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Nach den Sternen greifen

Nach den Sternen greifen

Wer gern in die Sterne schaut und ebenso gern seine Ferien im Wallis verbringt, sollte sich eine besondere Rosine nicht entgehen lassen: Die Sternwarte François-Xavier Bagnoud auf 2200 Metern Höhe.

Hat es Sie auch schon einmal fasziniert, bei vollkommener Dunkelheit in den Sternenhimmel zu schauen? Dann funkeln die Sterne viel intensiver. Bestenfalls hat man in solch seltenen Momenten ein Fernglas dabei und sucht sich damit zum Beispiel den bekannten Doppelstern in der Mitte der Deichsel des Grossen Wagens. Aber es fehlt die Fachperson, die erklären könnte, dass der Stern Mizar nach neuesten Beobachtungen (2009 durch den amerikanischen Astronomen Eric Mamajek und sein Team) ein Vier-Sterne-System, sein ein Lichtjahr entferntes «Reiterlein» Alkor wiederum ein Zwei-Sterne-System ist. Das Ganze bildet ein Sechs-Sterne-System, das um die 80 Lichtjahre von der Erde entfernt Licht zu uns sendet.

Galaxie ngc 7331

 

 

 

 

 

 

 

Observatorium auf 2200 Meter Höhe

Fernrohr 

Doch wo ist es – angesichts der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung hierzulande –überhaupt noch wirklich dunkel? Wo ist die Luft so klar, dass die Sterne zum Greifen nahe scheinen? In den Bergen. Und wo findet man dort ein richtiges Observatorium mit jungen, engagierten Astronomen, die sich Zeit nehmen, in einem kleinen Auditorium mit 30 Plätzen ihren Besuchern nach einem Blick durchs Fernrohr etwas zu erklären und ihnen in Vorträgen und 3-D-Präsentationen das All näher zu bringen? Der familiäre kleine Ferien- und Wintersportort heisst Saint- Luc und liegt auf einer Sonnenterrasse auf der rechten Seite des Val d’Anniviers (VS). Von dort führt eine Standseilbahn nach Tignousa auf 2200 Meter Höhe zur grössten und höchsten öffentlichen Sternwarte der Schweiz, dem Observatorium François-Xavier Bagnoud.

Sonne, durch einen Coronado-Filter gesehenEs ist mit einem 15 cm Fernrohr und einem 60 cm Spiegelteleskop ausgerüstet. Mit einem Coronado-Filter am Fernrohr kann die Oberfläche der Sonne und ihre Korona beobachtet werden (Bild rechts). Ein Zölostat lenkt das Licht mit beweglichen Spiegeln auf eine Leinwand, ein Spektroskop ermöglicht es, das Spektrum der Sonne zu betrachten.

Exoplanet gesichtet

Der Direktor des Observatoriums Dr. Frédéric Mallman ist stolz darauf, mit seinen Kollegen erst kürzlich mit Hilfe seiner - im Vergleich zu den Riesenobservatorien - kleinen optischen Geräte einen Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems geortet zu haben, einen so genannten Exoplaneten (siehe weiter unten).

Um die Grössenverhältnisse in unserem Sonnensystem zu veranschaulichen, startet gleich neben der Sternwarte ein zweistündiger Planetenweg, auf dem man mit jedem Schritt eine Million Kilometer im Kosmos zurücklegt; ein fünf Kilometer langer Wanderweg in einer spektakulären Landschaft mit Blick auf mehrere Viertausender, darunter das Matterhorn.

Das Wunder Erde

Dabei mag sich der Gedanke aufdrängen, welch ein Wunder es ist, dass die Erde zu einer so schönen, bewohnbaren Oase inmitten eines kalten und lebensfeindlichen Universums wurde: Weil sie in richtigem Abstand zu ihrer Sonne steht, weil vor etwa 4,5 Milliarden Jahren der Zusammenstoss mit einem marsgrossen Objekt ihre Rotation verursacht haben muss, weil ihre Drehachse durch einen relativ grossen Mond stabilisiert wird und weil sie vermutlich vor x Milliarden Jahren mit Asteroiden oder Eiskometen bombardiert wurde, die Wasser brachten.

