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Gesetz des Dschungels

Gesetz des Dschungels

Verhaltensforschung in den Seniorweb-Foren.

"In der freien Wildbahn", dozierte mein Enkel, "gibt es allein lebende Männchen, die erst in der Brunstzeit ein Weibchen suchen, es gibt beinahe unzertrennliche Pärchen, etwa bei den Enten, und dann gibt es Rudel, die gemeinsam leben und jagen. Allen diesen Tieren ist gemeinsam, dass sie ein Revier für sich beanspruchen, das sie bis auf den Tod zu verteidigen wissen. Wer in ein fremdes Revier eindringt, wird verjagt, wer das Alphatier angreift, vergeht sich gegen die Sippe, was nur toleriert wird, wenn er das Alphatier besiegt und selber König der Wölfe wird.

Nun kann es allerdings geschehen, dass es im Wolfsrudel, dem mehrere Beta- und Gamma-Weibchen angehören, ein Maul zu viel gibt, das es zu stopfen gilt. Dann wird ein überzähliges Weibchen ausgestossen und muss sich ein neues Rudel suchen. Tierforscher haben beobachtet, dass so ein Huscheli, vom eigenen Clan verjagt, im neuen Rudel hoch willkommen ist und in der Rangordnung aufsteigt und schliesslich sogar Alpha-Weibchen wird, das ausschliesslich zur Zeugung von Nachwuchs beim Wolfspascha willkommen ist, während die anderen Weibchen als Tanten den Nachwuchs besorgen, wenn die beiden Alpha-Wölfe gerade jagen, sich lieben oder einfach mal eine "Auszeit" nehmen.

Du siehst Grosspapa", fuhr mein Enkel fort, "dass in der freien Wildbahn alles seinen geordneten Gang geht. Nun hast Du mich gebeten, mit Dir zusammen das Forum "Dialog der Generationen" zu beleben, indem wir zusammen mit vielleicht einer Vierzigjährigen und noch einem weiteren alten Herrn oder noch zwei Teenagern oder Twens einen Dialog aufbauen, in welchem wir generationenüberschreitend über Gott und die Welt diskutieren. Gleichzeitig hast Du mir Eingang in das Forum "Dialog der Generationen" verschafft. Und ich habe zu lesen begonnen."

Bis jetzt hatte mein Enkel H.v.W. durchs Fenster in die Ferne geschaut. Jetzt aber blickte er mich an und fixierte mich: "Lieber Grosspapa. Wenn das nun der Dialog der Generationen sein soll, wenn sich die alten Herren (ich habe nur ein einziges Weibchen im Rudel gefunden) gegenseitig durch den Dreck ziehen und sich anrotzen wie ich es bis jetzt nicht einmal von Kleinstkindern erlebt habe - lieber Grosspapa da kommt kein Dialog zusammen. Mich erinnert das Gezänke im Seniorweb, in der Arena und jetzt auch im "Dialog der Generationen" an die letzten Monate der in der freien Wildbahn lebenden Alpha-Tiere: Sie wissen, dass sie schwach geworden sind, dass sie zur Zeugung von Nachwuchs nicht mehr taugen und das Rudel im Fall eines Angriffs von aussen nicht mehr schützen könnten. Dann werden sie aus lauter Unsicherheit tückisch, tun gross, statt sich in Demut zu üben und hören nicht einmal dann auf, ihr altes Teritorium zu verteidigen, wenn das ganze Rudel den ehemaligen Leitwolf längst verlassen hat und anderswo zur Jagd geht."

Ich bin während dieser wohlgesetzten Rede sehr kleinlaut geworden. "Also, was heisst das nun, schreibst Du mit?"

H.v.W stand auf, suchte seine Halbschuhe, die er höflich im Flur abgelegt hatte, bevor er zu mir kam, und gab mir die Hand:

"Nein, lieber Grosspapa, lass doch die alten Herren ihre Reviere verteidigen. Hast Du es nötig, Dich so anpöbeln zu lassen? Ich bin gern zu einem Dialog unter verschiedenaltrigen Männern und Frauen bereit. Und ich glaube, aufgrund meiner Ausbildung und meiner Lebenserfahrung auch an der Universität wäre ich durchaus in der Lage, Wertvolles zum Gespräch beizutragen.

Aber mit Greisen Kindergarten spielen? Entschuldige, das möcht ich nicht."

"Tschüss", sagte er noch, dann war er verschwunden.

 

Dieser Text erschien am 1. Februar 2011 als  Forenbeitrag von Bernhard Schindler und wird im Forum «Generationen im Dialog» diskutiert.

 

Kommentare

Bild des Benutzers Claire Mattenberger

Gesetz den Tschungels

Warum alles gleich so tragisch nehmen. Der Beitrag ist sehr orginell geschrieben.
 

claire
Bild des Benutzers kornblume

Am falschen Ort

So schlechte Werbung für Seniorweb habe ich bis heute noch nie gelesen und das im Magazin. Haben die Macher auch etwas studiert ehe sie diesen Beitrag hier platzierten.

