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Geldanlegen mit ETF

Geldanlegen mit ETF

Seniorinnen und Senioren haben häufig etwas Geld gespart, vielleicht das Pensionskassenkapital bezogen oder gar geerbt. Und sie haben in der Regel auch Zeit, sich selbst um Geldanlagen zu kümmern – ETF sind dafür eine gute Variante.

In jüngster Zeit sind ETF, Exchange Traded Funds (auch börsengehandelte Indexfonds genannt), stark in Mode gekommen. Auch wenn man mit ETF „passiv" anlegt, entbindet dies die Anlegerin oder den Anleger nicht, das Vermögen aktiv zu bewirtschaften, sich regelmässig zu informieren und sich über den Markt und die Marktaussichten eine klare Meinung zu bilden. ETF eignen sich also für ältere Menschen, die zwar das Anlegen nicht dem Vermögensberater überlassen wollen, sich aber dennoch nicht jeden Tag um ihre Geldanlagen kümmern wollen. 

Wie funktionieren ETF? Was sind Chancen und Risiken? Wie findet man sich in der riesigen Auswahl überhaupt zurecht? Und: Welche Vor- oder Nachteile haben ETF gegenüber den herkömmlichen Fonds? Exklusiv für Seniorweb beantwortet Rino Borini, bankenunabhängiger Finanzfachmann und Herausgeber des Anlegermagazins 10x10.ch, diese Fragen.

 

Wie funktionieren die ETF? 

Rino Borini: ETF sind börsengehandelte Indexfonds und bilden einen bestimmten Index (Aktien, Obligationen, Immobilien, Rohstoffe etc) 1:1 ab. Sprich: Steigt der zugrunde liegende Index um 1 Prozent, dann legt ebenso der ETF um 1 Prozent zu. Ebenso natürlich in die andere Richtung: Fällt der Index um 1 Prozent, so verliert auch der ETF ein Prozent an Wert.  

 

Was sind die Unterschiede zu herkömmlichen Fonds? 

Ein wichtiger Unterschied liegt in der Börsenkotierung. ETF können wie eine Aktie an einer Börse gekauft und verkauft werden. Somit fallen keine Ausgabe- oder Rücknahmekommissionen an wie bei herkömmlichen Fonds. Hingegen fallen Transaktionskosten an, wie bei Aktien oder Obligationen. 

Ein weiterer bedeutsamer Unterschied liegt in der Anlagephilosophie: Ein traditioneller Fonds versucht einen Vergleichsindex zu schlagen, sprich der Fondsmanager versucht Mehrwert zu generieren für den Fondsinhaber. Ein ETF hingegen liefert nur die Marktrendite, also die Rendite des jeweiligen Index (Markt). Nicht mehr und nicht weniger. Ein ETF-Anleger wird somit nie eine höhere Rendite erhalten als der zugrunde liegende Markt. 

Der dritte Unterschied liegt in den Kosten: Weil es keinen Fondsmanager braucht, kein teures Research und der ETF «nur» die Marktrendite verspricht, sind die Verwaltungsgebühren viel tiefer. Im Schnitt liegen die Verwaltungsgebühren rund 0,75 bis 1,5 % tiefer als bei herkömmlichen Fonds, und das pro Jahr. 

 

Vor- und Nachteile gegenüber herkömmlichen Fonds? 

Der Kostenbereich ist sicherlich einer der Hauptvorteile für ETF. Ein Anleger kann bereits heute in den DJ-Euro-Stoxx-50- Index investieren und zahlt lediglich 0,06 % p.a. Verwaltungsgebühren. 

Den Börsenhandel werte ich ebenso als Vorteil. Der Anleger kann somit immer wenn die Börsen offen sind sein Produkt kaufen oder verkaufen, er kann sogar direkt im Internet in das Auftragsbuch sehen und sieht dort sofort seine Ausführung (Abwicklung der Transaktion). 

Der Nachteil liegt klar darin, dass der ETF nicht besser als der Markt sein kann. Doch zahlreiche Studien belegen, dass 70 bis 80 % der Fondsmanager den Vergleichsindex langfristig nicht schlagen, ja sogar unter dieser Rendite liegen. Bei einem ETF hat man dieses Risiko nicht. Der Indexfonds liefert die Marktrendite. 

