Diese Woche ist in Triengen/LU eine grosse Unternehmerpersönlichkeit im Alter von 71 Jahren gestorben: Ernst Pfenniger, hat die einstige Bürstenfabrik Triengen nach einer Einführungszeit 1967 in der dritten Generation seiner Familie übernommen und sie im Bereich der Dental- und Mundhygiene zu einem weltweit führenden KMU ausgebaut.
Dabei vertraute er seinen Mitarbeitern, ohne deren Einsatz und Firmentreue eine Unternehmung, die hauptsächlich Massenprodukte herstellte, niemals hätte im Hochpreisland Schweiz überleben können. Dank unternehmerischer Visionen, die er nachhaltig verwirklichte und dank seinem sozialen Engagement für seine Mitarbeiter, das schweizweit seinesgleichen sucht, ist es dem Visionär und Realisten gelungen, eine der letzten in der Schweiz verbliebenen Bürsten-Firmen zu einer führenden Unternehmung mit rund 1000 Mitarbeitern aufzubauen, ins Elektronik-Geschäft zu diversifizieren und hauptsächlich seine Zahnbürsten mit oder ohne Elektronik in Qualität und zeitgemässer Funktionalität zu einem „Renner“ zu machen: Täglich produziert die TRISA heute vollautomatisch 1 Million Zahnbürsten, während bei Ernst Pfennigers Eintritt in die Firma noch rund 50 000 Zahnbürsten pro Jahr gefertigt wurden.
„Der Tod von Ernst Pfenniger hat in Triengen und im ganzen Kanton Luzern Betroffenheit ausgelöst. Verschiedene Medien haben sein grosses Lebenswerk gewürdigt“, schreibt mir der Medienbeauftragte der Trisa, Othmar Wüest: „Über seinen Tod sind wir alle sehr traurig!
Klare Unternehmensphilosophie
Das Tun und Handeln von Ernst Pfenniger war seit jeher geprägt von Nachhaltigkeit. Er orientierte sich nicht an einer kurzfristigen Gewinnmaximierung, sondern an der langfristigen Optimierung und Unabhängigkeit seines Unternehmens. Der Einklang von Mensch, Arbeit und Umwelt war tief in seinem Bewusstsein verwurzelt. Ernst Pfenniger war auch bereit, Risiken einzugehen und konnte mit seiner grossen Leistungsbereitschaft und als begeisternder Patron Erfolge feiern. In dritter Generation hat Ernst Pfenniger aus der einst handwerklich-gewerblichen Bürstenfabrik ein international tätiges Hightech-Unternehmen gemacht. Eine Entwicklung, die auf eine konsequent gelebte Firmenphilosophie zurückgeht.
Klare Wertehaltung und Prinzipien
„Persönlich glaube ich an Gott und das Gute im Menschen“, hat Ernst Pfenniger immer wieder festgehalten. Seine Aufgabe als Unternehmer sah er darin, Arbeit zu schaffen und Freude an dieser Arbeit zu vermitteln – eine Einstellung, für die er oft belächelt wurde, mit der er aber seiner Zeit weit voraus war. (Dabei pulsierte eine starke soziale Ader bereits in der vorherigen Generation Pfenniger, sein Vater führte schon 1956 eine der ersten Pensionskassen der Innerschweiz ein.) Ernst Pfennigers Unternehmensphilosophie markierte in den 1960er-Jahren den Start für eine neue Zeitrechnung bei TRISA: weg vom Akkordlohn, hin zu sozialem Unternehmertum. Fortan machte Ernst Pfenniger mit seinem partizipativen Führungs- und Beteiligungsmodell Mitarbeitende zu Mitunternehmern, die auch im Verwaltungsrat mit einsitzen und somit zusammen mit der Gründerfamilie die Geschicke der Unternehmung mitbestimmen.
Patron und Freund
Nach der Matura studierte Ernst Pfenniger in Lausanne Wirtschaft. Der frischgebackene Nationalökonom trat 1961 in die TRISA AG ein und übernahm sechs Jahre später - in einer wirtschaftlich kritischen Zeit - die Geschäftsführung. Bald schon nach seinem Eintritt begann er Persönlichkeiten um sich zu scharen, welche die Geschicke der Unternehmung beherzt und voller Optimismus in die Hände nahmen.
„Keiner hat seither die einstige Bürstenfabrik mehr verändert als Ernst Pfenniger. Während das Unternehmen bei seinem Firmeneintritt mit 200 Mitarbeitenden einen Umsatz von ca. 5 Millionen Franken erwirtschaftete, erzielt die TRISA Gruppe heute mit mehr als 1000 Mitarbeitenden einen Umsatz von über 230 Millionen Franken. Die operative Geschäftsführung hat der hochgeachtete Unternehmer bereits vor Jahren an seine Söhne Adrian und Philipp übertragen“, heisst es in der offiziellen Mitteilung vom Tod Ernst Pfennigers.
Ehrenbürger von Triengen
Für seine grossen Verdienste als Unternehmer und sein Engagement für seine Heimatgemeinde Triengen erhielt Ernst Pfenniger im Jahre 2008 die Ehrenbürgerschaft. Nicht zuletzt wegen des Engagements Pfennigers ist in Triengen sozusagen auf der grünen Wiese – nota bene ohne direkten Anschluss ans Autobahnnetz – ein sehenswerter Industriepark entstanden. Der TRISA-Chef wirkte auch in verschiedenen Funktionen des öffentlichen Lebens. Er war langjähriger Parteipräsident der FDP Triengen, Vorstandsmitglied der Luzerner Industrievereinigung LIV und VR-Präsident der Triba Partnerbank.
Ernst Pfenniger ist trotz seines Erfolges und allen Ehren ein bescheidener, liebenswürdiger, aber auch geselliger Mensch geblieben. Er war ein Menschenfreund, zeigte sich stets grosszügig, wenn er helfen konnte, und stand in einer freundschaftlichen Verbindung zu seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie seiner grossen Kundschaft. Ernst Pfenniger war eine glaubwürdige Persönlichkeit, denn was er sagte, das tat er auch. Weit über Triengen hinaus wird einer aussergewöhnlichen Unternehmerpersönlichkeit gedacht.
Der Schreibende hat Ernst Pfenniger als Wirtschaftsredaktor des Zofinger Tagblatts mehrmals aufgesucht, um über die einzigartige Unternehmung zu berichten. Ich erinnere mich an die Eröffnungsfeier einer der in Triengen gebauten Produktionsstätte, welche Ernst Pfenniger – auf ausdrücklichen Wunsch seiner Frau – mit Solarzellen auf dem Dach hatte ausstatten lassen. Die 100 kWh produzierende Voltaik reichte aus, den ganzen Komplex zu beheizen und lieferte in Zeiten geringerer Nutzung wie an Sonntagen oder während Betriebsferien Strom an die Zentralschweizerischen Elektrizitätswerke, die dafür sogar einen guten Preis bezahlte. Damit dürfte Pfenniger der erste innerschweizerische Unternehmer gewesen sein, der einen solchen Deal mit der Elektrizitätswirtschaft hatte abschliessen können!
Ernst Pfenniger, ein gläubiger Mensch, ein gesunder Realist trotz aller seiner Utopien, hat mich als Mensch und Gesprächspartner stark beeindruckt. Gerade in Zeiten der Globalisierung mit ihren verheerenden Folgen der Beliebigkeit der Produktionsstandorte und des kurzfristigen Gewinnstrebens hoch bezahlter Manager ist Ernst Pfenniger einer jener Unternehmer unserer Heimat, die als Vorbild in die Zukunft leuchten sollten.
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