Kultur

Mai-Gedicht: Mai (Anton Wildgans)

Mai-Gedicht: Mai (Anton Wildgans)

"In allen Gärten blüht der Mai..."
Anton Wildgans Mai In allen Gärten blüht der Mai
Die Sonne steht in seinem Solde,
der Himmel, blau und wolkenfrei,
Ist ganz durchwirkt von ihrem Golde.

Die alten Häuser in der Stadt
Lächeln mit blinkenden Fassaden,
Und seine weisse Plache hat
der allerkleinste Krämerladen.

Und in den Strassen bunter Schwarm
In leichten, lichten Frühlingstrachten,
Die ganze Welt geht Arm in Arm
Und will vor lauter Lust verschmachten.

Was tatst denn du die lange Frist,
Mensch mit den bleichen Wangen,
Der du verschneit gewesen bist,
Was tatst du denn die lange Frist,
Um diesen Frühling zu empfangen?
 (Aus: Buch der Gedichte, 1929) Anton Wildgans, geb. 17.4.1881 in Wien, gest. 3. Mai 1932 in Mödling/NÖ, sozialkritischer österreichischer Lyriker und Dramatiker. War in seinem Todesjahr für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen.