Bild oben: Glückliche Urgrossmutter
Am 11. Mai 2010 hat Dr. Markus Leser im Namen der CURAVIVA der Öfffentlichkeit die "Charta der Zivilgesellschaft zum würdevollen Umgang mit älteren Menschen" vorgestellt.
Seniorweb wollte mehr wissen über diese Charta und fragte Dr. Markus Leser:
Herr Dr. Leser, was kann denn eine Charta bewirken?
Die Charta ist ein Weckruf, eine Aufforderung an die Gesellschaft, Politik und Behörden, sich mit den dringlichsten Fragen des langen Lebens im Allgemeinen und in der Langzeitpflege im Besonderen auseinander zu setzen. Sie bildet eine Diskussionsbasis für die Politik und Öffentlichkeit, über Fragen zum Alter und Altern nachzudenken.
Welche Ziele wollen Sie mit dieser Charta erreichen?
Wir möchten damit eine Debatte auslösen, die sich mit wichtigen Fragen rund um das Alter und Älterwerden und das Zusammenleben der Generationen auseinandersetzt - mit Solidarität zwischen den Generationen und dem Respekt gegenüber älteren Menschen. Mit der Charta wollen wir erreichen, dass wir die Augen vor dem Alter nicht verschliessen und hinsehen, wo zu oft weggesehen wird.
Warum tritt ausgerechnet CURAVIVA mit einer Charta für einen würdevolleren Umgang mit älteren Menschen ein? Als Ausbildnerin von Pflegepersonal steht CURAVIVA in einer Schlüsselposition und hat die Möglichkeit, die Probleme direkter anzugehen und die Fachleute so auszubilden, dass sie die Würde der Alten respektieren.
In der Charta sprechen wir nicht nur das Pflegepersonal in Alters- und Pflegeheimen an, sondern auch die Politik und die Öffentlichkeit. Es geht um eine fortlaufende Überprüfung unseres Umgangs mit älteren Menschen, und da ist die ganze Gesellschaft gefordert.
CURAVIVA hat in diesem Projekt den Lead übernommen, da wir in unserer täglichen Arbeit in erster Linie mit Themen wie Qualitätssicherung, Personalnotstand, Kostendruck im Gesundheits- uns Sozialwesen und mangelnde Wertschätzung gegenüber dem Pflegepersonal und den alten Menschen konfrontiert sind. Zusammen mit den sieben Partnerorganisationen wollen wir aber, dass auch über die lebenslange Würde des älteren Menschen und die Wertschätzung gegenüber den Personen, die in der Betreuung und Pflege arbeiten, gesprochen wird
Geht es in dieser Charta vor allem um Langzeitpflege in Pflegeorganisationen und Heime?
Nein, es geht um den würdevollen Umgang mit älteren Menschen, ob sie in Pflegeheimen oder zu Hause leben. Man verliert nicht plötzlich die Würde, nur weil man alt und eventuell noch dement ist.
Auch scheint es weniger um ein negatives Bild von älteren Menschen als um die Frage der Pflegekosten und den Mangel an Pflegepersonal zu gehen. Sind diese durchaus berechtigten Anliegen in dieser Charta nicht falsch verpackt?
Wir wollen mit der Charta dem negativen Bild entgegenwirken, das zu oft von älteren Menschen gezeichnet wird. Gleichzeitig will die Charta, dass die sehr anspruchsvolle Arbeit mit hochbetagten Menschen mehr gesellschaftliche Wertschätzung erhält.
Sieben Institutionen habe die Charta bis heute mitunterzeichnet. Wie geht es weiter?
Rund 1500 Alters- und Pflegeheime sowie ausgewählte Politiker/-innen und andere haben die Charta erhalten. In der Zwischenzeit wurden mehr als 10'000 Exemplare von Heimen, den Partnerorganisationen und interessierten Personen bestellt.
Die Charta wird an verschiedenen Regionaltreffen in Alters- und Pflegeheimen der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt und mit lokalen Politikern diskutiert. An diesen Anlässen stehen das Pflegepersonal sowie die Bewohner/-innen klar im Mittelpunkt.
Die Thesen und Forderungen der Charta werden nächstes Jahr in verschiedenen Tagungen immer wieder aufgenommen und thematisiert.
Wird die Charta auf politischer Ebene behandelt?
Die Nationalrätin Bea Heim unterstützt die Charta und setzt sich sehr stark für das Thema Alter und Pflegepersonal ein. Aktuell hat sie drei Motionen im Parlament platziert.
Was empfehlen Sie unseren Leserinnen und Lesern, den älteren Menschen, um Ihr Anliegen zu unterstützen?
Das Alter darf kein Tabuthema sein, es ist wichtig, dass offen darüber gesprochen wird. Nicht nur die fitten, gesunden und gestylten Alten sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft, sondern auch die hilfe- und pflegebedürftigen Menschen, denn niemand verliert jemals die persönliche Würde. Wir werden alle alt, wie, das wissen wir nicht.
Herzlichen Dank für das Interview, Herr Dr. Leser. Wir wünschen der Charta viel Erfolg.

Charta der Zivilgesellschaft zum würdevollen Umgang mit älteren Menschen.
Text im Anhang oder zu bestellen bei:
Eveline Hirsbrunner, CURAVIVA Schweiz/Fachbereich Alter, e.hirsbrunner@curaviva.ch