Umwelt

In einem Bächlein helle

In einem Bächlein helle

Nicht nur Forellen tummeln sich in unseren immer mehr gefährdeten Gewässern. Im Naturmuseum Solothurn läuft bis 24. Oktober 2010 bei freiem Eintritt (!) unter dem lapidaren Titel „FisCHe“ eine informative und didaktisch hervorragend aufgebaute Ausstellung, welche unsere einheimischen Fische vorstellt.

 

Fische, leuchtend wie Edelsteine

Eine Besonderheit der Ausstellung sind die Fische in den fast wie echte Aquarien wirkenden Schaukästen. Die echten Fische sind vom Tierpräparator Matthias Fahrni hervorragend und so lebensecht präpariert, dass er dafür schon internationale Preise entgegennehmen durfte. Die Ausstellung ist für Erwachsene und Kinder gleichermassen spannend aufgebaut, wobei dem Nachwuchs, von den Kleinsten bis zu den grösseren Schulkindern, auch klug und sinnenfroh gestaltete didaktische Spielmöglichkeiten angeboten werden.

Neben den unterhaltsamen Spielstationen gibt es aber auch vertiefende und sehr ansprechend gestaltete Ausstellungsobjekte sowie ergänzende Kurzfilme, die sich mit ernsteren Aspekten des Themas auseinandersetzen, so zum Beispiel mit Problemen der industriellen Fischerei und der Überfischung. Die Ausstellung ist ein ideales Ausflugsziel für die ganze Familie. Doch wollte man auch einmal hinaus aus dem Untergeschoss des Naturmuseums in die heutige Realität eines Fisch- und auch Fischerlebens und organisierte dafür einen Ausflug an den Bielersee. So wanderte ein gutes Dutzend Interessierter, Erwachsene und Kinder, frohgemut dem Bielersee entlang nach Ligerz zu einer der vier kantonalen bernischen Fischzuchtanlagen.

Beispiel Bielersee

Hier wird mittels modernster Methoden und Erkenntnissen dafür gesorgt, dass unser fischreichster Schweizer Binnensee nicht ausgefischt wird. Der Bielersee ernährt heute 10 Berufsfischer, die eine dreijährige Lehre absolvieren müssen. Diese verkaufen ihren Fang entweder frisch im eigenen Laden oder bereiten ihn fachkundig an Anlässen zu. Empfohlen wird all jenen Glücklichen, die in einer Seeregion wohnen, sich beim Berufsfischer in der Nähe nach Öffnungszeiten und Konditionen zu erkundigen.

Heute angeln schweizweit rund 100'000 Freizeit-Fischer, die jährlich 400 Tonnen Fisch fangen, davon 270 Tonnen in den Seen (Zahlen von 2007).   Im Bielersee gefangen werden vor allem Felchen und Egli, in kleinerem Umfange auch Seeforellen, Hechte und Rotaugen. Da das Nahrungsangebot für die Fische im See heute jedoch viel weniger gross ist als noch vor wenigen Jahrzehnten, muss mittels Fischzucht das empfindliche Gleichgewicht von „Besatz“ (Aussetzen der neu aufgezogenen Jungfische) und Fang gewahrt werden. So werden z.B. die geschlechtsreifen Felchen im Dezember gefangen und ihre Eier respektive Samenflüssigkeit schonend  von Hand abgestreift. Letztes Jahr zog man in Ligerz allein von den Felchen 135 Millionen Eier, die dann im Bruthaus zu Fischlarven und dann zu winzigen Jungfischen herangezogen und im Frühjahr ausgesetzt werden. 

Fischzucht und Oeko-System

In der idyllisch gelegenen Anlage empfing uns der kantonale Fischereiaufseher Rolf Schneider, seines Zeichens Leiter der Ligerzer Fischzuchtanlage und der Berufsfischerei Bielersee. Mit hohem Engagement und ungemein spannend führte er Gross und Klein zuerst mittels eines Kurzfilmes, danach aber mit einer Führung durch die ganze Anlage in die vielfältigen heutigen Problemstellungen bei der Fischzucht und des gesamten empfindlichen Oeko-Systems ein. Im Unterschied zur Mastfischzucht, wo Fische nur für den menschlichen Verzehr herangezüchtet werden, widmet sich der Staat ausschliesslich der sogenannten Besatzfischzucht.

Rolf Schneider verwies er nicht ohne Stolz auf die wohl weitgehend unbekannte Tatsache, dass es nur im Bieler-, Neuenburger- und Murtensee zwei bestimmte Felchenrassen gibt, die sonst nirgends mehr auf der Welt vorkommen. Und die Aeschen zum Beispiel können nur in nicht gestauten Gewässern überleben. Der Lebensraum der Fische wird durch die intensive Bodennutzung der Schweiz immer mehr eingeschränkt.

Das Abschlusswort von Rolf Schneider hallt mir noch in den Ohren: „Alle übrigen Lebewesen können ausweichen, wenn ihr Lebensraum bedroht wird. Nur die Fische können das nicht. Sie bleiben in ihrem Element gefangen und werden mit ihm zerstört.“

Wer sich für das spannende Thema näher interessiert, kann sich bei den untenstehenden Links noch schlauer machen.

www.naturmuseum-so.ch

www.naturschutz.ch/ausstellung-fische-im-naturmuseum-solothurn/

www.vol.be/site/home/lanat/fischerei/fischerei-fischereiwirtschaft/fischzuchtanlagen.htm

Einkaufsratgeber Fische: WWF: service@wwf.ch

Fischzuchtanlage Ligerz, Bipschal 25, Tel. 032 315 29 47

Standort

4500 Solothurn (SO)
Schweiz
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