Die Bedürfnisse der reiferen Generation werden durch die grossen Schweizer Parteien zu wenig berücksichtigt. Dies zeigt eine Online-Befragung der beiden Partner Stiftungen terz und spirit.ch, die im März 2011 durchgeführt wurde. Mehr als 560 Interviewte, zum grösseren Teil über 65-Jährige, haben daran teilgenommen, darunter auch viele seniorweb-Nutzer.
Nach der Auswertung zeigte sich insbesondere, dass es in der Schweiz bei den erfahrenen Generationen einen ebenso grossen wie unerfüllten Bedarf nach „Reifer Politik“ gibt. Dies betrifft sowohl die Vertretung ihrer Interessen, als auch einen Politikstil, der von Werten wie Respekt und gemeinsamer Verantwortung für die Zukunft getragen ist. Die Parteien decken dieses Bedürfnis nur höchst ungenügend ab. terz und spirit.ch legen grossen Wert auf Werte-Orientierung und beschäftigen sich deshalb mit Fragen des Wertewandels sowie nachhaltiger Lebensqualität (www.reife.ch).
Die reifen Generationen sehen sich mehrheitlich als Bereicherung für die Gesellschaft, glauben jedoch, die Politik nähme sie vorwiegend als Last wahr. Zwischen Selbst- und Fremdbild klafft hier eine enorme Lücke. Eine verstärkte Beteiligung älterer Menschen an der Politik würde diese nach Meinung der Befragten besonnener, reifer, menschlicher und gelassener machen. Zu einer Reifen Politik im Sinne eines bestimmten Politik-Stils gehören ein respektvoller Umgang miteinander, gemeinsame Verantwortung statt Schuldzuweisungen, Offenheit und Lernfähigkeit, allgemeine Interessen stärker zu gewichten als eigene, keine persönlichen Verunglimpfungen sowie zu integrieren statt auszugrenzen. Der Bedarf nach solcher Reifer Politik ist ausgeprägt, wird jedoch höchst ungenügend abgedeckt. Und auch die entsprechenden Zukunftserwartungen sind nicht rosig. Keine Partei entspricht den Kriterien eines reifen politischen Stils. Hingegen wird die SVP von einer deutlichen Mehrheit als unreife Partei empfunden.
Die persönliche Bedeutung der generationenspezifischen Anliegen liegt hoch, und zwar in allen Politik-Feldern. Entsprechend wichtig ist eine stärkere und bessere Vertretung der Interessen reifer Menschen in der Politik. Diese hohen Erwartungen sind in der letzten Legislaturperiode nicht eingelöst worden. Und die Erwartungen an die nächste Legislaturperiode sind nicht viel besser. Vierzig Prozent der Teilnehmenden finden, keine Partei vertrete die Interessen reifer Menschen gut. Am relativ häufigsten genannt werden bei der Frage nach einer guten Vertretung der Anliegen, Interessen und Werte reifer Menschen die SP vor der CVP und SVP.
Die ausserordentlich hohe Beteiligung an der sehr anspruchsvollen Umfrage mit 43 teils sehr komplexen Fragen „Wie reif ist die Schweizer Politik?“ zeigt, dass dieses Thema bei den reiferen Generationen einen Nerv getroffen hat. Diese Generationen wollen sich in der Schweizer Politik verstärkt Gehör verschaffen und sich eine Stimme geben. Es handelt sich dabei um die Stimme der reifen Citoyens, also der politisch interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürger der Generationen über 50. In der Stichprobe sind naturgemäss Männer und Akademiker übervertreten, doch hat dies im Allgemeinen kaum Einfluss auf die Ergebnisse.
Mit ihrer hohen Beteiligung an der Umfrage haben sie klar gemacht, dass sie nicht länger eine Politik wollen, die für sie gemacht wird – und damit über ihre Köpfe hinweg, sondern eine Politik, die mit ihnen gemacht wird. In einem von gegenseitigem Respekt getragenen Dialog auf Augenhöhe. Für Parteien und PolitikerInnen, welche die Zeichen der Zeit erkannt haben und die Potenziale der reifen Wählerinnen und Wähler nutzen wollen, eröffnen sich damit grosse Chancen, wenn sie sich auf einen ernsthaften permanenten Dialog mit ihnen einlassen.
