Und das muss er, denn die Kampfrichter sind ihm nicht gewogen, seine Flüge sind oft zu lang, um sie sicher im reglementarisch verlangten tadellosen Telemark-Stil auch stehen zu können. Auch wir tun uns schwer mit den Erfolgreichen, nicht nur mit Simon Ammann, auch Roger Federer weiss ein Lied davon zu singen. Unsere Stars müssen eines: immer siegen. So anspruchsvoll sind wir, so begeistert, wenn sie es tun, so nachtragend, wenn es ihnen einmal nicht gelingt.
Noch in den letzten Wochen haderte die vereinte Schweizer Sportjournalistengilde mit dem Harry Potter von Salt Lake City. Wenn er sich nicht gerade auf den ersten Platz platzierte, war er kaum lobende Zeilen wert. Das Springen im Klingenthal beispielsweise, das er gewann, war in den Medien nur als kleine Meldung zu finden. Sein dritter Platz an der Vierschanzentournee war zu wenig, um ihn als Held zu feiern. Und dass er die Rangliste im Weltcup vor den Österreichern anführt, war bis jetzt nur dann mehr als eine Meldung wert, wenn seine Spitzenposition in Gefahr geriet.
Als Roger Federer letztes Jahr nicht so gut startete, als er in Melbourne verlor, musste er erst Paris und Wimbledon gewinnen, bis er wieder als der beste Tennisspieler in den Gazetten gefeiert wurde. Wenn er nicht gerade einen neuen Rekord aufstellt, beginnen die Journalisten bereits leise Zweifel zu säen. Doch mit seinem neuerlichen Erfolg straft er seine publizistischen Begleiter Lügen. Obwohl er nichts mehr zu beweisen hat, tut er es dennoch, wohl aus Lust am Spiel, aus Lust am weltweiten Erfolg. Er trotzt gleichsam der schweizerischen Lust an der Kritik an ihm.
Simon Ammann hatte schwere acht Jahre. Vor vier Jahren an den olympischen Spielen in Turin landete er auf Platz 15 beim Wetttkampf auf der normalen und auf Platz 38 auf der grossen Schanze. Er liess nicht locker. Beharrlich, solide, auf jedes Detail bedacht, stieg er noch einmal ein, plante und realisierte nachhaltig, was er sich vorgenommen hatte: Noch einmal zu zeigen, dass der Doppelschlag von Salt Lake City nicht eine Ausnahme war, sondern der Beginn einer grossartigen Karriere, die noch nicht zu Ende ist.
Sie haben uns verwöhnt, unsere Aushängeschilder. Sie sind zwar Weltstars, doch so richtig angekommen sind sie lediglich in ihrer engeren Heimat. Roger Federer in Basel, Simon Ammann im Toggenburg. Dort weiss man sie zu schätzen.
Doch gerade jetzt, wo wir alle Tage von irgendwoher Prügel bekommen, gerade jetzt, wo uns selbst die Nachbarländer ganz massiv in den Griff nehmen, uns einengen, dem Bankgeheimnis den Garaus machen, jetzt, wo uns kriminelle Leute bestehlen und bei den Nachbarn dafür Hehlergeld bekommen: Gerade jetzt tut es doch gut, wenn in Vancouver die Schweizer Flagge gehisst, wenn die Schweizer Nationalhymne intoniert wird. Wenn uns Simon Ammann klar macht, wie und dass eidgenössische Eigenschaften zum Erfolg führen, was Fleiss, Solidität, Beharrlichkeit, Durchhaltewillen, höchste Konzentration bewirken können. Nämlich den Erfolg.
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Fast so etwas wie Helden diese beiden Schweizer