Robert Indermaur ist typisches Bündner Urgestein zwischen Speckstein, Bergeller Granit und Serpentin. Er kann hart wie Granit sein, kompromisslos, was seine Malerei anbelangt, aber wie Speckstein strömt er Wärme aus. Ein Realist. Ein Träumer aber auch – eben ein Bündner.
Robert Indermaur kann nur dreidimensional denken, deshalb fertigt er auch Plastiken, die genau so wirklichkeitsnah sind wie seine Bilder. Realistische Menschen mit ihren typischen Charakter-Mängeln und -Stärken – aber keine Porträts: Indermaur malt nach inneren Vorlagen. Er schöpft neue Menschen in neuen Situationen, etwa wenn einer über eine herrliche Landschaft fliegt – er erfindet Räume, die seinen Träumen entsprechen. Seine Karikaturen sind liebevoll, sein Blickwinkel auf sozial Ungerechtes unbestechlich. Und wie er Realist und Träumer ist, berührt von Gesehenem, schöpferisch in der Bewältigung, setzt er genau die richtigen Menschen in diese Badewanne, jenen Saal oder in diese Landschaft.
„Träume sind meist wunderschön, und die Suche nach Möglichkeiten, sie zu verwirklichen, ist spannend und macht all unser Sehnen aus und motiviert unsere Anstrengungen. Wir leben für unsere Träume. – Bis sie real werden...“
Das hat Robert Indermaur geschrieben, von dem ich mir vorstellen kann, wie er tagelang an einer Figur herumstudiert und skizziert und sie schliesslich in Öl auf die Leinwand bringt. Und wenn er dann am andern Morgen Brötli holen geht, sieht er sein Objekt real vor sich, als hätte er sich gerade von der Leinwand gelöst und sei in die gleiche Bäckerei gekommen.
Indermaur hat früher düsterer gemalt, nahezu nur mit Schwarz und Grau (nie ist er auf Schwarz/Weissmalerei verfallen, immer sah er Nuancen der Dunkelheit) Heute sind Lichteffekte stärker vertreten, auch Farbe zeigt der Künstler. Zum Teil mehr als Kolorierung, teilweise als eigenständige Farblandschaften.
Es sei so eine Sache mit dem Träumen, sinniert der Maler. „Träume, Gedanken über Träume, sind ein weiterer Schritt in der szenischen Abfolge meiner Bilder. Sie folgen dem alten Thema: Woher – Wohin. Und sie sind raumgreifend, haben mit Raum und Spielraum und Licht zu tun und es verbindet sie viel mit Ideen und Themen, denen ich schon mein ganzes Leben nachgehe. Möglicherweise sind es Utopien und vielleicht bleiben sie es. Illusionen einer Gesellschaft.
Aber im Bewusstsein, dass all das, was wir Menschen erschaffen und entdecken, entwickeln und herstellen, erst einmal vor unserem geistigen Auge entstehen lassen müssen, ist mir klar, wie wichtig es ist, in Utopien zu investieren. Mich reizt es – als Maler mitzuschaffen an unserer geistigen Möblierung. Ich bin ein Träumer – und so lege ich gern ein paar Skizzen an – lasse Menschen auftreten und versuche Ansätze von Neuem und Anderem zu entwickeln und Anfänge von neuen Zusammenhängen zu entdecken und zu entwerfen. Es gibt für mich kaum Schöneres.“
Der französische Gesellschafts-Karikaturist Honoré Daumier, dem Indermaur geistig entfernt verwandt ist, zitierte einmal den alten Cato: In seiner Karikatur Das Lächeln der Auguren knüpft er an einen Ausspruch Catos an, der meinte, die Auguren müssten lächeln, wenn sie sich begegnen, da sie zu viel wüssten. Daumier hierzu: „die Industriebarone wissen ebenso viel – aber sie lächeln nicht, wenn sich ihre Wege kreuzen.“
Robert IndermaurNeue Bilder
Träume und Träumer
Kunst und Kultur (KUKU) in der Alten Spinnerei, (ausgangs) Rothrist Richtung Murgenthal, in hohem Steingebäude links der Strasse. (öff. Verkehr: Bus ab Bahnhof Zofingen oder Rothrist Haltestelle Hungerzelg (300 Meter zu Fuss), Linie Zofingen-Rothrist-Glashütten
Freitag 17-20 Uhr, Samstag 14-18 Uhr, Sonntag 14-18 Uhr, Bis 12. Dezember 2010
Führung und Apéro mit dem Künstler, ab 11 Uhr am Sonntag, 14. November, (Öffnungszeit 11-18 Uhr)
Finissage Samstag, 12. Dezember 14-18 Uhr.
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