Bildung

Fitness fürs Gehirn

Fitness fürs Gehirn

In einem Forschungsprojekt der Universität Zürich wird die Wirksamkeit von Gehirnjogging untersucht.
Autor: 
Claudia von Bastian

Inzwischen existieren zahlreiche computerbasierte Trainings, die eine Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit versprechen – und täglich kommen neue auf den wachsenden Markt. Es klingt verlockend: Wer möchte nicht mit ein wenig Computerspielen die Intelligenz erhöhen oder das Gedächtnis verbessern?

Tatsächlich ist die Veränderbarkeit kognitiver Funktionen und insbesondere der Intelligenz unter Wissenschaftlern noch immer stark umstritten. Es bestehen einige wissenschaftliche Studien, bei denen ein solches Training keine Leistungssteigerung zur Folge hatte. Doch dem steht auch eine wachsende Anzahl an Studien gegenüber, bei denen das Üben fundamentaler kognitiver Prozesse positive und durchaus auch grosse Effekte hervorbrachte. Ein genauer Blick in die Literatur zeigt jedoch, dass sich diese Studien methodisch zum Teil sehr stark voneinander unterscheiden; man läuft also Gefahr, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Dies ist genau der Punkt, an dem ein neuartiges Forschungsprojekt am Psychologischen Institut ansetzt: Mit einem theoretisch und methodisch fundiertem Training soll der Frage nachgegangen werden, ob intensives Üben die geistige Leistungsfähigkeit verbessern kann. Überprüft wird dies mit mehreren Tests vor und nach dem Training, beispielsweise auch einem Intelligenztest. Darüber hinaus wird die Gehirnaktivität mithilfe von Elektroenzephalographie (EEG) gemessen. Hierzu werden mit einer speziellen Kappe (ähnlich einer Badekappe) Elektroden auf der Kopfoberfläche angebracht. Dies geschieht schmerzfrei und ist völlig ungefährlich. Mit den Elektroden werden elektrische Potentialschwankungen gemessen, die im Gehirn während der Kommunikation zwischen den Nervenzellen auftreten. Mit diesen Daten kann berechnet werden, ob sich nicht nur die Leistung in den einzelnen Aufgaben, sondern auch physiologisch bei der Informationsverarbeitung im Gehirn Veränderungen aufgrund des Trainings zeigen. Neben der Aktivität im Gehirn interessiert auch die Anatomie, daher werden mit einigen ProbandInnen auch Untersuchungen im Magnetresonanztomographen (MRT, auch bekannt als Kernspintomographie) durchgeführt, bei der ein dreidimensionales Bild des Gehirns aufgenommen wird. Sollte das Training etwas bewirken, werden hauptsächlich  im Stirn- und Scheitellappen Veränderungen erwartet. Diese Regionen sind dafür bekannt, dass sie eng mit der Intelligenz zusammenhängen. Übrigens: die MRT-Technik beruht auf Radiowellen (statt auf Röntgenstrahlen) und ist daher ungefährlich.

Das langfristige Ziel dieser Forschung ist, ein wissenschaftlich fundiertes und tatsächlich wirksames Training zu entwickeln, das kostenfrei von der Allgemeinheit genutzt werden kann. Doch um dieses Ziel zu erreichen, wird die Hilfe zahlreicher Teilnehmender benötigt. Für diese Studie werden noch SeniorInnen zwischen 65 und 80 Jahren gesucht, die Lust auf ein vierwöchiges Gehirnjogging haben. Selbstverständlich ist das Training kostenlos. Am Ende der Studie erhält jede Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer eine ausführliche Rückmeldung über die individuellen Ergebnisse in den Computertests sowie eine finanzielle Aufwandsentschädigung. Wer bei der MRT-Messung mitmacht, erhält darüber hinaus noch eine zusätzliche Vergütung und ein Bild des eigenen Gehirns.

Ausführliche Informationen zum Ablauf der Studie, eine Probierversion des Trainings und die Möglichkeit, sich für eine Teilnahme daran anzumelden finden sich auf der Webseite http://www.tatool.ch/research/trainyourbrain.