Ein Witzbold hat einmal das Gehirn als Organ bezeichnet, «mit dem wir denken, dass wir denken.» Noch vor etwa zehn Jahren galt es als das grösste unerschlossene Gebiet der Erde. Doch in den letzten zehn Jahren haben die Neurowissenschaftler mehr darüber herausgefunden, als im ganzen Jahrhundert davor, wie man anlässlich der Woche des Gehirns im vergangenen März anhand von Vorträgen und Fotoausstellungen erfahren konnte. Beeindruckend vor allem ist die enorme Anpassungs- und Lernfähigkeit unseres Denkapparats mit seinen mehr als 100 Milliarden Nervenzellen. Erfreulich ist auch die Erkenntnis, dass seine Leistung mit dem Alter bei weitem nicht so stark abnimmt wie früher vermutet und dass das Gehirn in viel höherem Ausmass als früher angenommen in der Lage ist, sich selbst zu reparieren.
Nun ist das neue Wissen kompakt zusammengefasst worden und wird auf einer mehrmonatigen Tour durch die Deutschschweiz und Romandie der Öffentlichkeit in einem Brain Bus präsentiert (Fahrplan unter www.brainbus.ch). Geht mit dem Alter das Gedächtnis verloren? Welche Krankheiten und Störungen hängen mit dem Gehirn zusammen? Welche Fähigkeiten lassen sich mit welchem Spiel trainieren? Wie funktioniert der Gehörsinn? Die Wanderausstellung liefert Antworten. Aber hier gibt es nicht nur Poster zu betrachten, zum Beispiel über neue Therapien zur Behandlung von Krankheiten, die mit Funktionsstörungen des Gehirns zusammenhängen wie Multiple Sklerose oder Parkinson oder Alzheimer. Gehirnexponate, Modelle und Querschnitte zeigen den Aufbau des Gehirns. Eine Multimedia-Plattform regt zum interaktiven Denken und Spielen ein, optische Täuschungen werden gezeigt, man kann Gerüche erraten, erschmecken oder Töne hören und sich die Verarbeitung der Sinneseindrücke erklären lassen.
Auf einer labilen Gleichgewichtsplatte kann man den eigenen Gleichgewichtssinn testen und erfahren, wie viel schwieriger es ist, Gleichgewicht auszubalancieren, wenn die Augen durch einen Film abgelenkt oder gar geschlossen sind. Ein Experiment, das möglicherweise auch nützlich ist, um das eigene Sturzrisiko im Seniorenalter besser einschätzen zu können.
Ein so genannter «Eye checker» registriert, welche Stellen der Betrachter eines Bildes auf dem Monitor mit seinen Augen nacheinander fokussiert (zuerst die Augen einer Person, dann das Haar, oder gleich der Busen?) und vergleicht das individuelle Blickverhalten mit dem anderer Betrachter. Das mit den Augen anzusteuernde Gerät ist kein Spielchen, sondern dient seit etwa neun Jahren Behinderten, zum Beispiel Tetraplegikern, zur Bedienung ihres wichtigsten Kommunikationsmittels nach aussen, des Computers.
Die Wanderausstellung ist von verschiedenen Neurowissenschaftlern zusammengestellt worden unter der Trägerschaft der «Association Decade of the Brain in Switzerland» (Professor Pierre Magistretti, ETH Lausanne). Sie soll nicht nur Schulklassen, sondern eine breite Öffentlichkeit ansprechen und das Interesse an einem Wunderorgan in unserem Körper wecken, dessen Fähigkeit und Komplexität bisher von keiner Maschine übertroffen wurde.
|
|
Twittern |