Prix Chronos zum Siebten
Bücher als Vermittler zwischen den Generationen wirken lassen: Das war von Anfang an Idee und Ansporn für den von Pro Senectute ins Leben gerufenen Kinderbuch-Wettbewerb. Der nach dem griechischen Gott der Zeit benannte „Prix Chronos“ fand dieses Jahr bereits zum siebten Mal statt. Allerdings frisst dieser Kronos nicht - wie sein antiker Namensgeber - seine eigenen Kinder, sondern höchstens jene Wettbewerbsbücher, welche nicht reüssieren konnten. Immerhin waren insgesamt fünf Bücher von einer kundigen Jury des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien SIKJM in die internationale Wettbewerbs-Auswahl genommen und dann von sehr vielen Leuten gelesen worden.
Seit Beginn des diesjährigen Lesewettbewerbs haben immerhin rund 600 Jugendliche und weit über 200 Seniorinnen und Senioren mitgelesen, privat oder gemeinsam in fast 50 Bibliotheken der deutschen Schweiz; sie haben zusammen diskutiert und dann ihr Lieblingsbuch gewählt. Wenn der Geldwert des Preises auch nicht hoch ist – er beträgt sfr. 2.000.-, so stehen das Renommee und der automatisch gestiegene Bekanntheitsgrad der jeweiligen Autoren natürlich weit höher im Kurs. Die Autoren wissen das auch sehr zu schätzen, wie die hoch erfreuten Reaktionen jeweils zeigen.
Drei Generationen erwarten die Preisverleihung. Foto: L. Weidacher
Aber so weit sind wir noch nicht. Wir sind eben angekommen in dem wie ein Bienenstock brodelnden Forumssaal des Verkehrshauses Luzern, in dem diesmal die Preisverleihung stattfinden soll. Die Veranstalter bemühen sich erfreulicherweise immer wieder um neue Begegnungen mit Orten und Institutionen für diese Preisverleihung. Waren wir letztes Jahr im Technorama in Winterthur (das, ich muss gestehen, für mich ein hoch spannendes Novum war), bot diesmal das Verkehrshaus sein ganzes Universum an Ausstellungsobjekten und –erlebnissen an, das vom Preisverleihungs-.Publikum auch ausgiebig vorher oder nachher genutzt wurde. Denn, wie Martin Büttikofer, der neue Direktor des Hauses, sagte, will „auch das Verkehrshaus ein Generationenhaus sein.“
„Liebe Jugend von gestern und vorgestern,
liebe SeniorInnen von morgen und übermorgen!“
Mit dieser Begrüssung der Anwesenden, rund 500 Bücherbegeisterte jeglichen Alters aus Nah und Fern, hob dann Peter Dietschi, seines Zeichens Geschäftsleiter von Pro Senectute Luzern, die Bedeutung des Bücherlesens als Verbindungsglied zwischen den Generationen hervor. Und: „Lesen erspart einem, Zeit zu verschwenden. Und darüber hinaus lernt man, zwischen den Zeilen zu lesen.“ Zwischen den Zeilen lesen konnte man auch bei den Liedern, die der Liedermacher, Journalist und Redaktor der Zeitschrift „Zeitlupe“, Martin Hauzenberger, in gewohnter symphatischer Lässigkeit an Gitarre und Hackbrett vortrug. Er stellte denn auch in einer musikalischen Collage die beiden Siegerbücher vor.

Nationalrätin Pascale Bruderer Wyss verfolgt gespannt das Bühnengeschehen. Foto: L. Weidacher
Vorher aber war die prominente Übergeberin des Prix Chronos auf die Bühne getreten, von Moderator Matthias Nold aufgeregt erwartet: SP-Nationalrätin Pascale Bruderer Wyss, letztes Jahr höchste Frau der Schweiz im Amt der Nationalratspräsidentin und als „Politikerin des Jahres 2010“ gekürt, eine Politikerin, die sich engagiert für verschiedene Generationenprojekte einsetzt und unter anderem seit Januar dieses Jahres auch im Verwaltungsrat von Seniorweb Einsitz hat. Sie wies darauf hin, dass durch die heutige höhere Lebenserwartung die Chance bestehe, dass bis zu vier Generationen gleichzeitig leben und sich austauschen können. Erfreut stellte sie fest, dass die älteste Besucherin im Saal 91 Jahre zählte – das jüngste Kind im Publikum dürfte knapp ein Jahr alt gewesen sein – kein schlechtes Gefälle!
Wie zu erwarten war, konnte auch diesmal kein Konsens zwischen Jung und Akt gefunden werden. Als grosser Favorit ging bei den Kindern die vom Autor selbst wunderschön illustrierte, skurrile und berührende Geschichte „Kenny und der Drache“ (cbj 2010) des kalifornischen Autors Tony DiTerlizzi hervor. Wenn sich ein kleiner Hase aufmacht, um einen grossen Drachen zu besiegen, sich dieser aber dann als distinguierter älterer Herr entpuppt, kann daraus durchaus eine Freundschaftsgeschichte werden. In seinem witzigen Dankesbrief, von DiTerlizzis deutscher Verlegerin gelesen, wies der Autor auch auf die grossartige und wichtige Leistung der Übersetzerin Anni Brauner hin.
Die Senioren entschieden sich begreiflicherweise nicht für ein Fantasy-Buch, sondern um die mit grosser Herzenswärme und ergreifend, aber niemals rührselig erzählte Geschichte eines zunehmend dementen Grossvaters und seiner beiden bei ihm lebenden Enkelinnen „Als Opa alles auf den Kopf stellte“ (Beltz&Gelberg 2010). Im von Nationalrätin Pascale Bruderer verlesenen Dankesbrief der Autorin Marianne Musgrove wies die Autorin darauf hin, dass es allein in ihrem Heimatland Australien gut 30'000 Familien gäbe, in denen Grossväter eine tragende Rolle spielen.
Dankesworte des Autors Tony Ditterlizzi werden verlesen. Foto: L. Weidacher
Weitere nominierte und durchwegs hoch spannende Bücher waren:
Jutta Richter: Hexenwald und Zaubersocken, Carl Hanser 2010
Milena Baisch: Anton taucht ab, Beltz&Gelberg 2010
Sally Nicholls: Zeit der Geheimnisse, Carl Hanser 2010
Leider befand sich dieses Jahr kein einziges Schweizer Buch unter den Nominationen, was von der Jury-Auswahl mit Bedauern zur Kenntnis genommen wurde, da derzeit in der Schweiz offenbar zu wenig zum Generationenthema geschrieben würde. Also: An die Arbeit, liebe Autorinnen und Autoren! Denn der nächste Prix Chronos kommt, wie uns versichert wurde, bestimmt! Und, wie eine Leserstimme anmerkte: „Wird hoffentlich noch lange weiter bestehen.“
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Danke
Liebe Laura
Herzliche Gratulation zu deinem bebilderten Bericht über die Verleihung des diesjährigen 'Prix Chronos', die Stimmung an diesem Anlass kommt sehr gut zum Ausdruck. Es ist eindrücklich zu sehen das 800 Lesende und 50 Bibliotheken an diesem generationenüberspannenden Wettbewerb teilgenommen haben. Das auch wir hier im Seniorweb etwas von dieser guten Stimmung bei der Preisverleihung mitlesen können ist super, Danke schön !
Hannes Kohler, Generationen im Dialog