 SonnenbeobachterSonnenbeobachter

Der Ausflug lohnt sich gleichermassen für Seniorinnen und Senioren, Eltern mit Schulkindern oder Amateurastronomen, die hier mit Ihresgleichen fachsimpeln können. (Älteren, besonders herzkranken Menschen, sei jedoch geraten, diesen Ausflug nicht sofort nach Ankunft im Val d’ Anniviers zu unternehmen. Die Autorin musste wegen eines Anflugs von Höhenkrankheit leider ziemlich schnell wieder hinunterfahren.)

Was sind Exoplaneten?

Exoplaneten gehören einem anderen Sonnensystem an. Weil sie in der Regel von dem Stern, den sie umkreisen, überstrahlt werden, können sie kaum direkt mit Teleskopen beobachtet werden und werden meist indirekt über ihren Einfluss auf das Zentralgestirn nachgewiesen.

Der erste jupiterähnliche Exoplanet, ein Gasriese, der – 42 Lichtjahre entfernt - einen unserer Sonne ähnlichen Stern im Sternbild Pegasus umkreist, wurde vor 15 Jahren von den Genfer Astronomen Michel Mayor und  Didier Queloz am Observatoire de Haute Provence (OHP) in Frankreich entdeckt. Inzwischen sind über 400 Exoplaneten in über 358 Systemen bekannt. Ein grosser Teil davon geht auf die Forschertätigkeit des Genfer Teams zurück.

Suche nach «bewohnbaren» Planeten

Intensiviert hat sich vor allem die Forschung nach erdähnlichen Felsplaneten, die ihre Sonne in einer «grünen» Zone umkreisen, in der flüssiges Wasser auf der Oberfläche möglich ist. 2007 entdeckten die beiden Genfer Astronomen erstmals im Sternbild Waage einen grossen erdähnlichen Exoplaneten, Gliese 581c. Er ist über 20 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Auch in Saint-Luc schauen die Forscher in klaren Nächten in den Himmel, auf der Suche nach lebensfreundlichen Himmelskörpern. So ist es ihnen gelungen, den Transit eines 30 Lichtjahre entfernten kleineren Planeten von der Grösse unseres Neptuns zu beobachten, der an seiner Sonne, dem «roten Zwerg» GJ436, vorbeizog und dabei einen Teil des Sonnenlichtes abblockte. In der Regel sind nur Gasriesen mit dieser Methode beobachtbar. Der «kleine» Planet GJ436b - 22-mal so schwer wie die Erde - hat einen festen Kern und besteht hauptsächlich aus Wasser. Auf seiner Oberfläche allerdings beträgt die Temperatur um die 300 Grad Celsius, wodurch das Wasser verdampfen dürfte. Unter der Oberfläche jedoch – so wird vermutet - hat es sich unter der höheren Schwerkraft und trotz der hohen Temperaturen in einen Festkörper verwandelt, der um Vieles dichter ist als gewöhnliches Eis.

Hinweis

Observatoire François-Xavier BagnoudDas Observatorium steht in unmittelbarer Nähe der Standseilbahn von Saint-Luc nach Tignousa. Es ist ganzjährig geöffnet. Saint-Luc ist mit dem Postbus oder Auto erreichbar (mehrere grosse Parkplätze). Die Fahrt ab Sierre dauert etwa 30 Minuten.

Die Daten für Nacht- und Sonnenbeobachtungen bzw. für Vorträge und 3-D-Präsentationen sind auf der Internetseite des Observatoriums zu finden. Mit Ausnahme der Sonnenbeobachtungen muss die Teilnahme im Tourismusbüro reserviert werden. (Die Autorin ist dort allerdings mit ihrer Frage nach offiziellen Öffnungszeiten der Sternwarte auf eine Auskunftsperson gestossen, die barsch auf die französisch- und englischsprachige Homepage des Observatoriums verwies.)

 

 

 

Observatoire François-Xavier Bagnoud
3961 Saint-Luc
Tf. +41 27 475 58 08

www.ofxb.ch

info@ofxb.ch

Office du Tourisme
CH 3961 Saint-Luc
Tf: +41 27 475 14 12
saint-luc@sierre-anniviers.ch
www.saint-luc.ch