Die VISION REIFE SCHWEIZ, die auf zehn zentralen Werten beruht (siehe unten), stösst bei der Hälfte der Befragten auf ungeteilte Zustimmung und hat so gut wie keine Gegner. Das Interesse an ihr und die Bereitschaft, die Vision zu unterstützen, sind hoch. Eines steht nach dieser Studie fest: Das Thema Reife Politik wird in der politischen Agenda der Schweiz zunehmend Bedeutung erlangen. Und dadurch werden die reifen Werte der VISION REIFE SCHWEIZ auch in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zum Thema.
Die VISION REIFE SCHWEIZ
Im Vertrauen auf die Entwicklungsfähigkeit von Land und Volk geben die Stiftungen terz und spirit.ch sich die VISION REIFE SCHWEIZ: Sie wollen die Chancen der älter werdenden Gesellschaft für eine politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Reifung der Schweiz nutzen. Reife ist für sie das Konzentrat aus zehn (immateriellen) Werten, auf die sich die REIFE SCHWEIZ verpflichtet:
Weiser Sinn
Nachhaltige Lebensqualität
Reife Erfahrung
Respektvolles Miteinander
Mediativer Ausgleich
Souveräne Gelassenheit
Gesundes Selbst-Bewusstsein
Standfeste Offenheit
Dankbare Zufriedenheit
Bejahte Evolution
Die Vision einer REIFEN SCHWEIZ, die sich an diesen zehn Werten orientiert, ist für die Stiftungen terz und spirit.ch eine attraktive und zukunftsgerichtete Alternative zur einseitigen Fixierung auf den materiellen Wohlstand. Sie betrachten die REIFE SCHWEIZ als ideales Ziel, dem man sich Schritt für Schritt annähern kann, ohne es je ganz zu erreichen.
Die ausführliche Version der VISION REIFE SCHWEIZ liegt als Buch vor, das zum Preis von CHF 10.- (zzgl. Versandkosten) bei der terzStiftung bestellt werden kann. Weitere Informationen im Internet unter: www.reife.ch.
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Der Beitrag der Terz-Stiftung im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen zeigt, dass wir "Alten" manchmal brüskiert werden - nicht allein durch Entscheidungen des Parlaments, sondern ganz besonders auch durch den Stil, in welchem heute Debatten geführt werden. Da ist kein Respekt mehr vorhanden, niemand ist mehr bereit, dem politischen Gegener zuzuhören, geschweige denn, vielleicht auch dessen Argumentation zu akzeptieren.
Nun, wir Seniorinnen und Senioren, die wir keine öffentlichen Ämter (mehr) innehaben, sind nicht unbedingt geeignet, alles in Frage zu stellen was in Bern passiert und wie es geschieht. Aber immerhin geziemt es uns, Fragen zu stellen, welche die einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten beantworten sollten, damit wir ihre innere Einstellung zu Problemen und Anliegen des Alters kennen lernen.
In diesem Zusammenhang ist auf der Arena eine Art Wahlpanorama-Seite entstanden. Wenn sich Seniorweb die grosse Mühe machen will, eine Serie ausgewählter, kompetenter Fragen an alle Kandidatinnen und kandidaten, bisherige National- und Ständeräte, aber auch an die neuen angeheneden Volksvertreter zu verschicken, in der Hoffnung, dass die Empfänger wenigstens einen Teil der Fragen serös beantworten, dann muss hinter einem solchen Vorhaben schon ein grösserer Fragewillen unserer Generation ersichtlich sein. Deshalb meine Aufforderung, bitte, geht auf die entsprechende Arena-Seite und stellt selber Fragen! Ein noch zu bildendes Komitee wird diese Fragen überprüfen, ihre Prioritäten setzen und allenfalls beim Redigieren mithelfen.
Mit freundlichen Grüssen
Bernhard Schindler
Umfragen alleine genügen nicht! Sie geben uns wohl einen Hinweis, wo der Schuh bei den Stimmbürgern drückt.
Ich finde es bemerkenswert, dass sich unsere Website endlich auch für politische Fragen geöffnet hat - ein Dankeschön an den Verwaltungsrat.
Ich erwarte von dieser Öffnung, dass Anregungen und Wahlempfehlungen mit logisch plausiblen Erklärungen und ohne parteipolitischen Hintergrund auf dieser Website abgegeben werden.
