Kultur

Zum Tod der Filmlegende Dennis Hopper

Zum Tod der Filmlegende Dennis Hopper

Born To Be Wild: Mit dem Kultfilm „Easy Rider“ wurde er weltberühmt…

„Schon als Junge hatte Dennis Hopper eine deutliche Vorstellung, was er werden wollte; ein Genie – Rimbaud, Van Gogh, Jesus oder etwas in der Art, oder auch Billy The Kid“, schrieb „Der Spiegel“ zu seinem Tod am 29. Mai dieses Jahres.“Der Schauspieler war einer der kreativsten und egozentrischsten Stars der Traumfabrik.“ Die Filmografie von Dennis Hopper ist lang: In weit über 150 Filmen hat er mitgewirkt.Oft auf die Weise als würde Dennis Hopper in seinen Streifen sein eigenes Leben kommentieren.Auf Anerkennung für sein Lebenswerk liess man ihn lange warten. Doch am 25. März dieses Jahres wurde der US-Star-Schauspieler mit dem Stern auf  Hollywoods berühmten „Walk Of Fame“ geehrt. Der nur noch 45 Kilogramm leichte und von seiner Krankheit schwer gezeichnete Filmstar nahm sie in Gegenwart seiner Familie mit dankbaren Worten entgegen. Zugegen war auch die in Scheidung begriffene Frau Victoria Duffy und seine sechsjährige Tochter Galen sowie viele Freunde, darunter auch Filmpartner und Seelenverwandter Jack Nicholson.

Der Durchbruch gelang 1969

Wer mag sich – rückblickend -  nicht an die packenden „Easy Ride“-Szenen erinnern, die man erstmals 1969 staunend zu verkraften hatte? Zur Ikone wurde er durch diesen Kultfilm der Hippie-Generation. Dennis Hopper, Hauptdarsteller und Debütregisseur, feierte mit seinem legendären, nur 400`000 Dollar teuren Low-Budget-Roadmovie - gedreht zusammen mit den Schauspielerkollegen Peter Fonda und Jack Nicholson - seinen ersten grossen Triumph. Der von Rockmusik und dem Songtitel „Born To Be Wild“ untermalte Motorrad-Western über langhaarige Hippies, die bei ihrem Trip durch die USA von „Rednecks“ und Polizisten drangsaliert wurden, beflügelte nicht nur die Karrieren der Schauspieler, sondern auch die Verkaufszahlen von Harley Davidson. Der Kultfilm galt als Ausdruck des Lebensgefühls einer gegängelten und vom Vietnamkrieg traumatisierten Jugend. Mit dem Streifen erfand Dennis Hopper das amerikanische Kino neu: New Hollywood, Kino nämlich, das auf die Strasse ging und zu dem er zugleich drei neue Helden gefunden hatte. Dennis Hopper war ein Mann, der sich die Freiheit nahm, einfach frei zu sein. War er ein Rebell? Nicht wirklich, denn der „Easy Rider“-Regisseur, stellte den Filmbetrieb mit geradezu puritanischer Pflichtversessenheit auf den Kopf. 

Damals stand Dennis Hopper vor einer steilen Karriere, doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Hopper galt auch weiterhin als Exzentriker und seine nächste Regiearbeit „The Last Movie“ erntete durchwegs schlechte Kritiken. In den siebziger und teils achtziger Jahren hatte er aus diesem Grund fast keine kommerziellen Erfolge zu verbuchen, was er aber keinesfalls bedauerte. Er drehte viel in Europa, kam auch nach Deutschland, lernte dort den Filmemacher Wim Wenders kennen, mit dem er „Der amerikanische Freund“ drehte. Hopper begann ein wildes Leben mit Alkohol und Drogenexzessen, versank darin mit allen paranoiden Nebeneffekten und landete Anfang der achtziger Jahre in der Psychiatrie.

Zuflucht in der bildenden Kunst gefunden

Er war ein störrischer Querkopf von Anfang an, im Leben wie im Film „Denn sie wissen nicht was sie tun“(1955) und „Giant“ (1956), gedreht mit seinem Freund James Dean. Zwei aus der amerikanischen Mittelschicht, die aufbegehrten mitten der fünfziger Jahre. Privat verband sie beide die Leidenschaft für schnelle Autos und Motorräder. Deans Unfalltod im Jahr 1955 bezeichnete Dennis Hopper später als erste Tragödie in seinem Leben. In Hollywood hatte er sich mit seinen Gefühlsausbrüchen eine vielversprechende Filmkarriere verscherzt, die an der Seite James Deans begann und 1958 auf Hollywoods „Schwarzer Liste“ der unbequemen Regisseure endete. Als eigenwillig und wegen Ungehorsam bekannt, bekam er weder Rollen noch Geld für eigene Projekte und konnte von 1961 bis 1968 keine Filme drehen. In dieser Zeit fand er letztlich Zuflucht in der bildenden Kunst, Malerei und Fotographie wurden sein zweites Leben. Dabei experimentierte Hopper mit Pop Art genauso wie mit Action Printing. Zwar als Autodidakt agierend, war er aber mehr als ein Hobbymaler, vor allem kannte er sich in der Kunstgeschichte bestens aus. Kurt Schwitters und Jackson Pollok waren seine Vorbilder. Dennis selbst bezeichnete seine Malerei als abstrakten Expressionismus.Viele dieser Arbeiten entstanden in schwierigen Zeiten als er keine Arbeit als Regisseur und Schauspieler bekam, er depressiv war und er dachte, nie mehr kreativ als Schauspieler und Regisseur arbeiten zu können. Einsamkeit war ein damaliger Begleiter in Dennis Hoppers von Schmach gebeuteltem Dasein. In diesen Zeiten  ist er immer wieder zur Malerei zurückgekehrt. Das photographische Werk ist mit dem Leben Hoppers verbunden. In den sechziger Jahren pflegte er engen Kontakt zu Künstlerkreisen, kannte Ike und Tina Turner, Andy Warhol oder Roy Lichtenberg und Paul Newman. Seine Arbeiten werden mittlerweile weltweit ausgestellt. „Meine Werke öffentlich auszustellen, ist für mich wunderbar“, sagte er in einem Interview, „und es macht mich nicht hochmütig, im Gegenteil, demütig.“

