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Die intelligente Küche

Die intelligente Küche

Studienauftrag der TERTIANUM-Stiftung liefert spannende Ideen

Die TERTIANUM-Stiftung, Berlingen, lancierte unter Mitwirkung des ETH-Wohnforum (ETH-CASE), einer interdisziplinären Forschungsgruppe am Departement Architektur der ETH Zürich, im Sommer einen Studienauftrag zur Entwicklung von Ideen für «Die intelligente Küche – nicht nur für Senioren». Beauftragt wurden drei Design-/ Innenarchitekturbüros sowie Studenten der drei Fachhochschulen FH Luzern, FH NW Basel und die BFH Burgdorf, Studiengang Innenarchitektur bzw. Architektur. Das Ergebnis: innovative Lösungen mit hohem Gestaltungs- und Entwicklungspotenzial.

Ideenwerkstatt

Die TERTIANUM-Stiftung versteht sich als Ideen-Werkstatt für Altersthemen. In diesem Zusammenhang wurde 2010 das Thema Küche für einen Wettbewerb aufgegriffen, bei dem die Entwicklung und Darstellung eines zukunftsorientierten und seniorengerechten Küchenkonzeptes für eine typische 2 ½ -Zimmer Seniorenwohnung im Mittelpunkt stehen sollte, das den Anforderungen an die Multifunktionalität, den individuellen Lebensstil seiner Benutzer sowie an innovatives Design gerecht wird. Als wertvolle Basis für dieses Projekt wurde im Vorfeld eine Bedürfnisumfrage «Die ideale Küche» durchgeführt, an der 109 Personen teilnahmen, den auch Leserinnen und Leser von Seniorweb im Frühling 2010 ausfüllen konnten.

Umfrage «Die ideale Küche»

An der Online-Umfrage beteiligten sich knapp zur Hälfte Personen der Altersgruppe zwischen 40 und 64 Jahren, 44 % der Befragten war zwischen 65 und 79 Jahre alt. Die wichtigsten Erkenntnisse: Die Küche besitzt in diesen Altersgruppen einen hohen Stellenwert. So halten sich zwei Drittel der Befragten täglich ein bis drei Stunden in der Küche auf, ein Drittel sogar zwischen drei und sechs Stunden oder mehr. 50% der Befragten bereitet täglich eine einfache Mahlzeit zu, ein Viertel gibt an, täglich etwas Besonderes zu kochen. Neben der Nutzung standen bei der Umfrage Ausstattung und Eigenschaften der Küche im Mittelpunkt. Hier rangieren Geschirrspüler und Glaskeramikkochfeld, Tageslicht und genügend Stauraum auf der Favoritenskala ganz oben. Bezogen auf den bevorzugten Wohnungsgrundriss werden je zur Hälfte zum Wohnraum hin offene sowie flexibel abtrennbare Lösungen genannt. Als Hauptmängel gängiger Küchen wurden zuwenig Abstell-/Arbeitsflächen und zu klein bemessener Stauraum bezeichnet.

Lebensformen und Lebensstile im Alter

Weitere aufschlussreiche Hinweise für die Wettbewerbsausarbeitung umfasste das Exposé von Prof. Dr. Helmut Bachmaier, Präsident der TERTIANUM-Stiftung und Universität Konstanz, über Lebensformen und Lebensstile im Alter. Darin werden die drei Altersphasen: das autonome, das fragile und das curative, pflegebedürftige Alter beschrieben sowie die Typologien der älteren Menschen. Gerade hinsichtlich dieser Typologien ergeben sich markante Unterschiede bezüglich der Bedeutung der Küche.

Altersgerechte Wohnbauten und drei Standardgrundrisse

Das Dossier für die Wettbewerbsteilnehmer enthielt darüber hinaus spezifische Informationen und Planungsrichtlinien für altersgerechte Wohnbauten von Felix Bohn, dipl. Architekt ETH, sowie drei verschiedene Grundriss-Typen realisierter TERTIANUM-Residenzen zur freien Wahl durch die Planungsteams.

Die intelligente Küche – nicht nur für Senioren

Mit Blick auf die Küche eröffnet sich aus diesen Grundlagen ein breites Spektrum der traditionellen Küchenfunktion von der einfachen Kochstation bis zum multifunktionalen Mittelpunkt des Wohnens. Eine entsprechend vielschichtige Basis also für die Entwicklung neuer Ideen für eine intelligente, intergenerative Küche. Um so erfreulicher die Ergebnisse des Studienauftrages, die insbesondere mit Blick auf das breite Spektrum der heute bereits angebotenen Küchenprogramme und -systeme erstaunlich neue, kreative und gute Lösungsansätze aufzeigen. So basiert ein Entwurf beispielsweise auf einer individuell gestaltbaren Küchenwand mit vorgelagerter Wohninsel, die sich innenarchitektonisch homogen und mit interessantem Systemansatz auf verschiedene Grundrisse und Bedürfnisse adaptieren lässt. Einen anderen Ansatz verfolgt das Konzept einer skulpturalen Küche, die über dem Boden schwebt und dem die Jury grosses Gestaltungspotenzial attestiert.

Die TERTIANUM-Stiftung würdigt den Gehalt der Entwürfe und wird in einem weiteren Schritt die interessantesten Lösungen hinsichtlich Umsetzbarkeit und Akzeptanz weiterverfolgen.

Jury und Jurierung

Die Jurierung der eingereichten Arbeiten fand am 23./24. November 2010 statt. Mitglieder des Beurteilungsgremiums: Vorsitz Martin Spühler, Architekt; Projektleitung Prof. Guido Oberer, Architekt; Susanne Gysi, ass. ETH-Wohnforum; Brigitte Kesselring, Fachredaktorin; Martin Biedermann, Küchenchef; Klaus Spechtenhauser, Kunsthistoriker.

Weitere Informationen zur TERTIANUM-Stiftung, zum Wettbewerb und zur Jurierung über stiftung@tertianum.ch

Foto oben: Entwurf "Wohninsel – Küchenwand", Formpol AG.