Leben

Exoten

Exoten

Das erste Mal begegnete ich diesem Begriff an einer Viehschau. Wieso sich in mir eine Assoziation mit Hawaiimusik, Bananen und südländischer  Kultur aufbaute, weiss ich bis heute nicht; aber es ist immer noch so – trotz; oder gerade wegen der Volksabstimmung über Minarette. 

Und weil ich mich jetzt selber dazu zählen muss – das ist neu – stimmt mein schönes Bild nicht mehr, schade. Die Schweizer seien Exoten, musste ich letzthin lesen. Dabei waren an der Viehausstellung entsprechende Exemplare andersfarbig, nicht den gängigen Hauptrassen zugeteilt; Exoten eben! Entweder hatten sie überlange Hörner, oder grosse Buckel, oder sie waren schneeweiss und konnten so unschuldig dreinschauen. Ich bin doch, bitte schön, nur Auslandschweizer, Eidgenosse ohne Buckel und Hörner: nix Exote!

Meine Freunde bestätigten das, ich war richtig froh. Mindestens von Hörnern und Buckel konnten sie nichts sehen. Warum denn Exote? fragten sie erstaunt. Weil ich mein Bürgerrecht  in Anspruch nahm! Ich hatte euch ja noch gefragt: Würdet ihr: Ja oder Nein – Minarette bauen lassen, wenn ihr darüber abstimmen könntet? Ich konnte; ihr nicht: direkte Demokratie halt! Dann stimmte ich sogar nach eurer Meinung – die natürlich auch meine war – und las später: Schweizer seien Exoten, weil sie gar nicht  hätten abstimmen dürfen. Ich musste mir beim Weiterlesen als Tschumpel und Galöri, vorkommen. Exote wäre ja noch eine akzeptable Beschimpfung für jemanden, der an einer Abstimmung „falsch“ stimmt. Nicht-Exoten hätten wenigstens gewusst wie zu stimmen gewesen wäre – hat man ja in Afghanistan gesehen – dann wäre es auch verfassungsmässig richtig gewesen; aber so – mit diesem Ergebnis – eben nicht! Nein statt Ja, nicht Ja statt Nein, hätte es sein sollen,  dann wäre doch alles klar und hätte seine Richtigkeit. Ohne Richter, ohne Diskussionen, ohne Rechtfertigungen, ohne Bücklinge, ganz einfach demokratisch richtig wäre das umgekehrte Ergebnis gewesen, schweizerisch eben und keinesfalls exotisch.

Meine Freunde verstanden nicht. Ich auch nicht; aber sie wollten verstehen und begreifen: – ich auch! Wieso denn jetzt Gericht und Klage? Ist doch klar: Volksabstimmung ─ Mehrheit ─ fertig! Ja schon, sagte ich, aber…: Was aber? Demokratie, oder! Beweis- und Erklärungsnotstand zeigte sich; ich war fast froh als einer behauptete: In der Schweiz würden sowieso die Banken das Sagen haben. Nein natürlich nicht, können sie gar nicht; sind ja zahlenmässig unbedeutend. Ich griff zur Nothilfe. Wisst ihr, begann ich nochmals: Es gibt die Rechten und die Linken und dazwischen die Mittleren. Unter alle haben sich jene verteilt, die es gar nicht geben dürfte, jene die meinen: Recht sei was ihnen recht ist und alle sollten immer nach ihrer Geige tanzen: die Exoten.

 

Kommentare

Bild des Benutzers Albert Hahn

Exoten unter sich

Walter Hegetschweiler mach’ dir nichts draus, ich bin auch ein Exote und im Ausland dazu. Allerdings bin ich immer noch sehr stolz darauf, dass ich wie du “richtig“ gestimmt habe und mache mir deshalb auch im nachhinein überhaupt keine Vorwürfe deswegen. Freundlichen Gruss dir! hahnalv