Kultur

Keiner malt zweimal den gleichen Fluss

Keiner malt zweimal den gleichen Fluss

und keiner steige zweimal ins gleiche Nass, sagte Herakles. Das bestätigt der Oberaargauer Maler Martin Ziegelmüller mit seinen Aare- und Bach-Bildern.

Nie sind die hellen Steine am Grund des Flusses gleich, immer wieder sind andere Licht- und Schattenflecken im Wasser zu erkennen. Alles fliesst. Martin Ziegelmüller ist ein Meister des fliessenden, lebendigen Wassers

Der 1935 in Graben bei Herzogenbuchsee geborene Martin Ziegelmüller ist aus Gefühl und Leidenschaft Maler und Landschaftsgestalter auf der Leinwand, aber sein Intellekt strebt nach Wissen, philosophischem Verständnis und ökologischer Sorge um die Natur. Neben einem umfangreichen malerischen Werk in Öl und Aquarell hat er noch Zeit gefunden, packende Bücher zu schreiben und sich gesellschaftspolitisch einzumischen in Kunst und Umweltpolitik.

files/Ziegelmueller3.jpg_013.JPG
Im Gespräch verrät der breit oberaargauisch redende, heute in Vinelz (Seeland) beheimatete Künstler, dass er ein Autodidakt ist. Ein Malermeister habe ihn, den ehrgeizigen Hobbymaler und Bauzeichner-Lehrling gefördert. Bei Cuno Amiet hat Ziegelmüller seine ersten Studien absolviert, doch habe der von Martin verehrte Amiet wenig Gabe gehabt, das Geheimnis guter Malerei dem um 67 Jahre jüngeren Mal-Eleven weiterzugeben. Auf Reisen nach Italien und Frankreich bildete sich Ziegelmüller weiter, besuchte in Paris die Museen und lernte von den alten Meistern.

Faszination Wasser

Martin Ziegelmüller wurde immer wieder von der Aare angezogen. Seit dreissig Jahren arbeitet er mit Motiven von Fluss und Bächen. Bei der Vorbereitung einer grossen Retrospektive für das Kunstmuseum Bern im nächsten Jahr sichtete der Maler seine Werke und musste feststellen, dass er zwar die Aare rund um Bern und im Seeland gemalt habe, jedoch keine Bilder des grossen Flusses rund um seine erste Heimat im Oberaargau. Das hat Ziegelmüller, wie er an der Vernissage seiner Ausstellung im Kuku Rothrist bekennt, im letzten Dreivierteljahr nachgeholt. In der Ausstellung im obersten Stockwerk der alten Spinnerei finden sich denn auch Motive der Aare bei Aarburg und von den von St. Urbans Mönchen angelegten Wässermatten bei Langenthal.

files/Ziegelmueller2.jpg_011.JPG
Früher habe er an Ort und Stelle gemalt und versucht, Flusstiefen und Bachschnellen möglichst authentisch wiederzugeben. Heute malt Ziegelmüller nach langen Spaziergängen und Beobachtungen am Wasser im Atelier und gewinnt durch Grundierung der Leinwand mit brauner, grüner und schwarzer Farbe „einen Fleckenteppich“. Die Lichtreflexe werden erst danach und spärlich gelegt.

Alles fliesst, das Leben geht weiter

Die im Kuku gezeigten grösseren und kleineren Bilder Ziegelmüllers sind Kleinode der Wassermalerei. Da gibt es kein „stilles Wasser“, alles ist am Fliessen. Die Aare murmelt oder braust, die kleinen Bächlein gurgeln, und wer bei Ziegelmüller gut zuhört, der mag das Geschiebe der Steine auf dem Flussboden erlauschen. Der 75-jährige Martin Ziegelmüller möge noch lange den heiligen Wässern seiner Heimat folgen. Und er wird immer neue Motive finden für eine auch Laien gut verständliche, solide und perfekte Malweise, die das Schöne zeigt, ohne in Heimatstil zu verfallen.

files/Ziegelmueller1.jpg_002.JPGMartin Ziegelmüller mit seinen Wasserbildern

Bis 15. Mai in der Galerie KUKU
Kunst und Kultur in der Alten Spinnerei
(etwas ausserhalb Rothrist in Richtung Murgenthal, Bern)
Freitag 17 bis 21 Uhr
Samstag/Sonntag 14 bis 18 Uhr
Auffahrt 13. Mai 14 bis 18 Uhr.


 

Kommentare

Bild des Benutzers etna

Martin Ziegelmüller und seine Wasserbilder

Das kann ich nachempfinden, dass ihn das Wasser so gefangen genommen hat. Wasser empfinde ich auch als etwas Faszinierendes, ja geradezu "Heiliges" wenn man diesen Ausdruck so verwenden kann. Schade, dass ich nicht zu dieser Ausstellung reisen kann.

 Die beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht angleichen. (Marc Aurel)