Ich war auf einem Bazar in der Nähe der Galatabrücke. Ein kleiner Junge, ich schätzte ihn auf fünf Jahre, verkaufte Streichhölzer, während er gleichzeitig sein kleines Schwesterchen hütete, das jünger war und auf unsicheren Beinchen herumrannte. Als es auf die sehr stark befahrene Autostrasse zusteuerte, blieb mir fast das Herz stehen und ich lief ihm nach, um es zu seinem Bruder zurückzubringen. Ich wollte dem Jungen erklären, dass es gefährlich sei, wenn das kleine Kind auf die Strasse rennen würde, aber er verstand mich nicht, und das lag nicht an der Sprache. Er konnte meine Aufregung nicht verstehen. Für ihn war die Welt an diesem Morgen in Ordnung. Er hatte schon viel verkaufen können, denn es waren mehrere Ausflugsbusse angekommen und das kleine Schwesterchen? Das rannte doch immer auf dem Markt herum. Was wollte diese aufgeregte fremde Frau von ihm? Und da lief das Kleine auch schon wieder los und ich hinterher. Das schien ihm sehr zu gefallen, es sah das wohl als Spiel, an dem die Kinder überall auf der Welt Freude haben, weglaufen und wieder eingefangen werden. Das hatte ich natürlich nicht gewollt. Und nun drängte mein Mann zum Weitergehen, er befürchtete, ich könnte in Verdacht kommen, das Kind zu entführen. Hier konnte ich nichts ausrichten, nichts ändern, es war einfach so, wie es war. Wir kauften dem Jungen noch Zündhölzer ab und gingen.
„Wieso reist du überhaupt in solche Länder?“, fragte mich eine Freundin später, als ich ihr diese Geschichte erzählte.
Ja, wieso hatte ich diese Reise gemacht? Wieso reist man überhaupt? Um fremde Länder und ihre Menschen kennen zu lernen. Natürlich sieht man manches, das einem nicht gefällt, das man nicht verstehen kann, oder das nicht gefällt, weil man es nicht versteht. Aber überheblich sollten wir trotzdem nicht sein, auch bei uns gibt es manches, das nicht schön ist, das wir nicht gerne sehen. Und leider werden auch bei uns Kinder und Jugendliche niedergeschlagen - von Kindern und Jugendlichen.
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