Arbeit

Längere Arbeit – spätere Rente  (7)

Längere Arbeit – spätere Rente (7)

Wer im Alter arbeitslos ist, findet kaum oder nur mit grösster Mühe wieder eine Stelle. Deshalb müssen präventiv alle geeigneten Massnahmen getroffen werden, damit ältere Arbeitnehmende ihre Arbeitsmarktfähigkeit möglichst bewahren können.
 

Das ist auch ganz klar die Philosophie des Staatssekretariates für Wirtschaft SECO, die sich auf drei Grundsätze abstützt:

 

  • Vermeidung von Anreizen für einen frühzeitigen Rückzug aus dem Erwerbsleben durch die Sozialversicherungen;
  • Verbesserung der gesundheitlichen Voraussetzungen für die Arbeitsfähigkeit und Arbeitsmotivation;
  • Verbesserung der Wiedereingliederung älterer Arbeitsloser.

 

Dr. Joseph A. Weiss, SECOWir haben Dr. Joseph A. Weiss, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim SECO, vier Fragen unterbreitet: 

Was meinen Sie generell zum Thema „Ältere Arbeitskräfte länger im Arbeitsprozess behalten"? 

Dr. Joseph A. Weiss: Die demografische Alterung unserer Erwerbsbevölkerung schreitet unaufhaltsam und noch lange voran, und wegen der geburtenschwachen Jahrgänge müssen wir schon in wenigen Jahren mit einem zahlenmässigen Rückgang der Erwerbstätigen rechnen. 

Um die Produktivität unserer Wirtschaft zu erhalten und unsere Sozialwerke zu sichern, wird es notwendig sein, diese Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Wenn man dabei als mögliche Lösung auf eine künftig verstärkte Migration ausländischer Arbeitskräfte und die damit verbundenen Risiken verzichten will, bedingt es, die heute vorhandenen Arbeitskräfte länger als bisher im Erwerbsleben zu halten. Dies soll jedoch nicht durch Zwang, sondern vielmehr mit positiven Anreizen erreicht werden.

Was unternimmt das SECO, damit mehr ArbeitnehmerInnen in der Schweiz bis zum Rentenalter beschäftigt werden? 

Das SECO fokussiert seine Aktivitäten auf zwei Bereiche: 

(a) Erhalt der Leistungsfähigkeit und -motivation im Betrieb 

Arbeitsplätze, welche keine Unfall- und Krankheitsrisiken bergen, schützen die Gesundheit als wichtigste Grundlage der Arbeitsfähigkeit. Die gefahrlose und leistungsgerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen hat daher oberste Priorität für alle Beschäftigten und jeden Alters. Mit ergänzenden Massnahmen des "Betrieblichen Altersmanagements" soll dem natürlichen alternsbedingten Leistungswandel schon ab dem Eintritt in das Erwerbsleben Rechnung getragen werden. 

Wie für die Finanzen gilt auch für die Gesundheit: Eine frühzeitige und nachhaltige Vorsorge gibt die Gewähr für eine langfristige Sicherheit. Damit werden künftig u.a. viele der derzeit häufigen berufsbedingten Krankheiten und IV-Fälle - d.h. unfreiwillig vorzeitige Altersrücktritte - verhindert. Die entsprechenden Massnahmen betreffen die Arbeits- und Arbeitszeitgestaltung, die Qualifizierung und Laufbahngestaltung sowie Gesundheitsprogramme und die Unternehmenskultur - sprich Führung. Mit gezielten Präventions-Schwerpunkten im Bereich der Arbeitsinspektion, neuen Publikationen sowie einem Informationsangebot auf der SECO-Website zum "Betrieblichen Altersmanagement" unterstützt das SECO die Unternehmen dabei, die kommenden Herausforderungen mit ihren alternden Belegschaften erfolgreich zu bewältigen. 

 (b) Reintegration älterer Stellensuchender 

Eine Arbeitsgruppe des SECO evaluiert derzeit erfolgreiche Strategien und  Massnahmen anderer Länder zur arbeitsmarktlichen Integration älterer Stellensuchender. 

Fruechte (der Arbeit)Früchte für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Und was unternimmt das SECO betriebsintern, damit ältere Menschen nicht vorzeitig aufs Abstellgleis gestellt oder vorzeitig verrentet werden?

Das SECO gestaltet die arbeitsbezogenen Rahmenbedingungen so, dass diese möglichst keine Anreize für einen vorzeitigen Altersrücktritt bieten. Typisch alterskritische Arbeitsbedingungen existieren im SECO keine, und seine Massnahmen zum Gesundheitsschutz und zur Gesundheitsförderung fördern das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Konkret betrifft dies die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, ein behagliches Raumklima, Kurse über Mittag zu „Ernährung", „Work-Life-Balance" etc., ein wöchentlicher Früchtetag u.s.w. 

Zur Förderung des „lifelong learning" existieren ferner zahlreiche interne Weiterbildungsangebote zur methodischen Qualifikation sowie das Kursangebot des Eidgenössischen Personalamtes, welches u.a. die Themen „Wissensmanagement", „Stressbewältigung", „Zukunftsplanung" „Laufbahn", „Körperliche Fitness" berücksichtigt. Der Besuch dieser Kurse steht den Mitarbeitenden aller Altersgruppen offen. 

Inwieweit ist es möglich, beim SECO über die Pensionierungsgrenze hinaus  beschäftigt zu bleiben? 

Aufgrund der aktuellen Regelung ist den Mitarbeitenden des SECO - wie in der ganzen Bundesverwaltung - grundsätzlich möglich, über das gesetzliche Rentenalter hinaus bis zum 70. Altersjahr beschäftigt zu bleiben. 

 

Zum Inhalt des ersten Artikels „Längerer Arbeit - spätere Rente" hat Dr. Joseph A. Weiss ebenfalls kurz Stellung genommen: 

Die Textabschnitte „Arbeit", „Aus- und Weiterbildung", „Arbeitstempo und Arbeitszeit" sowie „Führung" stehen nicht im Widerspruch zur Position des SECO, integrieren weitgehend dessen Schwerpunkte und setzen die Prioritäten bzgl. der notwendigen Massnahmen ähnlich wie das SECO

Links

SECO: Arbeitsmarktpartizipation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

SECO: Betriebliches Altersmanagement 

Längere Arbeit - spätere Rente (1)

Längere Arbeit - spätere Rente (2)

Längere Arbeit - spätere Rente (3)

Längere Arbeit - spätere Rente (4)

Längere Arbeit - spätere Rente (5) 

Längere Arbeit - spätere Rente (6) 

Bilder: 

http://www.aboutpixel.de/foto/gehoert-auf/ma%C3%A7ka/22468 

http://www.aboutpixel.de/foto/sonnengereifte-fruechte/gammelstaad/53678 

Staatssekretariat für Wirtschaft SECO