Sadistisch und gewalttätig

Demut ist zwar keine Tugend von Dennis Hoppers Filmfiguren, die zeichnen sich vielmehr durch Gewalt und Wahnsinn aus wie in David Lynchs „Blue Velvet“ (1986) mit Partnerin Isabella Rosselini, der gestern Sonntag endlich wieder im Fernsehen auf TELE 5 zu sehen war. Da spielt Hopper einen sadistischen, asthmatischen Psychopaten und Frauenschänder mit Mutterkomplex, einer, der nicht lieben kann, ohne gleichzeitig zu quälen. Dies in einer auf ihn massgeschneiderten Rolle, in der er unbestritten eine Meisterleistung vollbringt. Bereits 1979 trat er im Vietnamfilm „Apocalypse Now“ auf und zog - nach einem längeren Aufenthalt in einer Entzugsklinik, von Texas nach Los Angeles und war in den Folgejahren in mehreren Hollywood-Produktionen zu sehen – meist in Nebenrollen. Mit Francis Coppolas „Rumble Fish“ kam Dennis Hopper 1983 wieder ins Geschäft. 1988 erreichte er mit seiner Regiearbeit „Colors – Farben der Gewalt“ - erstmals seit „Easy Rider“ - wieder ein breiteres Publikum. Für den Film „Freiwurf“ (Hoosiers) wurde er für den Oscar nominiert. Sein bekanntester Streifen heisst „Speed“ (1994), in dem Dennis Hopper den psychopatischen Verbrecher Howard Payne spielt, der einen Bus in die Luft jagen will. Doch das war nur eines von rund 50 Projekten, an denen Hopper allein in den 1990er-Jahren mitwirkte.

„Glauben Sie, dass Ihre Ausstellung auch von Ihrer Person als Filmstar lebt?“, fragte ihn ein Reporter 2001 anlässlich seiner Art-Show in Wien. „“Ich bin kein Filmstar. Ich bin Filmschauspieler. Ich spiele meistens den zweiten oder dritten Kerl, oft einen Bösen, manchmal sterbe ich schon im zweiten Akt“, antwortete Dennis Hopper bescheiden. Jetzt, nur neun Jahre später, ist seine Schauspielerei zwar beendet; ein ganz grosser Künstler und Leinwandstar ist tot. Doch da wird Dankbarkeit verspürt, dafür, dass wenigstens seine Filme bleiben.

Nur 74-jährig erlag Dennis Hopper seinem langjährigen Krebsleiden, zu Hause im kalifornischen Venice bei Los Angeles. Er war hatte 4 Kinder aus fünf Ehen. Dennis Hopper, der am 17. Mai 1936 in Dodge City, Kansas geborene Farmersohn – ein „junger Wilder“, eher von kleiner Gestalt, wurde Schauspieler, war Maler, Fotograf, Kunstsammler und Lebenskünstler in einem. Er galt zeitlebens als schwierig, unbequem und war ein Einzelgänger. Doch Freunde, die ihn vermissen werden, hatte er dennoch genug. Als Hollywoodstar Dennis Hopper am 2. Juni in New Mexico in einen schlichten Holzsarg gebettet, beerdigt wurde, kamen zahlreiche prominente Kollegen und Filmfreunde, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Denn wie  kein anderer schaffte er es aus jeder seiner Rollen, auch der kleinsten, eine zentrale Rolle zu machen und aus jedem Film einen Dennis Hopper Film! Er zwar zweimal für den Oscar nominiert und galt vielleicht als prominentester Anti-Star der Welt. „Ich war ein Bohemien, dann ein Beatnik, danach ein Hippie, später ein Punk, schliesslich ein Yuppie“, so umschrieb er seine Lebensstationen. Doch in Wim Wenders Psychodrama „Palermo Shoothing“ (2008) verkörpert er den Tod, einen existenziell bedrohten Fotografen zwischen Realität und wahnhaften Visionen; eine Story um das Leben, die Liebe und das Sterben. Es sollte Dennis Hoppers letzte Rolle sein. Die Aehnlichkeiten innerhalb der Handlung könnten akkurat –  als Nachruf gesehen - sein unstetes Leben widerspiegeln...

Foto: Dennis Hopper, eine Hollywoodlegende (Wikipedia)