Bild des Benutzers Elisabeth Schärer

Auch ich wundere mich....

 

..... aus welchem Grund die Geschichte hier so prominent im Schaufenster platziert wird.

Sie ist aus einem Zusammenhang  herausgerissen, die Missstimmungen in einigen Foren haben ihre lange  Geschichte. Ich finde es nicht fair, dass nun hier einige Forenschreiber/innen an den Pranger gestellt werden! Die Anklage ist total daneben, sie tönt nach Rüge in der Öffentlichkeit. Maja, deine Verallgemeinerung stimmt überhaupt nicht: " dass es statt Diskussionen nur noch emotional gefärbte Streitereien gibt". Kann es sein, dass du die Beiträge sehr selektiv wahr nimmst?

Bernhard hat sich in der Zwischenzeit eindrücklich zu seinen Dschungel-Gedanken geäussert. Wir sind in einem Prozess und ich bin sicher, dass wir in in den Foren den Weg finden!

Diskussionen sind nie spannungslos

Rede und Gegenrede haben es in sich, dass Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden. Das ist sogar die notwendige Voraussetzung dafür, dass Diskussionen überhaupt möglich werden. Wären alle an Diskussionen Teilnehmenden einhellig gleicher Meinung, so käme es gar nicht zu einer lebendigen Diskussion.

Harmonisierungsversuche sind zwar gut gemeint, führen aber letztlich dazu, dass es gar nicht mehr zu Diskussionen kommt und sich alle Teilnehmenden auf die Schulter klopfen und sich ihrer Harmonie rühmen.

Ein Weiteres: Wenn ich mit dem Votum einer Diskussionsteilnehmerin oder eines –teilnehmers nicht einverstanden bin, so sollte ich das Recht haben, dies auch zu sagen oder zu schreiben. Das heisst aber keineswegs, dass ich sie oder ihn als meine Feindin oder als meinen Feind betrachte. Die Wertschätzung der betreffenden Person muss deswegen nicht leiden. Man müsste schliesslich unterscheiden können zwischen «Gegnerin oder Gegner in einer Diskussion» und «Widersacherin» oder «Widersacher».

Wer beleidigt ist, weil jemand ihrer oder seiner Meinung widerspricht, ist in einer Diskussion am falschen Ort. Es ist schon zu unterscheiden zwischen «Meinungsverschiedenheit» und «Rechthaberei». Ich denke da, wir alle hätten die Wahrheit und die Weisheit nicht für alle Zeiten gepachtet, sondern unterlägen immer wieder dem Irrtum oder der Täuschung.

Natürlich muss immer gelten: «C’est le ton qui fait la musique.» Auch da muss man aber versuchen zu differenzieren : Nicht alle, die an schriftlichem Meinungsaustausch teilnehmen, sind sprachlich gleichermassen beweglich. Auch etwas Unbeholfenere sollen die Möglichkeit haben, sich zu äussern. Von den Geschickteren muss da Toleranz gefordert werden.

Bild des Benutzers Maja Petzold

Diskutieren heisst nicht "Gifteln"!

Es geht - für alle, die es noch nicht gemerkt haben - darum, dass eine Anzahl von Seniorweblern, darunter auch ich, sich daran stören, dass es statt Diskussionen nur noch emotional gefärbte Streitereien gibt, hauptsächlich in einigen Foren. Statt Argumenten sind leider oft genug nur emotionale Anwürfe zu lesen. Wenn darauf jemand ungehalten reagiert, ist "Füür im Dach" oder die Betreffenden sind beleidigt. Leider merken diese Personen nicht, dass es darum geht, sich Gedanken zu machen und diese dann zu äussern, natürlich auch mit den damit verbundenen Gefühlen!
Aber diese Emotionen sollten mit dem Thema verbunden sein, nicht als persönliche Angriffe geführt und verstanden werden.
Nach allem, was ich hier (besonders in einigen Foren) lese, kommen mir wie Bernhard langsam Zweifel, ob vielleicht die Generation der derzeitigen Seniorweb-Benutzer und Benutzerinnen nicht ausreichend gelernt hat, auf ein Thema bezogen zu diskutieren?!?

Ich wäre erleichtert festzustellen, dass ich mich getäuscht habe.

Bild des Benutzers Hans Jörg Klemenz

Warum?

Ich muss mich schon fragen, was dieser seltsame und aus dem Zusammenhang gerissene Forenbeitrag auf der Startseite des Seniorweb zu suchen hat. Geht es etwa nur darum, andere Forenteilnehmer der Lächerlichkeit preiszugeben ...?

Hans Jörg Klemenz

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