Die Praxis zeigt, dass es vor allem Fonds auf Nischenthemen schaffen, sehr gute Renditen zu generieren. Hier können traditionelle Fonds klare Vorteile gegenüber ETF bieten. Die Frage ist nur, ob und wie man diese Rosinen findet. 

Wie soeben gesagt: Ein ETF kann nicht besser sein kann als der Index, das bringt mich auf den nächsten Punkt. Viele Indizes sind nicht gut bzw. haben ein Klumpenrisiko. So wird der SMI-Index dominiert von Pharma- und Finanzaktien. Wenn zum Beispiel beide Branchen in einer Krise sind, tut das dem Index und logischerweise auch dem ETF nicht gut. Hier lohnt es sich wirklich, den zugrunde liegenden Index genau zu prüfen und sich bewusst zu werden, welches seine Komponenten sind. Am besten sind breite Indizes, wie DJ-Euro-Stoxx-50, MSCI World, MSCI Emerging Markets etc.

 

Was für Kategorien gibt es?  

Mittlerweile gibt es für fast jeden Index einen ETF. Man unterscheidet zwischen den Industrienationen und den Schwellenmärkten. Zudem wird noch nach Sektoren/Branchen und nach Unternehmensgrösse (Small, Mid, Large) unterschieden. Aber auch klassische Obligationen-Indizes oder Hedge-Funds und Rohstoffe sind weitere Kategorien. Vor allem Rohstoffe, insbesondere Edelmetalle wie Gold und Silber, sind in den letzten Jahren sehr erfolgreich unterwegs. Viele Anleger haben in diese ETF viel Geld investiert. Der Vorteil bei diesen ETF liegt darin, dass die gekauften  Edelmetalle physisch in einem Tresor deponiert werden.

 

Für wen eignen sich die ETF vor allem (weshalb besonders geeignet für Pensionierte)? 

ETF werden derzeit noch primär von professionellen Anlegern eingesetzt. Aber ETF sind durch ihre Transparenz (man weiss immer, in was der Fonds investiert ist), durch den Börsenhandel (Marktüberwachung, Kurstransparenz) und die attraktive Kostenstruktur ideal für private Anleger, und ebenso für Pensionierte. Denn die Kosten von Anlageprodukten fressen an der Rendite und schmälern das (Alters-)Vermögen. Zudem können Pensionierte von den regelmässigen Ausschüttungen profitieren. Um mittel- bis langfristig ein Vermögen aufzubauen, sind ETF eine einfache und transparente Möglichkeit. Aber man muss die Grundsätze des Anlegens, nämlich breite Diversifikation über Anlageklassen, Regionen etc. einhalten. Auch die Einfachheit der Produkte ist ein Vorteil für private Investoren. 

 

Wie werden ETF im Rahmen eines Gesamtportfolios eingesetzt? 

Ich empfehle immer einen Kern-/Satellitenansatz zu wählen. Im Kern ist das Hauptvermögen investiert. Und mit kleineren Beträgen investiert man in Satelliten. Das Kernvermögen sollte in die wichtigen (grossen) Märkte, wie z.B. Aktien Schweiz, Obligationen Schweiz, Aktien Welt etc. investiert werden. Diese können am besten mit ETF abgebildet werden. So hat man auch eine gute Kostenkontrolle. 

In den Satelliten investiert man in spannende, zukunftsträchtige Themen, wie Schwellenländer, Rohstoffe oder auch Aktien-Nebenwerte. Diese Themen kann man sowohl mit ETF wie auch mit traditionellen Fonds umsetzen. Oftmals schaffen es gerade Fonds, in weniger liquiden Märkten eine Überrendite zu generieren. Natürlich kann man die Satelliten auch mit Direktanlagen (Aktien, Obligationen) bestücken. Weitere Informationen findet man auf: http://www.10x10.ch/10x10/downloads/10x10_0207_d.pdf

 

Wie kann man sich im riesigen Dschungel der Produkte überhaupt zurecht finden?  

