Gesellschaft

Alzheimer wird zur Herausforderung für die Gesellschaft

Alzheimer wird zur Herausforderung für die Gesellschaft

Die Kosten werden explodieren in den nächsten Jahrzehnten. Davon betroffen sind in erster Linie die Angehörigen der Patienten, wie am Weltkongress für Alters- und Generationenfragen in St. Gallen Experten sagten.

St. Gallen, Schweiz, 28. August 2010
6th World Ageing & Generations Congress 2010

Die Zahl der Alzheimerpatienten wird sich in den nächsten Jahren ständig erhöhen und dürfte um 2050 mehr als 100 Millionen weltweit erreichen. Das hängt damit zusammen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung mit dem Alter steigt und die Zahl der alten Menschen zunimmt. Bereits jetzt leben mehr als die Hälfte der Demenzkranken in armen Ländern, in 40 Jahren werden es drei Viertel sein. Daisy Acosta, Präsidentin der Internationalen Alzheimer-Gesellschaft, rief an dem Kongress auf, die drohenden Probleme dieser Regionen nicht zu vergessen. Das Gesundheitssystem, aber auch die Gesellschaft werden durch die Alzheimerepidemie schon bald sehr beansprucht werden. Dies auch in Ländern, die bereits mit vielen anderen Gesundheitsproblemen kämpfen.

Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus fallen nicht einmal so sehr die Kosten für die medizinische Betreuung oder die Medikamente ins Gewicht. Volkswirtschaftlich sehr teuer für die Welt werde die Langzeitpflege der Demenzpatienten sein, aber auch der zeitliche Aufwand, der den pflegenden Angehörigen entstehe, betonte Alastair Gray, Wirtschaftsprofessor in Oxford und Fachmann für das Gesundheitswesen. Die Familien leisten unter Umständen über viele Jahre hinweg eine intensive Arbeit, das sind Stunden, die nicht mehr für eine bezahlte Arbeit zur Verfügung stehen.

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Die Suche nach den Heilmitteln

Allerdings gibt es auch sehr alte Menschen, die nicht an Alzheimer erkranken. Christoph Hock, Professor an der Universität Zürich, will herausfinden, welches die Faktoren sind, die einen Menschen bis ins hohe Alter schützen. Über die Abläufe, die zur Krankheit führen, wisse man bereits einiges, aber noch wenig über die besonderen Eigenschaften gesunder Hochbetagter. Etwas in ihrem Abwehrsystem müsse anders sein als bei den Menschen, die erkranken.

An Medikamenten für Alzheimerpatienten arbeiten gegenwärtig alle grossen Pharmaunternehmen. Welche Technik, in die Abläufe im Gehirn einzugreifen, am vielversprechendsten ist, hat man noch nicht herausgefunden, es kommen mehrere Angriffspunkte in Frage, die Forschung läuft auf breiter Basis. Wie ein Vertreter des Pharmakonzern Pfizer einräumte, dürfe man sich aber keine Hoffnungen machen, dass Alzheimer geheilt werden könne. Es wäre schon ein Erfolg, wenn man mit Medikamenten den Ausbruch der Krankheit um ein paar Jahre verzögern könnte, denn damit liessen sich die Patientenzahlen reduzieren. Christoph Hock hofft dagegen, es liessen sich Mittel und Wege finden, bei gefährdeten Menschen vorbeugend einzugreifen. Dazu müssten aber die Risiken frühzeitig erkannt werden.

Am Weltkongress für Alters- und Generationenfragen, der vom 25. bis zum 28. August zum sechsten Mal an der Universität St. Gallen stattgefunden hat, diskutierten 400 Fachleute aus dem In- und Ausland neue Erkenntnisse der Forschung. Organisiert wurde die Tagung durch die Stiftung World Demographic & Ageing Forum, die ihren Sitz in St. Gallen hat.

Kommentare

Alzheimer

Noch keine 50 und mache mir schon Sorgen um mein Altern!
im Moment habe ich das Gefühl, die Pharma-Industrie bereitet auf bewundernswert subtile Art, die Zukunft der Alzheimer-Medikamente vor!
Nicht, dass ich nicht selbst erfahren habe, wie diese Krankheit an Menschen verläuft, aber meine Überzeugung ist nach wie vor: je mehr ich mich mit einem Thema / Gedanken beschäftige, desto mehr manifestieren sich diese. Auch das habe ich schon oft, und nicht nur an mir selbst, erlebt. Und wenn ich die Tages- und Gesundheitspresse anschaue, fällt mir die Häufigkeit auf (Kardio/Herz ist nach wie vor auch beliebt). Aber vielleicht lese ich ja auch die "lätzen" Publikationen.

Auf dem seniorweb.ch hat es glücklicherweise viele heitere Geschichten, so dass die positiven Gedanken in Überzahl bleiben!
... und es auch für einen noch nicht 50iger bereichernd ist, hier zu lesen :-)