Adamo

Adamo

Adamo

Unsere Freude war doppelt, weil die Eintrittskarten geschenkt waren und der Name uns die lange nicht mehr gehörten Melodien versprach. Dazu kam noch, dass wir uns mehr als drei Monate gedulden mussten. Die Vorfreude war entsprechend, sie vergrösserte die Erwartungen.

 Bild: Wikipedia

Endlich war es so weit: Freitagabend, „Adamo“ im Centre-Culturel, einmalige Vorstellung. Platzkarten gab es keine mehr, die waren längst über  den Vorverkauf weg. Wir hatten unsere schon seit Wochen, nochmals Freude. Sogar die Plätze: L 7 und 9 waren  perfekt! Auch der Beginn: nur 3 Minuten verspätet. Das liess mir gerade noch Zeit zur Überlegung, dass wir für die vorgesehenen 2 Stunden die Gegenleistung von 15 Arbeitsstunden aus dem Minimallohnbereich absitzen werden. Dies freute nicht besonders, gebar aber einen dankbaren und anerkennenden Gedanken an den Spender der Eintrittskarten. Zwar schaut man einem geschenkten Gaul  nicht ins Maul; aber die dermassen zu kalkulierende „Kaufkraft“ der umgebenden Leute hatte Gewicht – oder Adamo entsprechende Anziehungskraft.

Aus dem aufsteigenden Nebel erschienen zuerst 7 Musiker und dann Er. Etwas älter als in der Erinnerung, aber diese stammte ja auch nur von alten Platten; jetzt ist er echt, nicht gerade nahe, aber echt. So echt, so lebendig, dass ich sogleich zu vergleichen anfing. Meine Frau flüsterte sein Geburtsjahr, das ich sofort als rechnerische Basiszahl einsetzte. Das Resultat liess mein geistiges Auge zu Vergleichszwecken in „Damaligkeiten“ suchen.

Ich sang  ja nie im Männerchor, nicht einmal im Bad. Ich war Turner und musste anerkennen: der hat noch Einen drauf. Er  ist ja auch 11 Jahre jünger! Das ist zwar nur halber Trost, immerhin Trost! Und er sang volle zwei Stunden, ohne Pause, echt Adamo! Echt? Hätten wir gerne gehört, deshalb waren wir ja gekommen: ihn zu sehen, seine Stimme zu hören! Darauf hatten wir uns gefreut, das hatten wir erwartet, dieses Vergnügen wollte uns geschenkt werden. Alles falsch!

Adamo sang nicht alleine, er hatte Mitsängerinnen: vor uns, neben und hinter uns. Er machte seine Sache gut, er verdiente den gespendeten Applaus, seine Mannschaft ebenfalls. Bravo! Ein zweites Mal würden wir nicht mehr hingehen – wegen den Mitsängerinnen! Sie waren bestimmt so erwartungsvoll wie wir, sie waren von Anfang an begeistert, sie meinten alle Melodien zu kennen – und sie wurden mitgerissen, zeigten es mit Mund und Händen: schrecklich! Als des Meisters bekannte Träne auf Reisen ging, wurde sie sogleich vom improvisierten Begleitchor aufgesogen. Natürlich waren das nicht alle Zuhörer; aber es war eine rücksichtslose Minderheit, die sich als  die echten Adamo-Fans aufspielte – und ihn übertönte. Schade!