Vor ziemlich genau einem Jahr beherrschte ein Thema die Schlagzeilen in den Medien: Die Schweinegrippe. Die Medien überboten sich in Schreckensszenarien. Die Schweinegrippe kam dann auch, verlief aber relativ harmlos. Auf jeden Fall harmloser als die jedes Jahr wiederkehrende saisonale Grippe.
Seit Wochen liest man hierzulande keine Zeile mehr über die Schweinegrippe. Sie ist vergessen, aber keinesfalls verschwunden, wie aus dem nachfolgenden Interview mit Heinrich Lehmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Gesundheit BAG, hervorgeht.
Kein „Schwein“ interessiert sich mehr für die Schweinegrippe. Weshalb? War es einfach ein „Medienhype“?
Das Interesse der Öffentlichkeit für ein Thema erlischt gewöhnlich, wenn die Medien dieses fallen lassen. Sowohl die WHO wie auch das BAG haben versucht, immer sachlich korrekt zu informieren. Der „Medienhype“ wurde, der Begriff sagt es, durch die Medien selbst verursacht. Die Fachwelt interessiert sich dagegen sehr wohl immer noch für den Erreger. So scheint die „Schweinegrippe“ nur oberflächlich betrachtet ähnlich einer saisonalen Grippe zu sein; tatsächlich existieren jedoch gravierende Unterschiede und besondere Eigenschaften, welche die angewandten Strategien während der Pandemie rechtfertigen und weiterhin zur Vorsicht mahnen.
Die Schweinegrippe war, entgegen allen Prognosen, insgesamt ziemlich harmlos. Haben wir, speziell in der Schweiz, nochmals „Schwein“ gehabt?
Abgesehen von den zu beklagenden Opfern haben wir alle, und nicht nur in der Schweiz, tatsächlich Glück gehabt. Es gibt keinen Grund, weshalb die Entwicklung der Pandemie nicht auch ganz anders hätte verlaufen können.
Wie verlief aufgrund Ihrer Erfahrungen die Schweinegrippe speziell bei älteren Menschen, wo man gesagt hat: Geringeres Ansteckungsrisiko, höheres Komplikationsrisiko?
Ja, die Statistiken zeigen etwa diese Verhältnisse. Die saisonale Grippe belastet bekanntlich vor allem Kinder unter 5 und Erwachsene über 65 Jahren. Bei der pandemischen Grippe war dies völlig anders. 75% der Erkrankten sind jünger als 30, nur 3% älter als 65 Jahre.
Und wie sieht’s für den kommenden Winter aus? Gibt die Schweinegrippe ein Comeback?
Man kann davon ausgehen, dass die Erreger der „Schweinegrippe“ nicht einfach verschwinden und in der nächsten Zukunft als saisonale Grippeviren in Erscheinung treten werden. Verlässliche Vorhersagen für die kommende Grippesaison sind jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu machen.
Wie sollen sich ältere Menschen verhalten im Hinblick auf Schweinegrippe und auf saisonale Grippe 2010/2011?
Der für die nächste Grippesaison geplante Impfstoff schützt gegen das pandemische Grippevirus. Das BAG empfiehlt wie bisher eine Impfung für Risikogruppen und ältere Personen: http://www.bag.admin.ch/influenza/01118/01121/index.html?lang=de
Noch etwas Grundsätzliches-Philosophisches: Die Warnungen vor irgendwelchen grossen Katastrophen häufen sich in den letzten Jahren, und bis jetzt kam es immer weniger schrecklich heraus als in den Medien und von vielen Experten vorausgesagt. Besteht nicht die Tendenz in unserer Gesellschaft, dass der Teufel zu sehr an die Wand gemalt wird (auch bei der Schweinegrippe)? Stumpfen solche sich häufenden Horrorvoraussagen die Menschen nicht derart ab, dass sie, wenn es dann wirklich einmal ernst werden sollte, die Botschaft gar nicht mehr glauben?
Vor diesem Problem stehen wir tatsächlich. Es ist für uns und für die ganze Gesellschaft eine grosse Herausforderung, die Problemfelder zu bestimmen und die gewonnenen Erkenntnisse wirksam umzusetzen, vor allem auch im Bereich der Kommunikation.
Problembewusstsein und Wahrnehmung des Einzelnen sind allerdings Eigenschaften, die weitgehend vom individuellen Wissen und der persönlichen Erfahrung abhängig und deshalb nicht einfach steuer- oder veränderbar sind. Die Fähigkeit, Informationen zu bewerten, ist in unserer Informationsgesellschaft unverzichtbar geworden für jene, die Informationen nicht einfach „glauben“ wollen, sondern die verstehen wollen, worum es eigentlich geht.
