Gesellschaft

Ältere Autolenker/innen stigmatisieren?

Ältere Autolenker/innen stigmatisieren?

Polemisch aufgezogene Falschmeldung sorgt für Aufregung.
Autor: 
Thomas Meyer, Redaktion terzMagazin

Vor wenigen Wochen sorgte die polemisch aufgezogene Falschmeldung  in der Sonntag MZ Gesamtausgabe für verständliche Aufregung: Alle über 70-Jährigen sollten den Führerausweis nur noch auf zwei Jahre beschränkt erhalten. Seit 34 Jahren muss sich in der Schweiz jede/r nach dem 70. Geburtstag erstmals und dann alle zwei Jahre einer ärztlichen Kontrolluntersuchung unterziehen. Dabei wird untersucht, ob die medizinischen Mindestanforderungen erfüllt sind, sodass die Fahreignung dieser älteren Person noch gegeben ist.

Wer aus medizinischen Gründen, wegen körperlicher oder kognitiver Einschränkungen nicht in der Lage ist, ein Auto sicher zu beherrschen, der darf nicht am Strassenverkehr teilnehmen. Zu dieser Position steht die terzStiftung unverändert. Aber das hat nichts mit einer willkürlichen Alterslimite zu tun.

Länger gesund als je zuvor

Wenn wir uns die demographischen Daten ansehen und gezielt das Alter in den Blick nehmen, dann fällt auf: 1976 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes bei Geburt 71,7 Jahre. Heute beträgt sie knapp 80 Jahre. Für Frauen sind die Vergleichszahlen 78,1 und 84,4 Jahre. Warum ist die erste Überprüfung der Mindestanforderungen für die Fahrtauglichkeit nicht mit der zunehmenden Lebenserwartung um 6 oder 8 Jahre nach oben verschoben worden? Wir leben heute nicht nur länger, wir sind auch länger körperlich und geistig gesund als je zuvor. Da macht es keinen Sinn, von einer Krankheitsvermutung auszugehen. Wenige Prozent der 70- bis 80-Jährigen sind chronisch krank oder leiden unter kognitiven Einschränkungen wie etwa Demenz. Warum ist die „Verkehrszulassungsverordnung" an diese unbestreitbaren Sachverhalte nicht angepasst worden?

Die Altersgruppe der 70- bis 74-jährigen Lenker hat zwischen 1992 und 2004  pro Jahr 26 tödliche Verkehrsunfälle verursacht, die Altersgruppe der 20- bis 24-jährigen Lenker 138. Diese Zahlen decken einen längeren Zeitraum ab und betrachten vergleichbar grosse Gruppen. Die in der Sonntag MZ Gesamtausgabe veröffentlichte Zahl von 72 tödlichen Unfällen im Jahr 2008 durch über 70-jährige Automobilisten ist schlicht falsch. In dieser Zahl wurden Fussgänger und Lenker über 70 addiert, was ein völlig falsches Bild ergabt. Jeder Verkehrstote ist eine persönliche Tragödie. Die  „Hetzkampagne“ in den Medien gegen Seniorenlenker ist jedoch skandalös und diskriminierend.

Forderungen der terzStiftung

  • Wir sind gegen Ungleichbehandlung und Diskriminierung, jedoch für generationenverträgliche Lösungen.
  • Wir fordern eine Anpassung nach oben der bestehenden Alterslimite. Gestiegene Lebenserwartung, verbesserter Gesundheitszustand der Bevölkerung und die durch Sensorentechnik erhöhte aktive Sicherheit moderner Autos müssen berücksichtigt werden.
  • Die terzStiftung verlangt möglichst einheitliche, faire medizinische Untersuchungen – in allen Kantonen gleichermassen.
  • Die umliegenden Länder kennen diese Auflagen nicht. Dadurch kommt es im internationalen Verkehr zur Ungleichbehandlung.
  • Die Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands muss auch weiterhin durch den Hausarzt möglich sein. Das Argument des Gefälligkeitszeugnisses ist nicht haltbar. Damit wird den Hausärzten unterstellt, dass sie Falschaussagen machen.
  • Die terzStiftung appelliert, dass mehr über Anreize als über Auflagen und Bestrafung nachgedacht wird.

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Dr. Thomas Meyer, Redaktion terzMagazin