Bild: siepmannH (pixelio.de)
Herr Superfit war von eher kleiner Statur, drahtig, quirlig und schlank. Er ass total gesund, bewegte sich immer, rauchte natürlich nicht und trank wenig Alkohol. Deshalb erstaunte es nicht weiter, dass Herr Superfit vor Energie strotzte oder fast platzte.
Von Berufes wegen beschäftigte sich Herr Superfit mit Nahrung und Ernährung, tingelte als Wanderprediger und Gesundheitsapostel durch das ganze Land, brachte überall die Frohbotschaft des gesunden Lebens unter die Leute. Der Beruf war gleichsam eine Berufung, nämlich das Schweizer Volk vor der Überzuckerung, Übersalzung und Verfettung zu retten.
Viele Leute lauschten in vollen Sälen hingebungsvoll seinen Worten, fassten eifrig gute Vorsätze, konvertierten allerdings in den seltensten Fällen zu Gemüse, Müsli, Vollkorn und Wasser, sondern kehrten schon bald - mehr reumütig als mit schlechtem Gewissen - zu den vertrauten Schnitzel-Pommesfrites, Bratwurst-Rösti, Schweinebraten-Herdöpfelstock (mit dem obligaten Seelein in der Mitte), Meringue-Nidle, Schwarzwäldertorte, Coca-Cola und Bier zurück. Das Leben eines Asketen ist schliesslich nicht jedem gegeben (und garantiert, wie in der Folge zu erzählen sein wird, auch nicht zwangsläufig ein langes Leben).
Jedenfalls hatte Herr Superfit, weil er – was nochmals gebührend herausgestrichen sei - selber so gesund, drahtig und fit aussah, kein Glaubwürdigkeitsproblem. Was er verkündete, lebte er auch vor, was ja in unserer Gesellschaft schon eher Seltenheitswert hat. Er predigte Wasser und trank auch Wasser. Deshalb genoss er in den Medien hohes Ansehen, und wenn immer ein Statement zu Nahrung und Ernährung gefragt war, wurde Herr Superfit als Experte zugezogen, was seinen ohnehin schon guten Ruf nochmals verstärkte.
Alle, die Herr Superfit kannten, waren überzeugt: Das war ein sicherer Anwärter auf ein Ständchen der Ortsmusik und den Besuch des Bürgermeisters zu seinem 100 Geburtstag. Er hatte den Garantieschein für langes Leben in der Tasche. Wer wollte ihm den schon streitig machen?
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Berge, Silvan Jäggi (pixelio.de)
Das Schicksal wollte es freilich ein bisschen anders, war grausam. Wie häufig an seinen freien Tagen ging Herr Superfit – er war damals erst 62 Jahre alt - an einem schönen Julitag in die Berge - Bergsteigen gehörte zu seinen beliebtesten Freizeitaktivitäten. Dabei stürzte er tragischerweise zu Tode.
Der Garantieschein für ein langes Leben – er verfiel ungenutzt.
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...in corpore sano
Meine Mutter kaufte aus irgend einem mir nicht mehr bekannten Grund alle Haferflocken für ihren Birchermüesli-Haushalt in einem Reformhaus, das ebenfalls von einem Herrn Superfit geführt wurde.
Leider sah er immer so käsig aus, er hatte Atemnot, auch wenn er nie rauchte, er wurde immer als erster von einer grassierenden Grippe befallen. Dann trug er mehrere Wochen eine rote Nase im bleichen Gesicht. Und obwohl er die Gesundheit schlechthin vorlebte, sah er immer so krank aus.
Und er starb ja dann auch mit 55 Jahren.
Die Herren (und Damen) Superfits haben eine lange Familiengeschichte. Da geistert ein Kräuterpfarrer mit hinein, dort ein Bio-Medikamentenhersteller und natürlich waren auch einige Heilerinnen Patinnen der jeweiigen Herren Superfit. (Man munkelt sogar von Hexen, die im Mittelalter verbrannt wurden).
Kürzlich war ich im Tessin.
Es war noch sehr kalt, so dass die Nichtraucher sich drin im Grotto aufhielten, während die Raucher notgedrungen draussen vor dem Grotto ihren Nostrano trinken mussten. Die Nichtraucher in den Grottis waren bleich, hatten eine ungesunde Haut und stellten wahrscheinlich ihre Kräutertees selber zusammen. Jedenfalls - im Grotto tranken sie italienisches Mineralwasser. Die vor dem Haus rauchten und husteten. Sie husteten nicht, weil sie rauchten, sondern weil sie vor dem Haus rauchten und sich dabei erkälteten.
Gottseidank sterben die Herren Superfits nie aus. Weil sie so überzeugend gesund leben und gesund sterben, fühlen sich viele Leute, auch in der Deutschschweiz, moralisch aufgefordert, ebenfalls nicht zu rauchen, ebenfalls Kräutertees zu trinken und verachtungsvoll auf jene Untermenschen herunter zu schauen, die vor dem Grotto rauchen und husten.
Bernhard Schindler, seit zehn Jahren Nichtraucher.
Wozu
soll denn das nun gut sein??? Man könnte mit dem selben Quatsch den Spiess umkehren.
Ich rauche nicht, fühle mich sehr wohl und habe eine sehr gesunde Hautfarbe, viel zu gesund, denn wenn mir mal der Rücken weh tut (wegen dem angeborenen WS-Schaden, nicht wegen des Nichtrauchens...) dann kann es der Arzt kaum glauben...so gut sehe ich aus, und komischerweise trotz meiner gesunden Ernährung...