Die Pandemie der Panikmacher
Die Schweinegrippe ist ein Schulbeispiel dafür, wie die heutigen Medien funktionieren und gewichten. Statt sachlich zu informieren, machen die Medien auf Panik. Und auch die Tendenz, Non-Events (das war die Schweinegrippe sicher nicht!) bis zum Geht-nicht-mehr aufzublasen, bringt es mit sich, dass man die Medien je länger desto weniger ernst nimmt. Das heisst aber: Sie sind immer weniger glaubwürdig - eine verhängnisvolle und auch sehr besorgniserregende Entwicklung.
Bild: Ernst Rose / pixelio.de
Mitarbeit: Rita Amalin Surber
Ich hätte mich gern gegen die Schweinegrippe geimpft; aber als meine Hauärztin mich anrief, um mir mitzuteilen, dass der Impfstoff nun verfügbar sei, lag ich schon mit 39 Grad Fieber im Bett; jetzt würde ich den Impfstoff nicht mehr brauchen, teilte ich der Ärztin mit (gegen die "normale" Gruppe war ich schon seit anfangs Oktober geimpft). Der Verlauf der Schweinegrippe bei mir folgte dem Motto: Kurz, aber heftig. Nach vier, fünf Tagen war die Sache ausgestanden. Und immun bin ich jetzt erst noch. Aber ein Witz war die Beschaffung und Verteilung des Impfstoffs in der Schweiz schon. Wenn mal wirklich eine schlimme Pandemie ausbricht, möchte ich der "Effinzienz" dieser Behörde nicht ausgeliefert sein!
mich als gewöhnliche zeitungsleserin, taugesschau sehende, beeindruckte vor allem der umfang dieser feuerwehrübung“. Denn, dass es einen ernstfall geben könnte, das war und ist nicht von der hand zu weisen. Da musste man halt möglichst unterscheiden zwischen diesen und jenen berichten. Ich bin überzeugt, dass sie sinn machte und die lehren dazu im nachhinein gezogen sind.
Da ich über ein stabiles Immunsystem verfüge, fällt es mir leicht, eine gewisse Distanz zur Impfhysterie zu halten. Ich verzichte grundsätzlich auf alle Impfungen, die nicht dringend notwendig sind, und mein Hausarzt unterstützt mich darin.
Ich war während den Alarmrufen über die Schweinegrippe sehr besorgt darüber, dass sich meine Schwiegertochter, die ein Kind erwartet hat, und meine Tochter mit ihren zwei Kleinkindern sorglos impfen liessen, denn die Folgen der Impfung waren ja nicht restlos geklärt.
Wäre ich kränklich, so würde mir das Distanz halten wohl schwerer fallen, und ich wäre auf Gedeih und Verderb auf die Empfehlungen der Fachleute angewiesen, die diesmal so ins Leere führten. Diese Fehlinformationen werde ich wohl nicht so rasch vergessen, und sie werden mein Verhalten für den Rest meines Lebens prägen.
Profitiert hat von dieser Schweinegrippe einzig und allein die Pharmaindustrie, und die hat eben eine starke Lobby.
Die Zeitungen brauchen Auflagen (Leser) Radio und Fernsehen Quoten für Zuhörer oder Zuseher, in diesem Umfeld gedeihen solche Angst und Panikmache hervorragend!
Die nächste(n) Umsatzträchtigen Aktionen kommen bestimmt.
Horst Gafner
Nicht kleinreden
Als ich Mitte September 2009 schlagartig erkrankte und den Hausarzt telefonisch kontaktierte, erfuhr ich, dass ich keinesfalls in die Praxis kommen solle, sondern unbedingt eine Woche zuhause bleiben und dies nur für das Nötigste verlassen könne. In meinem Fall waren das die regelmässigen Hundespaziergänge und das Aufsuchen der Apotheke. Er sagte mir auch, welche freierhältlichen Medikamente ich nehmen solle.
Ich befolgte seinen Rat und tatsächlich nach einer Woche war das Gröbste ausgestanden. 5 Wochen später hat es mich nochmals so richtig erwischt und diesmal musste ich nicht anrufen - sondern blieb wieder eine Woche "im Ausstand". Ich bin pensioniert und arbeite teilzeitlich in Alters- und Pflegeheimen, möchte keinesfalls ein Risiko darstellen für Bewohner oder Pflegepersonal!
Ich liess mich trotzdem für beide Grippen impfen, als dann der Impfstoff endlich zur Verfügung stand. Man sollte diese Erkrankung nicht klein reden, denn für alle Betroffenen (ich meine jetzt die Todesfälle) war das ein schwerer Schlag.
Um rauszufinden, ob ich nun tatsächlich die Schweinegrippe gehabt hatte, hätte ich den teuren Test, der selber bezahlt werden muss, machen müssen. Darauf habe ich verzichtet.Ich hatte 2x eine schwere Grippe - egal welcher Grippenstamm - und ich hoffe sehr, dass sich das nicht wiederholt!