Dr. Albert M. Debrunner ist einerseits Literaturkenner, andererseits aber auch ein Spaziergänger mit sicherem Gespür für die Spuren von Dichtern und Schriftstellern. So hat er bereits einen Literarischen Führer durch den Thurgau geschrieben. Neu ist jetzt im Huber Verlag, Frauenfeld, sein Literaturführer durch Basel erschienen, der aufgrund nachvollziehbarer Spaziergänge durch die Stadt am Rheinknie Dichter wie Goethe, Hebel, Brecht, Dürrenmatt und Frisch aufspürt, die alle eine innige Beziehung zu Basel gehabt haben.
So wie einst das römische Basilea auf dem Hügel des heutigen Münsters entstanden ist, so ist auch das Basler Münster und sein unvergleichlicher Münsterplatz Startort der ersten literarischen Wanderung. Für einmal nur rund um den imposanten Dombau und den altehrwürdigen Kreuzgang. Hier finden sich Spuren längst vergangener Kultur. Der Münsterplatz mit seiner weiten Ausdehnung war einst der Tournierplatz der edlen Ritter, deren Burgen sich im Umland Basels befanden, deren Stadthäuser aber in der Rittergasse heute noch zu bewundern sind. Der Bischof von Basel und die oft hochfahrenden Adligen erbrachten das erste Spannungsfeld der Stadt (später abgelöst durch den Streit zwischen Bischof und Zünften). Um die Ritter in Schranken zu weisen und sie auf ihre ureigenen Ziele zu fixieren, liessen die Bischöfe von Basel am Münster und im Kreuzgang unzählige „Zitate“ höfischer Überlieferung anbringen, welche die Tugenden der „Mâze, Manheit und Triuwe“, der Mässigung, der Tapferkeit und Treue priesen. Dabei griffen die Steinmetze immer wieder auf mittelhochdeutsche Gedichte aus der Benediktbeurer Handschrift (die später Carl Orff vertonte), des Konrad von Würzburg oder des Minnesängers Walther von Klingen zurück. Der Wegbeschrieb von A.M. Debrunner durch das Basler Münster ergibt eine wissenswerte Mischung aus Literatur und bildender Kunst, die leider auch den meisten Baslern bis jetzt kaum bekannt ist.
Basel darf sich ohne Übertreibung „Humanistenstadt“ nennen, lebten und wirkten doch im 16. Jahrhundert einige der wichtigsten Denker und Vorbereiter der Moderne in Basel. Johannes Froben lernte bei Johannes Amerbach die schwarze Kunst des Buchdrucks, die wenige Jahre zuvor durch die beweglichen Lettern des Johannes von Gutenberg erfunden worden war. Erasmus von Rotterdam liess mehrere seiner humanistischen Werke in der Offizin Froben drucken. Oekolampad, beeinflusst von den Schriften Luthers und Zwinglis, bereitete die Reformation in der Rheinstadt vor. Mit Grausen allerdings musste Erasmus miterleben, wie der Bildersturm zu einem Aufstand des Pöbels verkam. Er floh Basel für mehrere Jahre und blieb dem alten Glauben treu. Umso erstaunlicher, dass er in Basel sein Leben beendete und ihm von der reformierten Stadt ein Staatsbegräbnis bereitet wurde.
Immer wieder waren es Fremde, die in der freien Stadt Basel wirken durften und den Fortschritt mitbrachten. Nach den Humanisten waren es die Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, aber auch Freiheitsfreunde aus den deutschen Splitterstaaten. Jacob Sarasin war Seidenbandfabrikant und Dichterfreund, zu seinen Gästen gehörten Gottlieb Konrad Pfeffel, Johann Georg Schlosser, Jakob Michael Lenz, Johann Caspar Lavater, Wilhelm Heinse, Sophie von La Roche und Johann Wolfgang von Goethe. Sie waren im „Weissen Schloss“, einem im französischen Stil erbauten Stadtpalais zu Gast und befruchteten sich gegenseitig in allen den von ihnen praktizierten Künsten. Goethe war begeistert von Basel und bewunderte neben der Stadt auch die Leute, die hier wohnten und wirkten.
Ein ganzes Kapitel ist dem in Basel aufgewachsenen Dichter und Pfarrer Johann Peter Hebel aus dem Wiesental gewidmet. Er wurde am Petersplatz geboren, ging auf die einstmals von Felix Platter geleitete Münsterschule, das spätere Humanistische Gymnasium. Früh verlor er bei einem Unglück in der Nähe von Rötteln seine Mutter. Er studierte Theologie und wurde später sozusagen der erste evangelische Bischof im Badischen. Viele seiner Gedichte wie das berühmte „Z’Basel a mim Rhy" und besonders seine Kalendergeschichten sind berühmt und unvergessen geblieben.
Es würde im Rahmen einer Buchbesprechung zu weit führen, alle die Dichter und Schriftsteller zu nennen, die in Basel ihre Spuren hinterlassen haben. (zum Beispiel den Philosophen Nietzsche, von dem noch das Philosophe-Wägli am Dorenbach kündet),
Lassen wir es bewenden bei dem für das Theater wichtigen Dreigespann Brecht, Dürrenmatt, Frisch, die alle für Basel eine wichtige Rolle spielten. (Vergessen wurde der Vorgänger des modernen deutschsprachigen Theaters, Caesar von Arx, der immerhin in Basel zur Schule gegangen ist, wobei er wegen schlechter Leistungen das Basler Realgymnasium vorzeitig verlassen musste, wie später sein Schriftstellerkollege Jürg Federspiel).
Das Buch „Literarische Spaziergänge durch Basel“ ist nicht nur für Basler und Heimwehbasler lesenswert. Denn es zeigt einmal mehr wie eine Stadt Menschen befruchten kann und wie umgekehrt Menschen eine Stadt vorwärts bringt. Die von Debrunner eingefügten Zitate der einzelnen Literaten sind stimmig und träf. Ein Buch, an dem niemand unberührt vorbeilesen kann!
Albert M. Debrunner „Literarische Spaziergänge durch Basel“ Verlag Huber Frauenfeld, 2011, ISBN 978-3-7193-1571-9
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