Wenn jedoch Leute mit engem Parteihintergrund versuchen hier Werbung zu plazieren, dann werde ich mich dagegen wehren. Parteipolitisch soll unsere Internetplattform neutral bleiben. Mir ist völlig klar, dass die eine Gratwanderung sein wird.
Sehr geehrter Herr Kohler
Als Mitverfasser der Studie möchte ich Ihnen gerne antworten. Selten haben Meinungsumfragen mehr als 1000 Teilnehmer, selbst die Umfragen, die in der Tagesschau erwähnt werden. Eine einzige Internetumfrage hat wesentlich mehr Teilnehmer, dass ist die Umfrage der Vimentis Schweiz. Diese wird aber auch von vielen Medien und Parteien über längere Zeit mit Artikeln und Newslettern unterstützt. Bei dieser Studie wurde nur über die beiden Stiftungen terz und spirit.ch sowie über seniorweb.ch zur Teilnahme eingeladen.
Zudem war die Umfrage mit 43 Fragen sehr ausführlich, 30 Minuten mussten für das Ausfüllen eingerechnet werden. Bedenkt man zusätzlich, dass in dieser Altersgruppe weniger online sind als bei den Jüngeren, so ist die Teilnehmerzahl doch bemerkenswert.
Dazu kommt, dass sich erfahrungsgemäss meist die Resultate bereits ab 50 TeilnehmerInnen nicht mehr sehr gross verändern, in den Jahren unserer Tätigkeit haben wir viele Studien verfolgt und die Resultate ab 50 TeilnehmerInnen mit dem Endresultat verglichen - die Änderungen sind bei allen sehr minim.
Mit den besten Grüssen
Christian Engweiler
In diesem Beitrag wird die Umfrage zur VISION REIFE SCHWEIZ vorgestellt, an der ca. 560 Personen teilgenommen haben. Es steht da zu lesen:
"Die ausserordentlich hohe Beteiligung an der sehr anspruchsvollen Umfrage mit 43 teils sehr komplexen Fragen „Wie reif ist die Schweizer Politik?“ zeigt, dass dieses Thema bei den reiferen Generationen einen Nerv getroffen hat. Diese Generationen wollen sich in der Schweizer Politik verstärkt Gehör verschaffen und sich eine Stimme geben. Es handelt sich dabei um die Stimme der reifen Citoyens, also der politisch interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürger der Generationen über 50. Die VISION REIFE SCHWEIZ, ....... stösst bei der Hälfte der Befragten auf ungeteilte Zustimmung und hat so gut wie keine Gegner. Das Interesse an ihr und die Bereitschaft, die Vision zu unterstützen, sind hoch. Eines steht nach dieser Studie fest: Das Thema Reife Politik wird in der politischen Agenda der Schweiz zunehmend Bedeutung erlangen. Und dadurch werden die reifen Werte der VISION REIFE SCHWEIZ auch in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zum Thema."
Es ist aber auch erwähnenswert in welcher Relation zur Gesamtbevölkerung diese Umfrage steht. Basis dazu sind hier die Zahlen der Bundesverwaltung, Statistik Schweiz, bezogen auf das Jahr 2009 (http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/01/key.html).
Wohnbevölkerung 2009 ca. 7'785'000
davon 65 Jahre und älter 16.8% entspricht ca. 1'300'000
Anteil nicht Stimmberechtigte (Ausländische Staatsangehörige) 22% entspricht ca. 286'000
Es gibt demzufolge gut 1 Mio. Stimmberechtigte im Alter von 65 Jahren und älter
Die Befragung zur VISION REIFE SCHWEIZ (ca. 560 Personen) ist also von ca. 0.05% der Seniorengesellschaft beurteilt worden.
Wie beurteilen das wohl alle anderen Seniorinnen und Senioren in der Schweiz ?
Pardon, falsche Lokalangabe
In meinem heutigen Artikel verweise ich Interessenten an die Arena, wenn sie sich mit Fragen beteiligen wollen.
Leider habe ich übersehen, dass dieser Beitrag im Blog gespeichert ist. Ich werde mich wohl nie an diesen versteckten Artikelbaum gewöhnen können. Auch andere haben schon ihre Mühe bekundet, diese Wahlplattform überhaupt zu finden.
Je nun, hoffen wir dennoch auf viele, die sich an dieser Fragerunde an die Kandidaten der eidg. Wahlen beteiligen wollen.
Gruss BS