei der taufe dabei sein.so also startete ich in london an der waterloo station mit dem zug um 22 00 uhr , am kanal angekommen umsteigen auf die fähre und dann das ganze frankreich durch um 1200. uhr kam ich dann in basel halb verhungert an .zitat nimm immer verpflegung mit wenn du auf reisen gehst.
gruss augarten44