2 Milliarden Franken das Enkelhüten, 3 Milliarden das Pflegen von Verwandten oder Bekannten.

Ihr Einsatz beginnt am Sonntagabend. Die Grosseltern nehmen die kleine Sara bei sich zu Hause in Empfang. Manchmal setzen sich die Eltern noch an den Tisch, die ganze Familie isst zusammen, tauscht sich aus. Dann reibt sich Sara die Augen, wird ins Bett gebracht. Die Eltern gehen. Montag heisst für sie Büro. Für Sara ist der Montag der Grossmuttertag. Erst am Abend wird sie Mama und Papa wieder in die Arme schliessen.
Sara und ihre Grosseltern sind keine Ausnahme: Trotz vieler neuer Krippen und Horte in der Schweiz spielen die Verwandten und besonders die Grossmütter beim Kinderhüten nach wie vor eine wichtige Rolle. Mehr als die Hälfte der Eltern, die ihre Kleinen regelmässig von Dritten betreuen lassen, greifen laut Bundesamt für Statistik auf die Omas zurück. Erst bei höherem zeitlichem Hütebedarf von über einem Tag pro Woche werden institutionalisierte Angebote wie Krippen oder Tagesmütter wichtiger.
Wichtig gerade auf dem Land
«Grosseltern springen nicht nur tatkräftig ein, wenn eine Betreuungsperson krank wird, ein weiteres Kleines auf die Welt kommt oder die Eltern einmal Ferien von der Familie brauchen», erklärt Heidi Stutz, Bereichsleiterin Familienpolitik beim Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) in Bern. «Gerade auf dem Land, wo die Krippendichte noch nicht so hoch ist, oder bei unregelmässigen Arbeitszeiten der Eltern füllen sie auch Betreuungslücken.»
Für die Grosseltern sprechen schliesslich die Kosten: Oma und Opa arbeiten meist gratis, während Kindertagesstätten hierzulande verglichen mit dem Ausland sehr teuer sind - vor allem für den Mittelstand, der nicht von subventionierten Krippenplätzen profitiert. Bei so hohen Ausgaben lohnt es sich für viele Mütter kaum, Vollzeit zu arbeiten, wie die St. Galler Professorin Monika Bütler untersucht hat. Wer seine Verwandten beim Kinderhüten nicht einspannen kann, muss sich ab dem zweiten Kind auch ernsthaft fragen, ob es sich noch auszahlt, im Arbeitsmarkt zu bleiben.
Pflegen bis ins hohe Alter
Würden die Grosseltern für ihre Betreuungsarbeit nach Marktpreisen entlohnt, wären sie reich: Das BASS und der Zürcher Soziologe François Höpflinger schätzen den Wert des Gratis-Hütens durch die Grosseltern auf insgesamt 2 Milliarden Franken pro Jahr. Sie gehen von rund 100 Millionen Betreuungsstunden aus. Dabei leisten nach Expertin Stutz die Grossmütter vor ihrem 65. Altersjahr den grössten Zeiteinsatz - selbst wenn sie daneben noch Teilzeit arbeiten. Doch auch zwischen 64 und 74 Jahren betreut gemäss dem Bundesamt für Statistik noch über jede fünfte Frau ihre Enkel. In der Schweiz werden die Frauen etwa Mitte 50 erstmals Grossmutter - und so hüten 13,1 Prozent aller ab 50-jährigen Frauen regelmässig unentgeltlich verwandte Kinder.

Doch die ältere Generation erweist der Schweizer Wirtschaft auch anderweitig grosse Dienste. Bis ins hohe Alter pflegen viele ihre Partner, Verwandte oder Nachbarn. Würden ausgewiesene Fachkräfte diese Arbeit leisten, entstünden laut Höpflinger jährlich Kosten von mindestens 3 Milliarden Franken, davon 2 Milliarden für Pflege und Betreuung von Haushaltsmitgliedern, eine Milliarde für Dienste für Verwandte und Bekannte aus anderen Haushalten. «Damit werden die Kosten der bezahlten Pflege bei weitem übertroffen», sagt Höpflinger.
Stütze der Volkswirtschaft
Gemäss Erhebungen des Bundesamtes für Statistik leisteten Rentner im Jahr 2007 rund 25 Millionen Stunden unbezahlte Pflegearbeit für Haushaltsmitglieder. Dies entspricht einem Pensum von 13 000 Vollzeitstellen, wie Jacqueline Schön-Bühlmann vom Bundesamt für Statistik errechnet hat. Für fremde Haushalte arbeiteten die Älteren rund 102 Millionen Stunden gratis, in Haus und Garten oder beim Transport. Das wären weitere 53‘000 Hundertprozentjobs.
Damit nicht genug: Die ältere Generation engagiert sich auch stark bei Kulturbetrieben, Sportvereinen oder sozialkaritativen Organisationen. Total arbeitete sie da 2007 rund 45 Millionen Stunden unbezahlt - das ist vergleichbar mit fast 24‘000 Vollzeitjobs. «Der Beitrag der Älteren für unsere Volkswirtschaft wird oft unterschätzt», sagt Schön-Bühlmann. «Dabei sind sie mit ihrer unbezahlten Arbeit für das Funktionieren unserer Gesellschaft unersetzlich.»
Autorin Judith Wittwer
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