Umwelt

Velofahren – eine Freude?

Velofahren – eine Freude?

An blühenden Obstbäumen vorbeiradeln, die Frühlingsfarben und Düfte aufsaugen, Körper, Geist und Seele nach dem strengen Winter auslüften. - Was ist verlockender als ein Ausflug mit dem Velo gerade in dieser Jahreszeit, wenn der Verkehr nicht wäre!

Bis ein Stadtmensch jedoch die verkehrsarmen Nebenstrassen auf dem Land erreicht hat, muß er einen Zitterparcours durch zahlreiche heikle Verkehrssituationen auf unseren Strassen absolvieren. Velofahrer können davon ein Lied singen.

Die Zeitschrift "Beobachter" hat sich dieses brisante Thema in seiner neuesten Ausgabe vorgenommen. Hier einige Ausschnitte aus dem umfangreichen, gut recherchierten Artikel:

Den Velos gehört mehr Platz

. . . Bundesrat Moritz Leuenberger etwa betont gern, dass bei der Hälfte aller Autofahrten weniger als fünf Kilometer zurückgelegt werden. Würde nur schon ein Viertel dieser Kurzfahrten statt mit dem Auto mit dem Velo absolviert, wären auf den Strassen doppelt so viele Velofahrer wie heute unterwegs. Die Folgen würden alle Verkehrsteilnehmer spüren: weniger verstopfte Strassen, weniger Lärm, bessere Luft.

Senioren sind am meisten gefährdet

Doch obwohl weite Teile der Bevölkerung das Zweirad als Fortbewegungsvehikel im Alltag stärken möchten, wird es weiterhin stiefmütterlich behandelt. Gefährliche Kreuzungen und der rasant rollende Verkehr schrecken potentielle Velofahrer ab. «Velofahren ist gefährlich»:

Zwar können selbst Experten noch nicht erklären, weshalb die Zahl der tödlichen Unfälle innerhalb nur eines Jahres so sprunghaft angestiegen ist. Doch schon jetzt ist klar, dass Velofahrer nicht zufällig unter die Räder kommen. Denn während für die Sicherheit der Automobilisten ständige Verbesserungen erzielt werden, blieben die Velofahrer da auf der Strecke: Im Vergleich der letzten fünf Jahre bilden sie gar die einzige Gruppe der Verkehrsteilnehmer, bei der die Zahl der Todesopfer zugenommen hat.

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«Das Velo wird nicht ernst genommen»

Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin der Verkehrs-Club-Sektion beider Basel, kritisiert: «Das Velo wird nicht ernst genommen. Erst wer aus lauter Angst aufs Auto umsteigt, den nehmen die Planer zur Kenntnis.»

An . . . gefährlichen Stellen passieren häufig gar nicht so viele schwere Velounfälle, weil sich nur sehr geübte Radfahrer dorthin wagen. Viele aber hält die kritische Konstellation davon ab, das Velo zu benutzen. «Als Velofahrer summiere ich die gefährlichen Stellen auf einer Strecke. Hat es zu viele, steige ich aufs Auto oder auf den öffentlichen Verkehr um», sagt Christof Bähler, Velobeauftragter des Kantons Bern.

Velofahren ist beliebt bei Jung und Alt

Marie Resch, 69, Rentnerin, Bülach: «Das Velo ist mein täglicher Begleiter: Ich brauche es zum Einkaufen oder wenn ich im Städtchen etwas erledigen muss. Man kommt halt schnell voran damit. Ausserdem bin ich Mitglied einer Velogruppe der Pro Senectute. Ich habe in jungen Jahren viel Sport getrieben, heute ist das Velofahren die ideale körperliche Betätigung für mich. Es schont die Gelenke und hält mich fit. Kurzweilig ist es auch – wir sind eine gute Gruppe. Wir lachen viel, es entstehen Freundschaften, und gleichzeitig entdecken wir neue Wege und neue Gegenden.

Wir sind meist auf ruhigen Strecken unterwegs. Auf stark befahrenen Strassen habe ich manchmal schon ein mulmiges Gefühl. Zum Beispiel wenn Lastwagen an mir vorbeidonnern und dabei in den Velostreifen hineinragen. Man muss bei der Sache sein und schnell reagieren können. Ich weiss nicht, ob die Autos früher vorsichtiger fuhren – es gab halt einfach viel weniger davon. Aber eigentlich muss ich sagen: Ich fühle mich auch heute sicher auf den Strassen. Ärgerlich ist nur, dass mancherorts Velostreifen fehlen. Und dass im Winter die Pflüge den Schnee direkt auf die Velostreifen schieben.»

Quelle: Beobachter 8/10 (15. April 2010) "Den Velos gehört mehr Platz" von Matieu Klee und Markus Föhn

 Pro Senectute führt regelmäßig Kurse durch: "Sicher Velo fahren."

 Bild oben: "Der Frühling läßt auf sich warten – aber er kommt bestimmt." © Hanspeter Bolliger / pixelio.de