Bild oben: Prof. Dr. Urs Kalbermatten, wissenschaftlicher Leiter Kompetenzzentrum für Gerontologie, Berner Fachhochschule
Die Sommerakademie setzt mit dem Thema "Kreatives Altern und Innovation im Alter" einen Gegenpol zur weitläufigen Meinung, das Alter sei nur defizitär: Der Mensch ist auf Kreativität angelegt, soll sich auch im Alter auf Neues einlassen.
Menschen seien Werdende durch ihr ganzes Leben, und Kreativität gehöre als Prozess zur Selbstaktualisierung. Ein Rückblick auf die römische Antike zeigt, wie sehr gesellschaftliche Rahmenbedingungen für Kreativität gestaltbar sind.
Auch heute sind für die Partizipation älterer Menschen die Entfaltungsmöglichkeiten wichtig, die der Gesetzgeber unterstützt. Wichtig ist, wie das Alter und das Altern in der Öffentlichkeit repräsentiert werden und welche Rollenbilder älteren Menschen zugedacht werden.
Die EU, die WHO und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beeinflussen mit ihren seniorenpolitischen Grundsatzdokumenten die öffentliche Diskussion und fordern kreative, soziale, politische und gesellschaftliche Lösungen. Die „active ageing“ Initiative will Altersdiskriminierungen im Erwerbsleben aufheben bei beruflicher Weiterbildung, bei Beförderungen oder bei der einheitlichen Verrentung mit dem 60. oder 65. Altersjahr. Politik und Gesellschaft sollen Lebensmodelle postulieren, mit welchen Ältere in der Mitte der Gesellschaft ihr kreatives Potential nutzen können, ein Potential, das die Gesellschaft dringend benötigt.
Den Alten wird geraten, lernwillig, wagemutig und neugierig zu bleiben. Kreativität mache Lust auf das Abenteuer Leben. Dabei braucht es keinen genialen grossen Wurf: Schon das sich Einlassen auf etwas Neues sei ein kleines Zeichen persönlicher Kreativität. Alte Menschen sollten, wie die Jungen, wagen, quer zu denken und unkonventionell zu sein.
Im Gegensatz zur Medizin, die sich beim Älterwerden vor allem auf die Zunahme der Beeinträchtigungen fokussiert, steht in der Entwicklungspsychologie die Entfaltung der Persönlichkeit im Zentrum, ein lebenslanger Prozess , der durch Krisen und Leiden häufig vertieft wird. In der Palliativmedizin gewinnen Musik- und Kunsttherapie zunehmend an Bedeutung.
Energisch wird der Verallgemeinerung entgegen getreten, ältere Mitarbeiter seien in den Unternehmen weniger flexibel und innovativ. Vielfältige Arbeitsanforderungen und Einflussmöglichkeiten am Arbeitsplatz, Neugier, Motivation und Freude an komplexen Herausforderungen, Weiterbildungsmöglichkeiten und das Feedback des Vorgesetzten stärken das innovative Potential älterer Mitarbeiter.
Das Alter bietet auch die Chance, Träume zu verwirklichen und Kreativität zu leben. Ein Bildhauer verweist auf das hohe Alter von Künstlerinnen und Künstlern, die im Alter ihre eigenen Gefühle und Gedanken künstlerisch umsetzen.
Schöpferische Gestaltung des eigenen Lebens schaffe nicht nur Wohlbefinden, zur Kreativität gehöre auch Unsicherheit und Unzufriedenheit. Sich kreativ zu betätigen, helfe Krankheit, Begrenzungen, Endlichkeit als existenzielle Herausforderungen zu akzeptieren und zu integrieren, statt sie abzuwehren, erklärt Prof. Dr. Urs Kalbermatten, Leiter der Sommerakademie.
Ausführlicher Tagungsbericht im Anhang (pdf)
Autorin Vreni Casagrande
(Kurzfassung Brigitte Poltera)
Nächste Sommerakademie im August 2011 über „Existenzformen im Alter“