Kultur

Max Dauthendey: Atemloser August

Max Dauthendey: Atemloser August

August-Gedicht

 

Max Dauthendey

 

Atemloser August

 

Sommermonde machen Stroh aus Erde,

Die Kastanienblätter wurden ungeheuer von Gebärde,

Und die kühnen Bäume stehen nicht mehr auf dem Boden,

Drehen sich in Lüften her gleich den grünen Drachen.

Blumen nahen sich mit grossen Köpfen, und scharlachen,

Blau und grün und gelb ist das Gartenbeet, hell zum Greifen,

Als ob grell mit Pfauenschweifen ein Koment vorüberweht.

Und mein Blut, das atemlos bei den sieben Farbenstreifen stille steht,

Fragt sich: wenn die Blum’, Baum und Felder sich verschieben,

Ob zwei Menschen, wenn die Welt vergeht,

Zweie, die sich lieben, nicht von allen Wundern übrig blieben.

 

(Aus der Sammlung „Lieder der Vergänglichkeit)

 

Max Dauthendey, geb. 25. 7. 1867 in Würzburg, gest. 29. 8. 1918 in Malang auf Java, deutscher Maler und Dichter – als solcher bedeutendster Vertreter des Impressionismus in Deutschland.

www.de.wikipedia.org/wiki/Max_Dauthendey