Kultur

Mehr als eine Buchmesse

Mehr als eine Buchmesse

Die BuchBasel im Aufwind
 Zugegeben: zuerst stockte ich. Ergibt es denn (oder, wie das neudeutsch leider gebräuchlich wird: macht das) überhaupt einen Sinn, im Internet für Bücher zu werben? Wohlgemerkt, nicht für Bücher, welche im Web erscheinen, sondern für solche, die immer noch so schön und sinnlich und knisternd in unseren Händen liegen, manchmal sogar noch nach Druckerschwärze riechen oder gar nach einem Ledereinband?  Ich bin zum Schluss gekommen: Es gibt auch unter Seniorweb-Usern sicherlich weit mehr Leserinnen und Leser von Büchern als von Literatur auf dem Bildschirm. Denn schliesslich ist die Generation 50+ mit Büchern und nicht vor dem Screen grossgeworden. 

Ein Literaturfestival

 Lassen Sie mich Ihnen also eine aussergewöhnliche Messe resp. ein Internationales Buch- und Literaturfestival  ans Herz legen, in der nicht nur über 200 Aussteller (Verlage, Buchhandlungen, Institutionen u.a.) eine ungeheure Vielfalt von internationaler Literatur anbieten, sondern wo auch in eigens eingerichteten Foren und Podien Live-Lesungen, Podiumsdiskussionen und ganze Symposien stattfinden: Die „BuchBasel“, zusammen mit dem Internationalen Buch- und Literaturfestival, findet nun nach drei Jahren Pause in ihrer 12. Auflage an drei Tagen in der Messe Basel statt. Das wären die nüchternen Zahlen. Aber welche Fülle sich  von über 200 Veranstaltungen sich neben den Bücherständen dahinter verbirgt, kann eigentlich nur ein Besuch verraten.

 

 1521 BuchBasel_2007.jpgFoto: @ LiteraturBasel 

Das digitale Zeitalter und das Buch

 Uns von Seniorweb interessiert natürlich, wie sich der Buchhandel den Herausforderungen des digitalen Zeitalters stellt. Die neuen Medien als grösste Konkurrenten des gedruckten Buches sowie neue Produktionsformen sind denn auch Programmschwerpunkte des Symposiums „Zukunft Lesen“. Der seit 2009 amtierende Festivalleiter und Buchhändler Felix Werner betont im (übrigens sehr übersichtlich und schön gestalteten) Festivalführer: „Eine sich rasant verändernde Marktsituation, neue Technologien, neue Marktteilnehmer, sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Veränderungen stellen die Branche vor gewaltige Herausforderungen. Wer sich diesen Entwicklungen verschliesst, wird es schwer haben, im Markt zu bestehen.“In Bezug auf die neuen Vertriebskanäle sei hier vor allem auf das hochinteressante „Print on demand“ hingewiesen: Durch die Möglichkeit des raschen Nachdruckens kleinster Mengen soll das gefürchtete Wort „Vergriffen“ oder auch das Nachdrucken ganzer Auflagen bald der Vergangenheit angehören (Symposiumsvortrag von Oliver Hannemann, Samstag, 14.30 Uhr). 

Hörbücher oder „Lesungen.net“

 Eine der bereits bestehenden Antworten der Verlage ist seit mehreren Jahren die zwar kontinuierlich leicht wachsende, jedoch immer noch etwas kränkelnde Abteilung der sogenannten Hörbücher. Literatur in einer Interpretation durch den oder die Lesende/n zu geniessen, ist ja nicht jedermanns Sache, auch wenn diese Option gerade für Menschen mit Seh- oder Konzentrationsschwierigkeiten einen wahren Segen darstellt. Auch Lesungen im Netz bieten sich in zunehmender Zahl an. Zu letzteren werden Ulrich Janetzki und Kerstin Grüner vom Literarischen Colloquium Berlin ihren Symposiumsbeitrag leisten unter dem Titel „Lesungen.net – ein Literaturprojekt zum Nachhören“ (Sonntag, 12.30 Uhr). Ein nicht zu unterschätzendes Thema (dem sich auch wir Seniorwebler ununterbrochen stellen müssen) ist das Thema „Urheberrecht im digitalen Zeitalter“. Thoma Kastura, Gründer der Facebook-Gruppe „Autoren gegen geistigen Diebstahl“, und die Rechtsanwältin Regula Bähler werden darüber am Freitagmittag referieren (12.00 Uhr). 

Fülle von Lesungen und Veranstaltungen

 Als Programmverantwortliche der gesamten BuchBasel und damit einer imponierenden Fülle des Angebots amtet die Intendantin des Literaturhauses Basel, Katrin Eckert. Eine ganze Reihe von Lesungen findet übrigens auch ausserhalb der Messehalle statt, so natürlich im partizipierenden Literaturhaus Basel sowie in diversen Basler Buchhandlungen. Es  sei hier noch speziell auf die  Lesung des Heimarztes Christoph Held hingewiesen, der in seinem Buch „Wird heute ein guter Tag sein?“  den Alltag demenzkranker Patientinnen und Patienten beschreibt und damit in Deutschland bereits Aufsehen erregt hat (BuchBasel-Forum Messe, Freitag, 10.30 Uhr). Ein Beitrag, den man sich als schreibender Mensch nicht entgehen lassen sollte, ist die Podiumsdiskussion von Samstagvormittag (10.30-12 Uhr) „Zukunft Lesen – Zukunft Schreiben“. Die Schweizer Orthographische Konferenz (www.sok.ch), eine Vereinigung von Sprachwissenschaftlern und Praktikern von Presse und Verlagen, stellt ihre Arbeit vor. Der für alle Schreibenden bis heute undurchdringliche Urwald der neuen Rechtschreibung – der sich die Belletristik in schöner Einmütigkeit meist entzieht – soll vereinfacht werden. Schön wär’s! Ich bedaure seit dieser Rechtschreibreform, der ich mich bemühe nachzuleben (was aber sicherlich oft nicht gelingt), alle Korrektoren deutscher Zunge, die sich in diesem Gestrüpp zurecht (oder zu Recht?) finden müssen! 

Schweizer Buchpreis

 Ein wichtiger Bestandteil der BuchBasel ist die Vergabe des Schweizer Buchpreises. Fünf Autorinnen und Autoren unterschiedlichsten Alters und Genrezugehörigkeit sind vorgeschlagen: Dorothee Elmiger („Einladung an die Waghalsigen“), Urs Faes („Paarbildung“), Pedro Lenz („Der Goalie bin ig“), Melinda Nadj Abonji („Tauben fliegen auf“) und der nun 89jährige Kurt Marti, von dessen Schriften „Notizen und Details 1964-2007“ soeben herausgekommen sind. Sogar die Jury hat diese Palette der Vorgeschlagenen als „sehr breit“ klassifiziert. Wir werden sehen, wer das Rennen machen wird. Die Buchpreisverleihung findet als krönender Abschluss der Messe am Sonntag statt. (11 Uhr, Forum, mit Moderatorin Eva Wannemacher).BuchBasel, 12.-14. November, Messe Basel, Halle 4.1, geöffnet ab 10 Uhr.
Zufahrt mit ÖV: Ab Bahnhof Basel SBB oder Badischer Bahnhof mit Tram Nr. 1 oder 2 bis Haltestelle Messeplatz
Tageskarte Fr. 16.-/EUR 13.- mit Bücherbon von Fr 5.-. Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Zutritt. www.buchbasel.ch
www.literaturhaus-basel.ch