Kultur

Juli-Gedicht: Sommer (Annette von Droste-Hülshoff)

Juli-Gedicht: Sommer (Annette von Droste-Hülshoff)

ausgewählt von Laura Weidacher

Annette von Droste-Hülshoff

Sommer

Du gute Linde, schüttle dich!
Ein wenig Luft, ein schwacher West!
Wo nicht, dann schliesse dein Gezweig
So recht, dass Blatt an Blatt sich presst.

 

Kein Vogel zirpt, es bellt kein Hund;
Allein die bunte Fliegenbrut
Summt auf und nieder übern Rain
Und lasst sich rösten in der Glut.

 

Sogar der Bäume dunkles Laub
Erscheint verdickt und atmet Staub.
Ich liege hier wie ausgedorrt
Und scheuche kaum die Mücken fort.

 

O Säntis, Säntis! läg’ ich doch
Dort, - g rad’ an deinem Felsenjoch
Wo sich die kalten weissen Decken
So frisch und saftig drüben strecken,
Viel tausend blanker Tropfen Spiel;
Glücksel’ger Säntis, dir ist kühl!

 

 

 

Annette von Droste-Hülshoff,(geb. 1797 auf Burg Hülshoff in Nordrhein-Westfalen; gest. 1848 in Meersburg am Bodensee (von wo aus sie zum schweizerischen Säntis hinübersehen konnte!), bedeutende deutsche Dichterin.

 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_von_Droste-Hülshoff

 

www.droste-gesellschaft.de/