Am besten sollte man sich auf einigen Internetseiten «schlau» machen. Die Internetseite der Schweizer Börse führt alle Produkte auf, und dort findet man mit wenigen Klicks eine Übersicht aller neuen Produkte. Daneben bietet die Schweizer Börse kostenlos einen ETF-Guide an: ein sehr gutes Hilfsmittel, und auch sehr einfach geschrieben, mit allem Wichtigen zu ETF. Dieser Guide kann kostenlos bei der Schweizer Börse bezogen werden.

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Der ETF-Dienst, http://www.10x10.ch/, bietet 10mal jährlich kostenlos ein PDF-Magazin an, das per Email verschickt wird. Darin sind viele Informationen über Produkte, Strategien, Markthintergründe etc. aufgeführt. Auf dieser Webseite findet der Anleger überdies alle Produkte, die nach verschiedenen Kriterien sortiert werden können. Bei den Kursen handelt es sich jeweils um den Nettoinventarwert, der nach Börsenschluss gerechnet wird. 

Daneben bietet der www.etfexplorer.ch eine einfache Suche und Ratings zu den Produkten. Doch viele Informationen sind kostenpflichtig. Kostenlose Kurs- und Produktübersichten liefert auch die Schweizer Börse sowie www.cash.ch und www.swissquote.ch. Beide Seiten haben eine eigene Seite für ETF entwickelt. 

 

Gebühren? Kauf über Bank oder Online?  

Der Kauf über das Internet (Internet-Banking) ist sicherlich günstiger als über den Bankberater. Sehr günstig ist in diesem Bereich die Swissquote Bank. Dort zahlt man für die meisten ETF eine fixe Gebühr von 9 Franken. Selbstverständlich können ETF auch über die Hausbank gekauft werden, auch wenn die Hausbank selber keine ETF anbietet. Leider empfehlen viele Berater derzeit noch nicht aktiv ETF (man verdient weniger...). Dazu muss man dem Berater einfach die entsprechenden Valoren mitteilen. Es lohnt sich, analog wie bei Aktien, auch mit Limiten zu arbeiten. 

Nebst den Verwaltungskosten (im Fonds enthalten), zahlt ein Anleger also nur noch die klassischen Bankgebühren. Es fallen keine Rück- und Ausgabekommissionen an. Wichtig ist, dass ein ETF einen geringen Spread (Geld-/Briefspanne) hat. Denn dies sind ja ebenso indirekte Kosten.

 

Risiken und Chancen? 

Die Risiken sind die gleichen wie bei jeder Anlage, nämlich das Marktrisiko. Wenn also ein Markt massiv korrigiert, so leidet automatisch auch der ETF. Zudem muss ein Anleger sich immer mit der Währung auseinandersetzen, denn viele ETF handeln zwar in Franken, aber die Vermögen sind in einer anderen Währung angelegt (USA = Dollar, Gold = Dollar etc.). 

Insbesondere Branchen-ETF entsprechen häufig nicht dem Idealbild eines breit aufgestellten Index. Stattdessen kauft der Anleger einen Aktienkorb, der von drei, vier grossen Aktien dominiert wird. Schwächeln diese Werte, sackt der Index schnell ab. Anleger sollten daher genau prüfen, wie sich der Index zusammensetzt. 

Die Chancen liegen insbesondere darin, dass der ETF die Marktrendite abliefert. Berücksichtigt man dazu die günstige Kostenstruktur, so profitiert ein Investor mittel- bis längerfristig. Denn die Kosten sind ein Renditefresser. Beim aktiven Fonds ist der Investor voll dem Können des jeweiligen Fondsmanagers ausgeliefert, bei ETF besteht das Risiko, um es nochmals klar zu sagen, darin, dass der Markt nicht so läuft wie man sich das vorgestellt hat. 

Ein weiteres Risiko können einige spezielle ETF beinhalten, nämlich das sogenannte Gegenparteienrisiko, das jedoch auf maximal 10 % des Fondsvermögens beschränkt ist und in der Praxis bei rund 4 % liegt. Weitere Informationen dazu gibt es auf:

http://www.10x10.ch/10x10/downloads/10x10_0808_d.pdf

 

Bilder: 

10x10.ch 

Ran an den Speck: aboutpixel.de - Ronald Leine (Titelbild)